BVB: Macht Matze Mats?

Dienstag, 04.11.2014 | 13:30 Uhr
Ginter (r.) spielte erst in zwei Pflichtspielen (Schalke, Galatasaray) mit Hummels zusammen
© getty
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Borussia Dortmund wird beim Champions-League-Heimspiel gegen Galatasaray (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) aufgrund des verletzungsbedingten Ausfalls von Mats Hummels die Besetzung der Innenverteidigung verändern müssen. Der formschwache Neven Subotic und der bislang wenig beachtete Neuzugang Matthias Ginter stehen für Trainer Jürgen Klopp zur Auswahl. Was spricht für wen?

Von den zahlreichen Länderspielpausen hat man bei Borussia Dortmund zuletzt nicht immer viel gehalten. Viele Abstellungen verhindern dann gezieltes Arbeiten, kaum mehr als eine Handvoll Profis lässt sich an solchen Tagen auf dem Trainingszentrum in Brackel blicken.

In dieser Saison hat sich daran natürlich nichts geändert, doch die vergangene Länderspielpause im Oktober sowie die nun bevorstehende bringen einen Vorteil mit sich: Sie verschaffen Dortmunds Verletzten und denen, die kürzlich noch dazu zählten, Zeit.

Subotic oder Ginter neben Sokratis?

Bei Mats Hummels wurde am Sonntag eine Pause von drei Wochen prognostiziert. Im Rhythmus der englischen Wochen verpasst man da schnell mal fünf, sechs Spiele. Da die Bundesliga bald pausiert, besteht die Hoffnung, dass der BVB-Kapitän lediglich die Heimspiele gegen Galatasaray und Gladbach aussetzen muss. Sobald die Nationalspieler wieder zurückgekehrt sind, muss Dortmund nach Paderborn reisen - genau drei Wochen, nachdem sich der 25-Jährige die Bänderdehnung im rechten Fuß zugezogen haben wird.

Für die beiden bevorstehenden Duelle muss Trainer Jürgen Klopp die Besetzung der Innenverteidigung aber in jedem Fall verändern. Die Auswahl ist beschränkt, da mit Sokratis, der in jeder Partie dieser Spielzeit auflief, einer der konstantesten Dortmunder gesetzt ist.

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So verbleiben nur noch zwei Akteure im Kader, die in der Innenverteidigung spielen können. Und die sind bislang eher neben der Spur gelaufen: Neven Subotic und Matthias Ginter.

Subotic auf der Suche

Hätte man einen Tipp zu wagen, wen der Coach ins Rennen schickt, würde man wohl Subotic sagen. Allerdings hat der Serbe weiterhin mit sich und den Nachwirkungen seiner langen Verletzungspause zu kämpfen.

Bereits vor seinem Kreuzbandriss im letzten November wackelte Subotic immer mal wieder und suchte nach der Konstanz, die er besonders in den beiden Meisterjahren auf den Platz brachte. Auch jetzt befindet er sich wieder auf der Suche, die Schlagworte heißen diesmal Form, Rhythmus und Stabilität.

Subotic wirkt nach der Verletzung zwar drahtig und fit, sein Bewegungsablauf allerdings seltsam unrund. Es ist für ihn bei weitem keine ideale Situation, sich die Wettkampfhärte in der aktuell äußerst angespannten Lage aneignen zu müssen. Doch Subotic bringt - im Gegensatz zum 20-jährigen Ginter - ein gutes Maß an Erfahrung mit.

Passen Subotic und Sokratis zusammen?

Das Wissen darum sowie sein Urvertrauen gegenüber Subotic könnte Klopp dazu bewegen, dem in München sehr unglücklich agierenden 25-Jährigen weitere Einsatzzeit zu geben. Nur wird sich der Coach die Frage stellen müssen, inwieweit Subotic und Sokratis überhaupt zusammenpassen.

