UEFA Media Day beim FC Bayern München

"Halbfinale ist gar nichts"

Mittwoch, 20.04.2016 | 20:43 Uhr
Xabi Alonso, Javi Martinez, Thiago und Juan Bernat standen den Journalisten Rede und Antwort
© getty
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Im Vorfeld des Champions-League-Halbfinals gegen Atletico Madrid lud der FC Bayern München am Mittwoch zum UEFA Media Day an der Säbener Straße. Xabi Alonso, Javi Martinez, Juan Bernat und Thiago sprachen über diverse Aspekte des kommenden Gegners, den lebenden Triple-Traum und Peps Abschieds-Tournee.

Der Reihe nach stellte sich das Bayern-Quartett den Fragen der deutschen und spanischen Journalisten. Rund um das Champions-League-Halbfinale wurden alle großen Themen behandelt:

Die Erwartungen an das Duell mit Atletico:

Xabi Alonso: "Wir hoffen natürlich, ein gutes Ergebnis aus Madrid zurück nach München zu bringen. Es wird ein sehr ausgeglichenes Duell. Atletico ist ein extrem intelligentes Team. Wenn wir nicht bei 100 Prozent sind, werden wir es kaum ins Finale schaffen."

Juan Bernat: "Mittlerweile kennt jeder Atletico. Sie sind sehr gefährlich, weil sie als Mannschaft agieren - nach vorne wie nach hinten. Der Teamgeist ist riesig."

Javi Martinez: "Zum wichtigsten Zeitpunkt der Saison sind sie auf ihrem höchsten Niveau angelangt. Sie sind unheimlich wettbewerbsfähig und haben - wie wir auch - eine richtig gute Form. Das werden zwei spannende Spiele."

Thiago: "Wir kennen ihre Waffen und werden unsere eigenen nutzen. Wichtig ist, dass wir frisch sind und das Spiel kontrollieren."

Atleticos Abwehr:

Alonso: "Das ist natürlich eine ihrer ganz großen Stärken. Sie sind vermutlich die Besten in Sachen Abwehrarbeit. Man hat es nicht nur in den Spielen gegen Barcelona gesehen: Atletico ist in der Elite des europäischen Fußballs angekommen."

Martinez: "Sie sind defensiv mit die beste Mannschaft in Europa - nicht nur als Team, sondern auch die Einzelspieler. Sie wissen, wie man den Gegner am besten beackert und anschließend schnelle Gegenstöße ausspielt."

Bernat: "Mannschaften, die sich wie Atletico hinten verschanzen, sind verdammt schwer zu knacken. Es ist kaum möglich, gegen sie im Zentrum Räume zu finden. Wir müssen versuchen, über die Flügel zu kommen. In Eins-gegen-eins-Situationen können wir durchbrechen. Es wird aber sehr schwierig."

Atleticos Angriff um Griezmann, Koke und Torres:

Alonso: "Ich freue mich für Fernando, dass er sein Top-Niveau wiedergefunden hat. Die Atletico-Fans lieben ihn. Er ist ein Idol, ein Held für den Verein und einer der besten Stürmer der Welt. Wir sind gute Freunde. Auf dem Platz gibt es am Mittwoch aber keine Freundschaften."

Martinez: "Wir müssen uns über ihre Stürmer nicht mehr informieren - erst recht nicht über Torres oder Griezmann. Torres spielt seit Jahren auf einem Top-Niveau, er ist eine echte Gefahr für uns. Griezmann ist unfassbar. Es ist unglaublich, welche Entwicklung er genommen hat. Er ist einer der besten Spieler in Europa. Wir müssen ungemein auf ihn aufpassen."

Thiago: "Natürlich müssen wir damit rechnen, dass sie gegen uns ein Tor erzielen. Aber selbst wenn wir das Hinspiel 0:1 verlieren würden, haben wir im Rückspiel immer noch die große Chance, weiterzukommen."

Atleticos Ruf, am Rande der Legalität zu spielen:

Bernat: "Sie sind ein aggressives Team. Simeone hat sie darauf eingestellt. Ich will aber nicht beurteilen, ob diese Aggressivität übermäßig ist. Es liegt an den Schiedsrichtern, ob sie dieses Vorgehen zulassen. Gegen so eine Mannschaft zu spielen, ist sehr schwierig. Jeder Einzelne von ihnen kämpft. Das macht die Mannschaft so unangenehm. Das ist aber die Art, wie sie spielen. Wir können aber auch aggressiv spielen und werden dagegenhalten."

Martinez: "Diese Aggressivität ist Teil ihres Spiels und macht sie schwer zu schlagen. Wir müssen gegen sie eine starke Mentalität beweisen, die haben wir aber auch."

Thiago: "Es geht hier nicht um Fairplay oder nicht Fairplay. Jede Mannschaft hat ihre Waffen und Tricks. Das bringt die Erfahrung mit sich. Sie spielen trotzdem noch Fußball. Ich habe keinen Atletico-Spieler gesehen, der einen Gegenspieler geschlagen hat oder Ähnliches."

