ManCity vor dem Spiel gegen Bayern

Das zahnlose Monster

Montag, 24.11.2014 | 13:41 Uhr
Vincent Kompany und Co. stehen mit Manchester City erneut vor dem Aus in der Champions League
© getty
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Manchester City hinkt den eigenen Ansprüchen auf internationaler Ebene seit Jahren meilenweit hinterher. Während man im Sommer noch vom Titel in der Champions League sprach, steht man vor dem Spiel gegen den FC Bayern (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) zum dritten Mal in vier Jahren vor dem Aus in der Gruppenphase. Vor allem die Diskrepanz zwischen den internationalen und den nationalen Auftritten wirft Fragen auf.

Zusammengekauert saß Benjamin Agüero in den Katakomben des Etihad Stadiums. Von seinem Gesichtsausdruck konnte man ablesen, dass er nicht angesprochen werden wollte. Nicht von fremden Menschen, nicht von den Medien und schon gar nicht von seinem Vater. Denn der 5-jährige Benjamin war beleidigt und verstand die Welt nicht mehr. Wie könne man nur gegen ein Team wie ZSKA Moskau verlieren? Man wollte doch so hoch hinaus. Als Meister der Premier League.

"Er war richtig böse auf mich", verriet Sergio Agüero. Den Ärger konnte Vater Agüero nachvollziehen, eine schlüssige Erklärung, die den Spross zufrieden stimmte, fand er jedoch nicht. Denn schließlich ist es genau diese kindliche Naivität, die die aktuelle Situation der Skyblues recht gut beschreibt. Seit Jahren klafft zwischen den internationalen und den nationalen Auftritten eine Kluft und gipfelte zuletzt in der 1:2-Heimpleite gegen ZSKA Moskau. Mit der Frage nach dem Warum, tut sich sogar der Trainer schwer.

Drittes Vorrunden-Aus droht

"Ich verstehe nicht, warum wir in der Champions League nicht spielen können", tappt City-Coach Manuel Pellegrini im Dunkeln. Nach vier Spieltagen und lediglich zwei Punkten auf dem Konto steht der amtierende Meister der noch vor Jahren so hochgelobten Premier League zum dritten Mal in vier Jahren wieder vor einem Scherbenhaufen. Nur mit einem Sieg gegen die Bayern hält City die Chance aufs Weiterkommen am Leben.

Seit dem kometenhaften Aufstieg der Citizens im Jahr 2009 hat es das Team bislang nicht geschafft, eine ordentliche Balance zwischen der Liga und der Champions League zu erlangen. Dabei wollte man in dieser Saison das Stigma des zahnlosen Monsters auf der internationalen Bühne ablegen und endlich die so sehnlich erwünschte Duftmarke setzen.

Mit einem ordentlichen Batzen Geld wurde dafür das Team vor allem in der Defensive punktuell verstärkt und die Grenze des Financial Fairplay ausgereizt. Für Eliaquim Mangala und Fernando überwies City in der Sommerpause rund 55 Millionen Euro an den FC Porto. Zudem stießen Bacary Sagna vom FC Arsenal sowie Frank Lampard vom befreundeten Klub aus New York zum Team. Unangetasteter Stammspieler ist bislang keiner der Neuzugänge, sodass meist die Elf aus dem letzten Jahr auf dem Platz steht. "Wir haben in dieser Saison einen besseren Kader, kein besseres Team", sagt Pellegrini selbst.

"Buy one get one free"

Im Selbstverständnis des Klubs spielt man seit Jahren bereits mit den europäischen Topklubs. Doch nicht nur bei Scheich Mansour, der vor diesem Jahr erneut deutlich vom Champions-League-Sieg sprach, driften Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Auch das Umfeld im blauen Teil von Manchester sieht sich längst auf einem Level mit den Topklubs. Auftritte gegen Moskau nimmt man dabei zwar mit, allerdings nicht ohne zu grummeln.

So musste man letztlich die eigenen Anhänger vor dem Heimspiel gegen die Russen gar mit einem "Buy one get one free"-Angebot locken, um das Stadion überhaupt voll zu bekommen. Um Teams wie Moskau kümmert man sich nicht wirklich. Man will gegen die großen Teams Europas spielen, große Champions-League-Abende unter Flutlicht erleben.