Beide definieren sich über Zweikämpfe, Willen, Kampfgeist. Ein feines Füßchen, um das Spiel von der hinteren Linie auszulösen oder gar zu lenken, besitzen sie aber nicht. Sokratis, der zuletzt selbst auf den Außenpositionen der Viererkette zum Einsatz kam, hat sich in diesem Bereich gesteigert. Subotic stagniert da eher. Aber: Ein Hummels werden beide in diesem Leben nicht mehr. Was das für den BVB heißen kann, wurde in der zweiten Halbzeit des Gastspiels bei den Bayern deutlich.

Als Hummels nach vielen guten Grätschen und einigen präzisen Pässen ins Mittelfeld ausgewechselt werden musste, veränderte sich die Statik des Dortmunder Spiels. Es lag nicht ausschließlich am Pärchen Subotic/Sokratis, dass der BVB dann häufig auf lange Schläge aus der Abwehr heraus zurückgriff, spielerische Befreiungen sind allerdings auch nicht ihr Kerngebiet.

Nur sechs Pflichtspiele für Ginter

Insofern muss Ginter aktuell ein Teil der Kloppschen Gedankenspiele sein. Ihn wollte die Borussia unbedingt und legte dazu immerhin einen zweistelligen Millionenbetrag auf den Tisch. Viel bei rumgekommen ist jedoch noch nicht.

Klopp setzte Ginter in nur sechs der bislang 16 Pflichtspiele ein, je drei Mal als Innenverteidiger und Sechser. Nimmt man die beiden Partien in der Champions League aus, offenbarte Ginter bei jedem Einsatz große Probleme. Vereinfacht ausgedrückt rennt er denselben Faktoren hinterher wie Subotic. Allerdings steckt der sehr zurückhaltende Ex-Freiburger mitten im Anpassungs- und Lernprozess.

"Es war doch klar, dass es anfangs schwierig wird auf diesem Niveau", meint Ginter. Dass es zunächst wohl nur zu Teileinsätzen reicht, sei ihm bereits zu dem Zeitpunkt bewusst gewesen, als er den Wechselwunsch hegte. Es sind für ihn in Dortmund ganz neue sportliche Sphären, die er in seiner langen Zeit beim Sportclub nicht kennenlernen konnte.

Chance für Ginter gegen Galatasaray?

Unklar erscheint derzeit die Frage nach Ginters Idealposition. Dass er bereits als Sechser für Schwarzgelb auflief, war dem Notstand auf dieser Position geschuldet, als Oliver Kirch, Nuri Sahin, Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl fehlten. Ginters Auftritte im defensiven Mittelfeld blieben unter dem Strich farblos, sein Einfluss auf das Spiel ausbaufähig. Bundestrainer Joachim Löw tat ihm keinen Gefallen, als er ihn beim Heimspiel gegen Irland - ein Team, das kaum daran interessiert war, nach vorne zu spielen - ebenfalls dort auflaufen ließ.

In Freiburg war der Innenverteidiger Ginter deshalb so dominant, weil er die Angriffe mit seinem präzisen Passspiel sicher aus der Abwehr heraus aufbaute. In Dortmund wird offensiver verteidigt, es gehe "viel, viel schneller nach vorn".

Um das Passspiel künftig riskanter und dennoch zielgerichtet vorzutragen, braucht es Selbstvertrauen. Das hat derzeit allerdings kaum ein Dortmunder. Mit der komfortablen Tabellenkonstellation im Rücken hätte Klopp gegen Galatasaray eine gute Gelegenheit, Ginter eine Chance zu geben. Er wäre vom Spielertyp her wohl am ehesten in der Lage, Hummels' Aufgaben zu übernehmen. Zumindest wäre es ein Test zu sehen, ob Ginter auch beim eminent wichtigen Sonntagabendspiel gegen die Fohlen denkbar wäre. So oder so: Nach dem durchschnittlichen Start beim BVB steht für Ginter momentan die Tür wieder einen Spalt weit offen.

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