Portos Cristian Tello im Porträt

Stille Wasser sind tief

Von Adrian Franke
Dienstag, 10.03.2015 | 11:00 Uhr
Cristian Tello ist derzeit an den FC Porto ausgeliehen
© getty
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Cristian Tellos Weg beim FC Barcelona war nie auf Rosen gebettet. Der Offensivmann musste um seinen Platz kämpfen, verfügt daher über eine für sein Alter auffallend souveräne Art. Klare öffentliche Kritik gab es aus Tellos Mund trotz der vermeintlichen Messi-Mobbing-Affäre nur ein Mal: Als er seinen Freund und Ex-Mitspieler Cesc Fabregas verteidigte. Erneut wählte er in dieser Saison den Umweg und hat sein Ziel klar vor Augen.

Ein Sprint in den freien Raum mit ordentlich Zug aufs Tor, ein Blick auf die Reaktion von Leverkusens Schlussmann Bernd Leno und ein überlegter Schlenzer ins lange Eck - gestatten: Cristian Tello. Es war das erste Champions-League-Tor des gerade aufkommenden Youngsters, ein weiteres sollte bei der 1:7-Abreibung für Bayer Leverkusen im Achtelfinal-Rückspiel im März 2012 folgen.

Tello war der jüngste Star aus Barcas berühmter Jugendakademie La Masia, der den Sprung zu den Profis geschafft hatte und dem von nahezu allen Experten eine große Karriere bei Barca prognostiziert wurde. Doch es sollte zunächst anders kommen - wenngleich Tello über seine bewährten Umwege nach wie vor in Barcelona sein Glück finden will.

Der Traum von La Masia

Der Weg des in der katalanischen Industriestadt Sabadell geborenen Angreifers führte früh nach Barcelona. Bereits 2002, im Alter von elf Jahren, ging Tello als Torschützenkönig von seinem Jugendklub Can Rull zum katalanischen Giganten. Damit erfüllte er sich einen Traum. "Der Klub weiß, dass im Prinzip fast alle Spieler der ersten Mannschaft aus der eigenen Schule kommen. Deshalb müssen sie mit La Masia sehr vorsichtig umgehen, denn sie gibt ihnen die Früchte, um Titel zu gewinnen", erklärte Tello einst.

Doch er avancierte trotz meist solider Auftritte nie wirklich zum Leistungsträger - auch weil er eine neue Position lernen musste. Als Mittelstürmer gekommen, stellte Barca ihn nahezu ausschließlich als Flügelstürmer auf. Tellos Entwicklung stagnierte. Nach einer zwischenzeitlichen Ausleihe ließ Barca seinen Vertrag später auslaufen.

Tello ließ sich allerdings nicht entmutigen und bewahrte sich stets ein stabiles Umfeld, indem er Katalonien und somit auch die Nähe zu seiner Familie nicht verließ. 2010 ging er zum Stadtrivalen Espanyol. Obwohl er mit der zweiten Mannschaft in die vierte Liga abstieg, wollte Barca den einstigen Schüler zurück und verpflichtete den damals 19-Jährigen wieder für die eigene zweite Mannschaft.

Kein Erstliga-Debüt mit 17 oder 18, kein gehypter Sponsorenvertrag oder voreiliger Schritt ins Scheinwerferlicht: Der Youngster musste sich seine Sporen hart verdienen und lernte früh auch die Business-Seite des Fußballs kennen. Das merkt jeder, der die bescheidene und ruhige Art des Offensivmannes auf und abseits des Platzes heute sieht.

Tello "besser als Ronaldo"

So überzeugte er schließlich bei seiner insgesamt dritten Barca-Stint und setzte sich endlich mit konstant guten Leistungen durch. Zwischen 2010 und 2012 kam er für die zweite Mannschaft 39 Mal zum Einsatz, erzielte dabei neun Tore und empfahl sich vor allem für die Profis. Der Sprung gelang ihm bereits in der Saison 2011/12, wo er in 22 Einsätzen in Liga, Pokal und Champions League sieben Mal traf - darunter jene beiden Treffer gegen Bayer.

Tello hatte es geschafft, an seiner Torgefährlichkeit zu arbeiten und sich so in den Vordergrund gespielt. Der Spanier überzeugte mit seiner gefährlichen Kombination aus Dribbelstärke und Geschwindigkeit, was zunehmend häufiger in Torgefahr resultierte - und was den damaligen Barca-Sportdirektor Andoni Zubizarreta einst zu einer gewagten Aussage verleitete: "Wenn Sie mich fragen, ob Tello oder Cristiano Ronaldo besser ist, dann würde ich Tello sagen."

Die harten Extra-Schichten nach dem Training sowie die Schule in den unterklassigen Ligen zahlte sich aus: Tello schaffte in der Saison 2012/13 den festen Sprung in den Profi-Kader und war 2013 einer der effizientesten Angreifer der Liga: Teamintern hatte nur Lionel Messi eine prozentual bessere Chancenverwertung als Tello, von dessen 33 Torschüssen sieben den Weg ins Netz fanden.