Atletico im Vergleich mit den anderen Halbfinalisten:

Martinez: "Atletico ist das Team, gegen das ich am wenigsten spielen wollte. Für mich sind sie der härteste Gegner aller verbliebenen Teilnehmer."

Bernat: "Alle drei Mannschaften sind stark. Atletico ist in einer sehr guten Verfassung. Mit dem Erfolg über Barcelona haben sie alle überrascht. Keiner hat daran geglaubt, dass man Barca rausschmeißen kann."

Thiago: "Sie verdienen sich den Respekt der gesamten Welt. Sie haben die Europa League gewonnen, waren in den letzten Jahren schon einmal im Champions-League-Finale und stehen nicht zufällig da oben. Sie sind nicht schwächer einzuschätzen als irgendein anderes Team. Bei Atletico wurde von der Basis auf in den letzten Jahren richtig gute Arbeit geleistet. Sie haben eine Idee entwickelt und damit gezeigt, dass es nicht nur auf die Finanzen ankommt."

Die Chance aufs Triple:

Alonso: "Man kann Titel nicht planen. Wir haben den Ligatitel in der vergangenen Saison auch schon frühzeitig gewonnen und hatten die Möglichkeit, das Triple zu holen. Jedoch haben wir dann etwas nachgelassen. Wichtig ist, dass wir in den verbleibenden Spielen immer 100 Prozent geben. Atletico geht es aber nicht anders. Auch sie können noch alle Titel gewinnen. Für sie ist auch jedes Spiel ein Finale. Es wird für beide Teams sehr intensiv."

Bernat: "Der FC Bayern spielt in allen Wettbewerben immer, um zu gewinnen. Es wäre eine riesige Sache, den Trainer mit dem Triple verabschieden zu können."

Martinez: "Jeder muss die Ambition haben, Titel zu gewinnen. Philipp Lahm ist das beste Beispiel. Er hat schon so viele Titel gewonnen und hat trotzdem noch eine riesige Motivation, weitere zu holen. Er hat immer noch die gleiche Freude am Spiel wie vor vielen Jahren. Philipp ist ein großes Vorbild."

Die Schwierigkeit, im Vicente Calderon zu bestehen:

Alonso: "Die Stimmung dort ist immer sehr gut, das wird auch dieses Mal so sein. Die Fans sind sehr speziell, sie sind sehr leidenschaftlich und leben für ihren Verein und Trainer. Für uns sollte das aber nicht wichtig sein. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was auf dem Platz passiert."

Bernat: "Wir wissen um die Besonderheit des Calderon. Das wird sehr schwer. Atmosphärisch ist es eines der besten Stadien Europas. Von daher ist es auf jeden Fall ein Vorteil, das Rückspiel in der Allianz Arena spielen zu können."

Ihre persönliche Entwicklung beim FC Bayern:

Alonso: "Die zwei Jahre haben mir viel gebracht. Ich habe mich verbessert, Deutschland ist eine riesige Erfahrung für mich. Ich bin glücklich, auf so eine erfolgreiche Karriere blicken zu können. Ich erlebe nun schon mein neuntes Halbfinale in der Champions League, aber ganz ehrlich: Halbfinale ist gar nichts. Ich will das Finale spielen. Ich hoffe, den Titel zum dritten Mal zu gewinnen."

Thiago: "Ich erlebe jeden Tag etwas Neues. Wie Ihr seht, klappt es auch mit der Sprache schon deutlich besser. Ich verstehe schon viel mehr und kann mich besser in die Mannschaft und den Verein integrieren. Man wächst als Person an dieser Aufgabe."

Die Ära Guardiola in München:

Alonso: "Ganz egal, wie diese Saison ausgeht: Ich habe keine Zweifel, dass er hier etwas Großes hinterlassen wird. Wir haben uns alle unter ihm verbessert. Man wird seine Station in München sehr positiv in Erinnerung halten, zumal wir die Chance haben, aus dieser Spielzeit eine fantastische zu machen. Jeder hier weiß zu schätzen, was er hier geleistet hat. Er hat in den drei Jahren immer eine große Unterstützung von allen im Verein erfahren."

Martinez: "Es war eine Ehre, mit Pep zusammenzuarbeiten und unter ihm zu trainieren. Ich habe sehr viel von ihm gelernt, leider war ich oft verletzt. Wir alle können uns aber glücklich schätzen, ihn zu haben. Er hat immer wieder grandiose Lösungen gefunden, wenn beispielsweise Spieler verletzt waren."

Thiago: "Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Qualität der Bundesliga, als ich nach München kam, und der Qualität der heutigen Bundesliga. Das hat sie vor allem Pep zu verdanken. Im taktischen Bereich war die Bundesliga noch nicht so ausgereift. Der Trainer hat neue Reize gesetzt und Frische hereingebracht. Man hat gesehen, wie andere Mannschaften gekämpft haben, um taktisch an uns dran zu bleiben. Pep hat Hervorragendes geleistet und uns so variabel gemacht."

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