Strandgeschichten aus der Heimat

Freitag, 05.06.2015 | 21:06 Uhr
Gianluigi Buffon steht mit Juventus im CL-Finale gegen den FC Barcelona
© getty
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Juventus Turin und der FC Barcelona haben das Triple vor Augen (Sa., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Die Favoritenrolle für das Champions-League-Finale in Berlin scheint klar an Barca verteilt, aber Juve fühlt sich nicht als Opferlamm. Die Turiner haben 30 Jahre nach der Tragödie von Heysel auch einen historisch-moralischen Ansporn.

Familie ist wichtig in Italien, sehr wichtig sogar. Aber auch im Land von "dolce vita" geht die Arbeit vor. Deshalb begann der Tag für Leonardo Bonuccis Sohn mit einer Enttäuschung. Wo sein Papa denn hingehe, wollte der kleine Mann wissen. Nach Berlin, arbeiten, entgegnete Vater Bonucci. Schade, sagte sein Sohn, er wollte eigentlich an den Strand gehen.

Es war der Beginn der launigsten Phase dieser Pressekonferenz. Ausgelöst ausgerechnet von Bonucci. Der Verteidiger schaute auf dem Podium bis dahin so grimmig, wie der Türsteher einer Turiner Szene-Diskothek - oder wie man es eben von einem italienischen Abwehrspieler vor einem großen Finale eben erwartet.

Den günstigen Moment nutzte Gianluigi Buffon ebenfalls für eine kleine Familiengeschichte. Seine beiden Söhne hätten sich ein anderes Finale gewünscht, weil sie jetzt nicht uneingeschränkt ihrem Vater die Daumen drücken könnten. Ein Sohn sei Fan von Lionel Messi, der andere von Neymar, gestand Buffon und rutschte dabei immer weiter unters Pult.

Mit Buffon auf der Playstation

Ausgerechnet die zwei Offensivstars Barcas, die von Luis Suarez zum gefürchtetsten Angriff der Welt komplettiert werden und die Buffon am Samstag im Finale der Champions League ordentlich einschenken wollen.

Neymar selbst sprach später von einem "Kindheitstraum", der mit dem Endspiel für ihn in Erfüllung gehe. Mit Buffon habe er früher immer auf der Playstation gespielt. Der Respekt vor der italienischen Torhüterlegende sei riesengroß.

Überhaupt waren die Pressekonferenzen von gegenseitigem Respektsbekundungen und dem üblichen Austausch von Floskeln geprägt. Von "Im Fußball ist alles möglich" bis "Jede Mannschaft hat Schwächen" war alles dabei. Gerard Pique spulte sein Pensum so gekonnt herunter, dass er nebenbei sogar noch Zeit fand ständig auf seinem Handy herumzutippen.

Die Pressekonferenzen von Juventus und Barcelona zum Nachlesen im Ticker

Mittelfeld als Schlüssel

Einig waren sich die Vertreter beider Klubs auch bei der zu erwartenden Dramaturgie des Spiels. Barca wird den Ballbesitz suchen und Juventus auf Konter lauern. Von einem Clash der Systeme, der im Vorfeld der Partie ausgerufen wurde, wollten sie aber nicht sprechen. Zu stark hat sich Juventus in dieser Saison in der Offensive präsentiert und zu stark war Barcas Defensive.

"Das Mittelfeld wird der Schlüssel", sagte Juves Trainer Massimiliano Allegri. "Unsere vier Mittelfeldspieler könnten die entscheidenden sein." Daneben sei die mentale Stärke ein weiterer Faktor.

Juventus hat zwar auch dieses Mal kaum eine Chance ausgelassen, um Barca die Favoritenrolle zuzuschieben. Aber erstens hätten italienische Mannschaften aus ungünstigen Ausgangspositionen schon oft mehr als erwartet herausgeholt. Und zweitens "brauchen wir uns nicht als Opferlamm darzustellen", wie Buffon sagte.

Heysel-Tragödie als Antrieb

Als Antrieb dient dem italienischen Doublesieger dabei auch die Vergangenheit. 1985 starben bei der Stadionkatastrophe vor dem Finale im Europapokal der Landesmeister zwischen Juventus und dem FC Liverpool 39 Menschen.

Juves Spieler hoffen, "den Opfern von damals den Sieg widmen zu können". 30 Jahre danach, in einem "Jahr der Erinnerung", wie Trainer Allegri sagte. Es wäre ein mehr als passender Zeitpunkt.

Einen so großen Bogen kann oder muss Barca nicht spannen. Die Katalanen stehen aber immerhin vor ihrem vierten Champions-League-Titel seit 2006 und vor dem zweiten Triple nach 2009. "Wenn wir gewinnen, wird es eine perfekte Saison sein, dann schreiben wir Geschichte", sagte Pique.

Messi ist zu stoppen

Barcas goldene Generation kann weiter an ihrem eigenen Denkmal schrauben. Aber mit Neymar, Suarez oder Ivan Rakitic gibt es auch Spieler, für die es der erste Triumph in der Königsklasse wäre. "Für mich ist es das wichtigste Spiel meines Lebens", sagte Neymar.

Mit Anpfiff geht es dann auch darum, die Emotionen zu kontrollieren und sich nicht von dem besonderen Moment verleiten zu lassen. Die Lockerheit der Pressekonferenzen und der letzten Trainingseinheiten im Stadion muss auch im Spiel zu sehen sein.

Dass die Italiener dabei auf ihren verletzten Haudegen und Führungsspieler Giorgio Chiellini verzichten müssen, ist ein herber Verlust. "Sein Charakter und seine Entschlossenheit werden uns fehlen, auch in der Kabine", sagte Bonucci. Der ehemalige Wolfsburger Andrea Barzagli wird ihn vermutlich ersetzen und damit auch die Aufgabe bekommen, Neymar, Suarez oder Messi zu verteidigen.

Ob Messi überhaupt aufgehalten werden kann, wurde Allegri noch gefragt. Pep Guardiola hatte vor dem Halbfinale ja das Gegenteil behauptet. "Ich glaube, dass Messi gestoppt werden kann, ganz klar. Sonst hätten wir gar nicht herkommen brauchen, sondern hätten woanders hingehen können." Zum Beispiel an den Strand.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Juventus: Buffon - Lichtsteiner, Barzagli, Bonucci, Evra - Pirlo, Marchisio, Vidal, Pogba - Tevez, Morata

Barcelona: Ter Stegen - Alves, Pique, Mascherano, Alba - Busquets, Rakitic, Iniesta - Messi, Suarez, Neymar

Juventus vs. Barcelona: Die Bilanz

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