Freischwimmen und Angriff über rechts

Pep Guardiola und Diego Simeone verteten unterschiedliche Ideen von Fußball
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Bayerns Flügelfokus: Fluch oder Segen?

Im Verlaufe der Saison wurde immer mehr Kritik am Stil der Bayern laut. Während Guardiola beim FC Barcelona noch das Spiel durch die Mitte forcierte, hat er sich in München mehr und mehr auf ein gezieltes Flügelspiel umgepolt. Die Bayern versuchen, wohl durch die pressingstarke und gegen den Rekordmeister sehr defensiv eingestellte Bundesliga bedingt, über beide Seiten zum Erfolg zu kommen.

Extremes Überladen einer Seite mit vier, fünf Spielern ist keine Seltenheit mehr im Spiel, führen zu hoher Dominanz mit Ball und mehr Durchbrüchen, als durch die stets gut bewachte Mitte. Allerdings nimmt die Chancenqualität durch die vielen Hereingaben ab, echte Schnittstellenbälle durch die Mitte sind selten geworden.

Im Rückspiel gegen Benfica vermied Guardiola gar komplett den Raum vor dem gegnerischen Sechzehner. Ohne Robert Lewandowski setzte er komplett auf das Spiel über den Flügel und knackte die Portugiesen so nur bedingt. Großer Vorteil allerdings: Wird der Ball am Flügel verloren, ist der Verlust nicht annähernd so gefährlich wie in der Mitte.

Heatmap der Bayern gegen Benfica im Rückspiel: Der Raum vor dem Sechzehner bleibt unbesetzt

Schnelle Seitenverlagerung zum Durchbruch

Gerade hier hatten die Bayern in den letzten zwei Jahren ihre Probleme im Halbfinale der Champions League. Real Madrid und auch der FC Barcelona warteten geduldig auf ihre Chancen, konterten dann blitzschnell und erzielten so zahlreiche Tore. Das wird schwieriger, da die Ballgewinne weit weg von der Gefahrenzone stattfinden.

Das wird sich auch gegen Atletico nicht anders gestalten. Hier allerdings mit dem großen Vorteil, dass die Colchoneros ihr Spiel darauf aufbauen, den Gegner nach außen zu lenken. Überlädt Bayern dort geschickt, spielt die Überzahl dann aus und kann so eventuell hinter die Abwehr gelangen, kann der so oft kritisierte Flügelfokus zum Schlüssel für einige Chancen werden.

Alternativ schaffen sie es, das Spiel auf eine Seite zu verlagern, sich dort zu befreien und dann die enorme Kompaktheit Atleticos mit einem schnellen Seitenwechsel auszunutzen. Kann in die Mitte gespielt werden und von dort ein Diagonalball durch die Verschiebebewegung auf die gegenüberliegende Seite, hat Atletico ebenso ein Problem, wie wenn Costa oder Ribery ins Eins-gegen-eins gehen können.