Dabei hob er allerdings nie ab, obwohl der Klub ihn 2013 mit einem neuen Vertrag bis 2018 belohnte: "Ich versuche immer den Abschluss zu suchen wenn ich ein Dribbling vollende, aber man muss auch auf besser postierte Mitspieler achten."

Der vermeintliche Messi-Skandal

Und doch war es auch die Saison, in der er zum ersten und bislang einzigen Mal mit Negativschlagzeilen in Verbindung gebracht wurde. Es tauchten im Sommer 2013 zunehmend Berichte auf, wonach Superstar Messi die jungen Spieler intern gemobbt haben soll - und Tello galt als eines seiner Lieblingsopfer. Auch auf dem Platz wurde das einmal deutlich, als der damals 22-Jährige im Champions-League-Spiel gegen den AC Milan aufs Tor schoss, anstatt Messi den Ball zu übergeben.

Der Argentinier schimpfte danach auf seinen Mitspieler ein, bis Tello schließlich mit hängenden Kopf auf seine Position zurück trabte. Intern soll Messi nachgelegt haben: "Was machst du nur? Du bist neu hier und du bist ein Niemand. Spiel mir den Ball zu, du bist hier, um für mich zu spielen." Tello war anschließend angeblich in Tränen aufgelöst, was er einige Wochen später dementierte.

"Wir haben keine komplizierte Beziehung. Leo ist wirklich ambitioniert und will so viele Tore wie möglich schießen und der beste Spieler der Welt sein", ließ der ruhige, eher in sich gekehrte Juniorennationalspieler allerdings Raum für Spekulationen und Interpretationen: "Er ist aber nicht egoistisch oder verärgert, wenn er nicht spielt. Wenn er sieht, dass etwas nicht klappt, geht es um seine Ambitionen."

Lob der Fans? "Eine Ehre!"

Einmal mehr hatte der Spanier, dessen großes Vorbild Ronaldinho ist, aber auch nach dem vermeintlichen Vorfall seine Leistungen auf dem Platz sprechen lassen. Fans und Medien forderten vor dem 0:4 im CL-Halbfinal-Hinspiel mit dem FC Bayern sogar vehement einen Einsatz des Youngsters, stattdessen durften aber die außer Form agierenden Alexis Sanchez und David Villa ran.

"Es ist eine Ehre, dass die Fans wollen, dass ich spiele", gab er sich gewohnt demütig und fügte schon fast entschuldigend hinzu: "Es war hart, bei einem solch großen Spiel nicht im Kader zu stehen. Man will immer jede verfügbare Minute spielen, aber ich bin trotzdem glücklich."

Ernsthafte öffentliche Kritik übte Tello nur ein Mal, als Barca Cesc Fabregas im vergangenen Sommer an den FC Chelsea abgab: "Er hat den Klub nicht so verlassen, wie er es verdient gehabt hätte. Er ging durch die Hintertür raus. Er ist ein spektakulärer Spieler, man muss sich nur seine Tore und Vorlagen hier bei Barca anschauen. Ich denke, das wird auch ihm wehtun, denn sein Traum war es, mit Barcelona Titel zu holen."

Erneut aber schien auch sein eigener Weg bei Barca in eine Sackgasse zu führen und erneut wählte Tello, nachdem er in der Saison 2013/14 wieder nicht den Sprung vom Edeljoker zum Stammspieler geschafft hatte, den Umweg einer Ausleihe. Über den FC Porto will er reifen - und das mit nur einem Ziel: "Ich will spielen und der beste Weg dahin war per Leihe. Ich bin bis 2018 an Barca gebunden und will so hart wie möglich arbeiten, dass ich zurückkehren kann."

Eigenlob stinkt

Seinen Worten ließ er bislang Taten folgen. In 22 Saisonspielen war er an 14 Treffern direkt beteiligt, zuletzt schoss er gegen Verfolger Sporting alle drei Treffer beim 3:0-Sieg. Seine Reaktion: "Ich freue mich immer über ein Tor und ich muss zugeben, dass die letzte Woche sehr speziell war. Aber bei dieser Gelegenheit will ich auch meine Teamkollegen loben, denn ohne sie wäre das nicht möglich gewesen."

Es sind Aussagen wie diese, die den 23-Jährigen abseits des Platzes besonders machen. Ähnlich hatte er sich vor fast genau drei Jahren nach seinen ersten Champions-League-Toren gegen Leverkusen geäußert: "Ich denke immer an die ganze Arbeit, die dahinter steckt, dass ich in dieser Mannschaft und für diesen Verein spielen kann. Das gibt mir Vertrauen und mit Toren gebe ich der Mannschaft Vertrauen."

Erneut trat er selbst dabei nur zu gerne aus dem Scheinwerferlicht: "Ich bin sehr glücklich, dass ich in dieser Mannschaft, der besten der Welt, in diesem Verein und unseren Fans in einem so großen Spiel meinen Beitrag leisten konnte." Dabei sollte allerdings niemand den Fehler machen, Tellos Demut mit fehlenden Ambitionen zu verwechseln, wie er selbst nach seiner Vertragsverlängerung bei Barca durchblicken ließ: "Meine Zeit wird noch kommen."

Alles zu Christian Tello

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