Müller: "Uns wurden Schwächen offenbart"

SID
Donnerstag, 29.09.2016 | 14:03 Uhr
Carlo Ancelotti sah ein schwaches Bayern-Spiel
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Nach dem Patzer im ersten Härtetest herrscht bei den Ancelotti-Bayern Ernüchterung vor. Klubboss Karl-Heinz Rummenigge fordert eine Reaktion.

Carlo Ancelotti kaute mechanisch auf seiner Vollkornsemmel, als Karl-Heinz Rummenigge das Wort ergriff und dem Trainer sowie dessen beim ersten Härtetest der Saison durchgefallenen Stars ins Gewissen redete. Es sei "wichtig", sagte der Vorstandchef von Bayern München nach dem 0:1 (0:1) bei Atlético Madrid auf seiner Bankettrede im Hotel Intercontinental, "dass wir jetzt direkt am Samstag darauf reagieren gegen den 1. FC Köln und die Tabellenführung der Bundesliga verteidigen".

Doch in den Stunden nach der ersten Pleite in der noch jungen Ära Ancelotti herrschte Ernüchterung vor beim FC Bayern. Schließlich war die Niederlage beim Finalisten im zweiten Gruppenspiel "leider verdient", wie Rummenigge geknickt zugab, "weil Atlético Madrid ein bisschen mehr getan hat als wir, sie wollten einfach mehr den Sieg haben".

Mangelnder Siegeswille beim FC Ruhmreich? Gerade aus Rummenigges Mund ein hartes, aber gerechtes Urteil. Ancelotti nahm es an der Seite von Ehefrau Mariann mit stoischer Miene zur Kenntnis.

"Es war keine gute Leistung"

Zuvor hatte er seine Mannschaft gerügt. "Es war keine gute Leistung", sagte der Italiener über das Spiel im Vicente Calderón, das Yannick Carrasco (35.) mit seinem Tor entschieden hatte. Ancelottis Mängelliste war lang.

Kapitän Philipp Lahm und Co. seien "in den Zweikämpfen nicht bissig genug" gewesen, hätten "zu langsam gespielt", dazu "die Kontrolle ein bisschen verloren" und zu wenig aus ihren Chancen gemacht. Hätte EM-Schützenkönig Antoine Griezmann den vom stümperhaft agierenden Arturo Vidal verursachten Foulelfmeter nicht an die Latte geschossen (84.), wäre das noch härter bestraft worden.

Aber, so versprach Ancelotti im Sinne Rummenigges: "Beim nächsten Mal wird es wieder besser." Also am Samstag (15.30 Uhr im LIVETICKER), wenn der ungeschlagene Dritte Köln zum Topspiel kommt.

Die Botschaft kam an. "Wir müssen diesen Fehler so schnell wie möglich ausbügeln", sagte Weltmeister Thomas Müller und dachte dabei auch an die Lage in Gruppe D der Königsklasse, wo nun zweimal die PSV Eindhoven (19. Oktober/1. November) wartet. Dort, betonte Rummenigge, sei "alles", auch Platz eins, noch möglich. Daher wollte er aus der Wiederholung der Niederlage im Halbfinal-Hinspiel im April bei Atlético - der vierten in Spanien ohne Bayern-Tor hintereinander - "kein Drama machen".

Neuer kritisiert: "Fehlender Killerinstinkt"

Allerdings: Den versteinerten Mienen der Stars war noch am Donnerstagmorgen anzusehen, wie sehr das 0:1 an ihnen nagte. Offenbar wähnten sie sich schon weiter. Aber, so meinte Müller, "wenn ein neuer Trainer kommt, geht nicht innerhalb von ein, zwei Monaten alles so von der Hand". Dass den Bayern aber gleich in der "ersten wirklich schwierigen Prüfung ein paar Schwächen offenbart" wurden, wie Müller bekannte, war für sie schwerer zu verdauen als jede noch so trockene Vollkornsemmel.

In Madrid wurden die Problemchen, die sich gegen den FC Ingolstadt (3:1) und den Hamburger SV (1:0) angedeutet hatten, zu echten Mängeln. Vorne sind die Ancelotti-Bayern (noch) zu verschwenderisch, Torhüter Manuel Neuer kritisierte zu Recht fehlenden "Killerinstinkt". Hinten stimmt nach Verletzungen wichtiger Spieler wie Abwehrchef Jerome Boateng bisweilen die Abstimmung nicht. Das wohl größte Problem: Das "Loch im Zentrum", das Müller ausmachte. Das Mittelfeld um Xabi Alonso hatte nach gutem Beginn keinen Zugriff mehr.

"Wir haben noch viel Verbesserungsbedarf", meinte Weltmeister Mats Hummels. Und es bleibt ja noch genügend Zeit bis zu den K.o.-Spielen im Frühjahr. Hummels forderte deshalb augenzwinkernd eine "Wiederholung" der Prüfung: "Wir müssen nochmal antreten zum Test." Gerne am 3. Juni 2017, beim Champions-League-Endspiel in Cardiff.

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