Am Dienstag bekommen die Skyblues mit der Partie gegen den FC Bayern München (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) ihren ersehnten spektakulären Champions-League-Abend. Mit solchen Kalibern wie dem Champion von 2013 will man sich messen. Dass es dabei bereits um alles oder nichts geht, weiß man, umschifft es im Voraus der Partie allerdings gekonnt. "Wir haben jetzt noch zwei Spiele. Die müssen wir beide gewinnen. Es ist schon oft passiert, dass Teams, die in der Gruppenphase schlecht gespielt haben, letztlich die Champions League gewonnen haben", so Pellegrini. Mit einer "positiven Wut" wolle man nach dem letzten Strohhalm greifen.

Verheerende Statistik in der CL

Die Vorzeichen vor dem richtungsweisenden Spiel gegen die Bayern könnten allerdings deutlich besser sein. Mit Toure und Fernandinho fehlen zwei Spieler gesperrt, zudem muss David Silva verletzungsbedingt passen. "Wir müssen ohne diese drei Säulen auskommen. Aber genau für solche Situationen haben wir einen großen Kader. Wir wissen, dass wir gewinnen müssen und haben auch das Personal dafür, von Anfang an Druck auf den Gegner auszuüben. Es ist unsere letzte Chance, noch in die nächste Runde zu kommen."

Das mögliche Ausscheiden letztlich nur auf die Seuche auf internationaler Ebene zu schieben, wäre dennoch zu einfach. Generell lässt sich der Trend nicht verschweigen, dass sich die englischen Teams in der Champions League in den letzten Jahren enorm schwer tun. Mit City an vorderster Front verpassen es die Teams von der Insel meist, geschlossen gegen den Ball zu pressen. In Moskau wurden beispielsweise lediglich 2 von 19 Bällen in der gegnerischen Hälfte erobert.

Deutschland vs. England: Die Daten-Analyse

Hinzu kommen bei City verheerende läuferische Werte. Im Schnitt unter 110 Kilometer legen die Citizens als Team zurück - der viertschlechteste Wert aller CL-Teams. "Wir dürfen nicht nur auf die Niederlage gegen Moskau zu Hause schauen. Wir haben bislang noch in keiner Partie in der Champions League das wahre City gezeigt. Aber wir haben noch zwei Partien, um das zu ändern", gibt sich Agüero angriffslustig.

Ein Schritt zurück?

Doch auch in der Liga präsentiert sich die Pellegrini-Elf aktuell weit entfernt von den Auftritten in der letzten Saison. Gegen Stoke und West Ham setzte es überraschende Pleiten, gegen Underdog Newcastle musste man im League Cup sogar die Segel streichen. Vor allem in den letzten Spielen ist von der bärenstarken Offensive, die in der letzten Saison 102 Tore in der Liga erzielte, nur noch wenig zu sehen.

Hinzu kommt die Abhängigkeit von Angreifer Sergio Agüero. Der Stürmer erzielte sowohl in der Liga (12 von 24) als auch in der Champions League (2 von 4) die Hälfte aller City-Tore. Ist der Stürmer aus dem Spiel, geht meist nur wenig zusammen. Dass es City erst am Wochenende erstmals in dieser Saison gelang, ohne ein Agüero-Tor zu siegen, spricht Bände.

Inwiefern es für Trainer Pellegrini nach einem möglichen und nicht unwahrscheinlichen Ausscheiden in der Gruppenphase weitergeht, wird sich zeigen. "Mehr als die Besitzer mache ich mir selbst Druck. Wenn wir es nicht ins Achtelfinale schaffen, müssen wir uns hinsetzten und überlegen, was passiert ist. Das würde ich tun, wenn wir tatsächlich ausscheiden."

Aktuell könne er die Frage nicht beantworten. Es wäre "ein Schritt zurück", meint Pellegrini. Auch wenn Scheich Mansour nicht als Aktionist gilt, hasst er dennoch genau diesen Schritt zurück. Der Coach wäre in Erklärungsnot. Genau wie Sergio Agüero.

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