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Von Andreas Inama
Gianluigi Buffon bestreitet am Samstag sein zweites Champions-League-Finale
© getty

Am Samstag (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) hat Gianluigi Buffon gegen den FC Barcelona die Chance, sich seinen letzten großen Traum zu erfüllen: den Champions-League-Titel mit Juventus Turin. Der Henkelpott wäre die Krönung der großen Karriere eines fantastischen Torwarts und begnadeten Motivators. Seine Laufbahn war und ist eine mit Höhen und Tiefen, gezeichnet durch große Erfolge - aber auch von Skandalen und Kontroversen.

9. Juli 2006. Im Berliner Olympiastadion läuft die 13. Minute der Verlängerung. Die Azzurri straucheln, die Franzosen präsentieren sich in den letzten Minuten des Finales der Weltmeisterschaft frischer, fitter und vor allem eins: überzeugter. Willy Sagnol kommt an der rechten Seitenlinie an den Ball, blickt kurz auf und flankt in die Mitte. Zinedine Zidane schleicht Gennaro Gattuso davon und kann den Ball unbedrängt wuchtig Richtung Tor köpfen.

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Nur einer verliert in diesem Moment nichts von seiner Konzentration und Reaktion. Er ist zur Stelle, wenn ein krisengebeuteltes Fußballland ihn am meisten braucht: Gianluigi Buffon lenkt den Ball mit einem Klasse-Reflex über die Querlatte.

"Ich glaube, ich habe in meinem Leben viele sehr wichtige Paraden gemacht. Aber jene gegen Zidane im Finale in Berlin war wohl die entscheidendste." Knapp eine Stunde später wird Italien zum Weltmeister gekürt.

Ein Teil italienischer Kultur

Mittlerweile zieren die Vitrinen des Torhüters aus Carrara unter anderem sechs Meisterschaften, ein UEFA-Cup-Titel, vier Auszeichnungen zum Welttorhüter und eben dieser Weltmeistertitel. Erlangt hat er diese Erfolge in insgesamt über 600 Partien für Parma und Juve und der Rekordanzahl von 147 Auftritten für die italienische Nationalmannschaft.

Buffon ist nicht erst jetzt schon eine Legende. Er hat sich diesen Status bereits vor Jahren gesichert, spätestens mit dem Titel in Deutschland. Der Ausdruck "Grande Gigi!" (Gut gemacht, Gigi!) ist in Italien mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden. Macht man in einer Drucksituation etwas gut, auch fern von jedwedem fußballerischen Zusammenhang, dann macht man es wie Gigi.

Eingang in den italienischen Volksmund hat dieser Satz erstmals 1995 gefunden. Nachdem Buffon erst in der Jugend des AC Parma vom defensiven Mittelfeldspieler zum Torhüter umfunktioniert wurde, feierte er mit zarten 17 Jahren gegen den AC Milan (0:0) sein Debüt in der Serie A.

Der Positionswechsel war damals zwar der Tatsache geschuldet, dass beide Torhüter der Jugendmannschaft verletzt waren. Aber Gigi hat seinen Werdegang einem ungewöhnlichen Spieler zu verdanken: "Es war Kameruns Thomas N'Kono, der mich während der WM 1990 mit seinen spektakulären Paraden dazu inspiriert hat, ins Tor zu gehen. Er wurde mein Vorbild und ihm zu Ehren habe ich meinen Sohn Louis Thomas genannt."

Aufstieg und Skandale

Buffon verdrängte in Parma schnell Luca Bucci und war mit 18 Jahren die Nummer eins zwischen den Pfosten. Mit Spielern wie Fabio Cannavaro, Lilian Thuram oder Hernan Crespo läutete er die goldenen Jahre der Mannschaft aus der Stadt des Parmesans ein und holte 1999 die Coppa Italia und den UEFA Cup in die Emilia-Romagna.

Doch Gigis erste Jahre im Olymp des italienischen Fußballs wurden nicht nur durch Erfolge geprägt. Der junge Keeper musste sich gleich zu Beginn seiner Karriere mit dem Vorwurf des Rechtsextremismus auseinandersetzen.

Nach einem Meisterschaftssieg streifte sich Buffon ein T-Shirt mit der Aufschrift "Boia chi molla" (Wer aufgibt, ist ein Henker) über. Der Ausruf war ein Motto in neofaschistischen Kreisen der Nachkriegszeit und sollte die Menschen wieder dazu bewegen, dem italienischen Faschismus zu folgen.

Buffon wurde vor die Disziplinarkommission des italienischen Verbandes zitiert. Er rechtfertigte sich später in seiner Biographie Numero 1 damit, dass er den Satz noch aus der Zeit in der Schule kannte und der Hintergrund ihm nicht bekannt war.

Im Jahr 2000 pochte der zukünftige Welttorhüter darauf, mit der Rückennummer 88 aufzulaufen. Auch dieses Mal stellte sich heraus, dass Buffon keine rechtsextremen Hintergedanken hatte und antwortete auf seine manchmal juvenil anmutende Art: "Ich wollte die 88, da diese Zahl vier Eier hat. Und im Fußball braucht man Eier."

Der Rekordmann

Allen Widrigkeiten zum Trotz stieg Buffon die Karriereleiter unaufhaltsam weiter nach oben und schloss sich der damals wohl besten Mannschaft Europas an: Im Sommer 2001 wechselte er für ein nach wie vor unerreichte Rekordsumme für Torhüter von rund 54 Millionen Euro zu Juventus Turin.

Dort profilierte er sich nach und nach zu einem der besten Torhüter aller Zeiten. Auch eine Anklage wegen illegaler Wetten und einem gefälschten Abi sowie Depressionen konnten seinem Aufstieg nichts anhaben.

Aus sportlicher Sicht hat das auch seine Gründe: Buffon galt und gilt gemeinhin als ein kompletter Torhüter. Dank seiner Vergangenheit als Mittelfeldspieler glänzt er durch eine ausgeprägte Ballkontrolle. Auf der Linie und beim Herauslaufen hatte er seine größten Stärken. Was ihn von seinem damals größten Konkurrenten Iker Casillas um den Torhüter-Thron aber abhob, war die starke Strafraumbeherrschung.

Seite 1: Aufstieg, Rekorde und Skandale

Seite 2: Loyalität, Träume und das Elfer-Paradoxon

Gianluigi Buffon im Steckbrief

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