Mittwoch, 19.10.2016

Pep Guardiola mit Manchester City in Barcelona

Hoffen auf den Barca-Effekt

Am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVETICKER) kommt es zur zweiten offiziellen Rückkehr von Pep Guardiola nach Barcelona. Mit Manchester City weckt er alte Erinnerungen, die Citizens erhoffen sich den Barca-Effekt.

Der Katalane an sich mosert gerne. Er sitzt vor einem der vielen Cafes der Innenstadt Barcelonas, hat eine Zeitung auf dem Schoß liegen und blickt die Straße herab. Dieser Pep Guardiola. Na ob das was wird?

Keine Erfahrung als Trainer im Profifußball und gleich Ronaldinho und Deco abgesägt. In der Liga gegen Numancia verloren.

Der Katalane legt die Zeitung auf den kleinen Tisch neben seine Tasse und steht auf. "Guardiolas Barca enttäuscht gegen Numancia", steht auf der Titelseite. Eine Woche später wird er am gleichen Ort sitzen. Katalanen sind Gewohnheitstiere.

Wieder fällt die Überschrift der Zeitung wenig schmeichelhaft aus. El Confidencial schreibt: "Ein steriles Barca kann nach der Revolution von Guardiola nicht mit Racing mithalten."

Grundstein für das Triple gelegt

Der Trainer sagte zu diesem Zeitpunkte Sätze wie diese: "Es gibt keine Entschuldigung, wir haben nicht gut angegriffen." Oder: "Ich nehme die ganze Schuld auf mich." Auch gerne gehört: "Ich habe kein Problem mit Samuel Eto'o."

Der Kredit, den er sich als Spieler und Trainer der B-Mannschaft aufgebaut hat, beginnt in diesen Momenten schon zu schwinden. Es ist der 13. September 2008 und Guardiola sitzt auf einem Holzstuhl, an dem die Journalisten fleißig zu sägen begonnen haben.

Drei Tage später legt der FC Barcelona mit einem 3:1-Sieg über Sporting CP die Basis für das Triple. 19 Spiele wird das Team in den nächsten Wochen absolvieren und keines davon verlieren. Erst Schachtjor Donezk entführt Mitte Dezember drei Punkte aus dem Camp Nou.

Guardiola geht nicht mehr aus dem Kopf

Pep Guardiola ist angekommen, sein Fußball hat die Köpfe der Spieler erreicht. Er wird sie nie mehr verlassen. Ob man nun mit Victor Valdes, Carles Puyol, Xavi Hernandez oder Thierry Henry spricht, sie alle schwärmen von ihrer Zeit unter dem in Santpedor geborenen Trainer.

Keiner der genannten Spieler wird beim Spiel gegen Manchester City (20.45 Uhr im LIVETICKER) auf dem Platz stehen. Sie alle haben Barcelona verlassen, ihre Aufgaben erfüllen nun Marc-Andre ter Stegen, Samuel Umtiti, Ivan Rakitic oder Luis Suarez. Keiner von ihnen hat mit Guardiola zusammengearbeitet.

Und doch wird die Atmosphäre im Camp Nou eine ganz besondere sein. Der heutige City-Coach baute das wieder auf, was Cruyff einst begonnen hatte. Er renovierte die Jugendausbildung, die erste und zweite Mannschaft sowie das Selbstbild eines ganzen Klubs. Der Erfolg von Luis Enrique baut auch auf auf dem, was Guardiola schuf.

"Eine neue kritische Phase"

Dieser ist kein Trainer wie Carlo Ancelotti oder eben Enrique. Beide kommen und formen aus dem, was sie vorfinden das Bestmögliche. Der Katalane dagegen kommt, wirft Sachen um und stellt neue auf. Er wirbelt das Wissen seiner Spieler durcheinander und ordnet es neu.

Das, was er in Barcelona geschaffen hat, erhofft sich auch Manchester City. Ein Gesicht, eine Spielidee, die die Trainer nach Guardiola ebenso fortführen können wie die Jugendtrainer im Unterbau. Dass sie dabei einen Projektmanager unter Vertrag genommen haben, ist nur in Ordnung.

Der FC Bayern hatte dieses Bild von sich selbst schon und rieb sich entsprechend immer wieder mit den Ideen Guardiolas. Das macht vielleicht auch verständlich, warum er nicht nach Barcelona zurückkehren wird. Er hat seine Aufgabe dort abgeschlossen, der Verein steht nun auf eigenen Beinen.

Das ist anders in Manchester. "Eine neue kritische Phase", kündigten die Citizens in ihrem Jahresabschluss für die Saison 2016/17 an und tatsächlich wird diese Saison die sein, die City unter den Granden Europas etabliert.

Barcas Anti-Guardiola-Maschine

Das muss noch nicht in Barcelona passieren und wird es vermutlich auch nicht. Dafür ist Peps ManCity noch weit entfernt von Enriques Barcelona. "Natürlich ist Barcelona etwas Besonders. Sie sind eine Maschine", hatte Guardiola vorgewarnt und damit bildlich dargestellt, was seine Männer im Camp Nou erwartet.

