"Die kennen uns ja nicht..."

Montag, 02.05.2016 | 22:35 Uhr
Manuel Neuer steht in seinem fünften Bayern-Jahr zum fünften Mal im Champions-League-Halbfinale
© getty
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Der FC Bayern München baut vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid (Di., 20.45 Uhr im LIVETICKER) auf die ungewohnte Umgebung für die Rojiblancos. Die präsentierten sich am Tag vor dem Spiel wie kleine Jungs, die einfach nur Spaß haben wollen. Aber einer hat Angst.

Wie unverbrauchte Kids tollten die Spieler von Atletico Madrid umher. Spaßorientiert, gedankenlos. Patsch-patsch, die flache Hand auf Rücken und Hinterkopf des Kumpels hauen, der sich gerade aufmacht zum "Spießrutenlauf" durchs Spalier der Rojiblancos. Das ganze garniert mit sanften Tritten in den Hintern, innigen Umarmungen und passendem Gelächter.

30 Meter zog Diego Simeone mit der Hacke einen Ball über seinen ausgestreckten Körper und forderte Atleticos medizinischen Stab auf, ihm gefälligst zuzuschauen bei seiner Trickserei. Auch hier wurde eifrig gelacht.

Wer Atletico Madrid am Montagabend in der Allianz Arena beobachtet hat beim Abschlusstraining für das Rückspiel in München, könnte meinen, dass es der Gegner des FC Bayern nicht besonders ernst meint mit der Vorbereitung auf Dienstagabend. Dabei sind Spaß und Gemeinsamkeit fundamentale Elemente im System Simeone.

Torres: "Wir sterben füreinander"

"Wir wissen, was wir sind, und dass wir nur als Team funktionieren. Wir sterben füreinander. Jedes Spiel ist eine Schlacht, die wir nur gemeinsam bestehen können. Aber wir genießen diese Schlachten", sagte Fernando Torres auf der Pressekonferenz der Cholchoneros.

Die PKs zum Nachlesen im LIVETICKER

Die 90 - oder vielleicht 120 - Minuten werden Atletico erneut alles abverlangen, glaubt Torres, doch das Team ist darauf eingestellt. "Es wird ein großer Kampf. Wir werden auf dem gleichen Niveau kämpfen wie der FC Bayern."

Atletico fehlt noch ein Schritt zum erneuten Einzug ins Finale der Champions League. 2014 verpassten die Rojiblancos nur um wenige Sekunden den Triumph über Stadtrivale Real. Nicht wenige sehen Atleticos Moment gekommen, zum ersten Mal in der Klubgeschichte die begehrteste Trophäe des europäischen Vereinsfußballs zu gewinnen.

"Atletico stand in den letzten Jahren immer für eine starke Defensive. Aber sie haben sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Sie sind technisch sehr stark, brauchen nicht viele Chancen für ihre Tore und sind zu 100 Prozent fokussiert", sagte Javi Martinez.

Atleticos Ziel: erneut gewinnen

Simeone verweist auf die richtige Mischung und den Titel-Hunger der Mannschaft. "Mein Trainerteam und ich arbeiten jetzt viereinhalb Jahre in Madrid. Wir haben erfahrene Spieler, die die Situation eines Champions-League-Halbfinals kennen. Und wir haben junge Spieler dazugewonnen und in die Mannschaft eingebaut. Alle vereint, dass sie Titel gewinnen wollen", sagte der Coach, bevor er seine Aussage aus der Pressekonferenz vor dem Hinspiel wiederholte: "Wir spielen Fußball. Und da geht es geht darum zu gewinnen. Es ist daher klar, was wir am Dienstag wollen: gewinnen."

Ein Remis würde Atletico reichen, doch auch Pep Guardiola glaubt nicht an ein bloßes Verteidigen des Gegners. "Ich erwarte Atletico wie Juventus im Spiel in München. Sie werden am Anfang attackieren und sich dann erst in der zweiten Halbzeit zurückziehen.

Hinsichtlich der Vorgehensweise der Bayern war am Montag vor allem ein Terminus zu hören: Geduld. "Wir haben 90 Minuten Zeit, ins Finale zu kommen. Wir brauchen erst mal nur ein Tor und müssen auch gut verteidigen. Und wir müssen uns den unterschiedlichen Phasen des Spiels anpassen", sagte Guardiola.

Simeone hat Angst

In den Halbfinals der letzten beiden Jahre, als die Bayern gegen Real Madrid und Barcelona jeweils einem Rückstand hinterherliefen, sei die Mannschaft nicht bereit gewesen, so Guardiola.

"Gegen Real haben wir am Anfang alles falsch gemacht gegen Bale, Ronaldo und Benzema. Und gegen Barcelona hatten wir nur 14 gesunde Spieler. Jetzt haben wir eine neue Möglichkeit. Wir haben unsere Chance und werden es probieren", erklärte Guardiola.

Manuel Neuer baut auf die ungewohnte Umgebung für Atletico. "Der Rasen wird schneller sein und unserem Spiel mehr entgegenkommen. Und Atletico kennt uns in einem Champions-League-Heimspiel ja nicht."

Zumindest bei Diego Simeone fruchtet diese Aussage. Auf die Frage, ob er etwas nervös sei vor Dienstagabend, antwortete er: "Um ehrlich zu sein, bin ich immer nervös. Ich habe auch Angst. Sie können sich vorstellen, wie es mir vor dem Anpfiff gehen wird..."

In einem sind sich beide Trainer einig: Dass es einen legendären Dienstagabend geben wird in München-Fröttmaning.

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