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Das unabhängige Schweizer Institut CIES hat berechnet, wie teuer die Kader von Europas Top-Klubs tatsächlich waren. Ein Pogba geht dabei mit über 100 Mio. Euro in die Berechnung ein, ein Ibrahimovic mit null, weil er ablösefrei zu United ging
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Zwischen Stoke und Leicester City steht der FC Schalke auf Platz 27. 124 Millionen Euro ließ sich Königsblau den aktuellen Kader kosten
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Aber jetzt rein in die Top 20: Die beginnen mit dem FC Southampton und einer Summe von 182 Mio. Euro. Allein im vergangenen Sommer investierten die Saints knapp 52 Mio.
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Platz 17: Wir erreichen mit dem SSC Napoli die 200-Millionen-Euro-Marke. Übrigens: Marek Hamsik gab's einst für schlappe 5,5 Mio.
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Platz 15, AS Monaco: Der Klub aus dem Fürstentum ist mit 202 Mio. Euro notiert. Ein gutes Fünftel davon entfällt auf Radamel Falcao
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Rang 14: Everton ließ sich sein aktuelles Lineup 212 Mio. Euro kosten. 35 davon entfallen allein auf Mittelstürmer Romelu Lukaku
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Rang 13: 237 Millionen Euro hat Borussia Dortmund über die Jahre für seinen Kader hingeblättert. Andre Schürrle ist mit 30 Mio. übrigens der größte Posten
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Platz 12: Tottenham Hotspur liegt bei 274 Mio. Euro. Moussa Sissoko ist der Rekordtransfer mit 35 Mio. Einen Dele Alli gab's für schlappe 6,5
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Platz 11: Inter Mailand investierte 295 Millionen Euro, 40 davon allein in diesem Sommer für Europameister Joao Mario
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Platz 10: Der FC Liverpool eröffnet die Top 10. 356 Mio. Euro hat der Kader gekostet. Gute 80 entfallen allein auf Sadio Mane und Roberto Firmino
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Platz 9: Der FC-Bayern-Kader ist ein Milliönchen teurer gewesen als der der Reds, also 357 Mio. Euro. Martinez, Vidal, Sanches und Hummels sind die dicksten Brocken
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Platz 8, FC Arsenal: Wenger wird immer vorgeworfen auf seinem Geld zu sitzen, dennoch hat er 381 Mio. Euro für seinen aktuellen Kader ausgegeben
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Platz 7: 395 Millionen Euro stecken im Team von Juventus Turin. 90 Mio. kostete Gonzalo Higuain, Sami Khedira kam ablösefrei
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Platz 6: Mit PSG geht es über die 400 Millionen Euro - und zwar weit. 455 sind es exakt. Fast die Hälfte davon haben Cavani, di Maria, Silva und Pastore gekostet
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Platz 5: Der FC-Chelsea-Kader bringt es auf 481 Mio. Euro. Die beiden Belgier Eden Hazard und Michy Batshuayi waren mit 40 und 39 Mio. Euro die teuersten Transfers
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Platz 4: Der FC Barcelona liegt hauchdünn vor Chelsea mit 485 Mio. Euro. Neymar und Suarez haben jeweils über 80 gekostet. Messi, Iniesta und Busquets z.B. gab es für umme
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Platz 3: Jetzt wird's böse! Mit 611 Mio. Euro liegt Manchester City mal schlappe 126 Mio. vor Barca. Sterling, De Bruyne, Agüero, Stones,... Wir wissen, dass diese Jungs teuer sind
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634 Mio. Euro hat Real Madrid für seinen aktuellen Kader hingeblättert. Angeführt von Gareth Bale (105) und CR7 (100) versteht sich. Zum Vergleich: Wuschelkopf Marcelo war 2007 mit 6,5 Mio. ein Schnäppchen
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Manchester United, 718 Mio. Euro: Die 100 Mio. für Paul Pogba bedeuten Transferrekord, für Wayne Rooney überwiesen die Red Devils bereits 2004 37 Mio. Euro an den FC Everton
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Enrique hat gewissermaßen eine Mannschaft geformt, die wie geschaffen ist, um die seines Gegenübers vom Mittwoch zu schlagen. Der sichere Spielaufbau ist ideal gegen das Angriffspressing, die druckresistenten Mittelfeldspieler überspielen gekonnt jedes Gegenpressing und MSN bestrafen jede hoch stehende Abwehrreihe.

Dazu sind diese Citizens noch lange nicht so weit, das geforderte Spiel über die volle Spielzeit zu erbringen. Das zeigten die letzten Begegnungen, wenngleich das Team doch beispielsweise gegen Everton (1:1) sehr nahe an der Vorstellung Guardiolas gewesen sein dürfte.

Gündogan setzt auf Insiderwissen

Positiv scheint das Insiderwissen von Guardiola. "Es ist ein großes Plus, dass er sie kennt. Er kennt das Team, den Klub, das Stadion und er kennt Lionel Messi", folgerte Ilkay Gündogan. Der Mittelfeldspieler trifft zum ersten Mal auf Barcelona: "Er wird uns Informationen geben, die uns kein anderer Trainer geben kann."

Somit steht Emotionalität nicht mehr wirklich im Fokus. Eine große Rückkehr mit Feierlichkeiten wird es nicht geben, wenngleich viele Cules Guardiola noch im Herzen tragen. Er ist mit dem Klub zerstritten und das hörte man in der Pressekonferenz gelegentlich auch durch: "Wir fahren dorthin, um Punkte zu holen. Das ist das Allerwichtigste."

Somit scheint offen, was der Katalane vor seinem Cafe am Donnerstag lesen wird. So oder so wird etwas zu mosern sein. Das gilt nicht für den Mann aus Manchester. Der ist vorerst mit so gut wie allem zufrieden.

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Ben Barthmann

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Ben Barthmann(Redaktion)

Ben Barthmann, Jahrgang 1995, ist seit 2013 bei SPOX. Aufgewachsen in München studiert er nebenbei Sportmanagement, ist DFB-Lizenzinhaber und schreibt nicht nur über Fußball, sondern steht selbst als Trainer auf dem Platz. Obwohl das Augenmerk auf den Rasenplätzen dieser Welt liegt, hat er auch ein Herz für UFC, Darts, Tennis und die WWE.

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