"Augen zu und durch"

SID
Dienstag, 16.09.2014 | 13:11 Uhr
Schalke 04 ist im Moment nicht in Form und muss auf zahlreiche Verletzte verzichten
© getty
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Venlo

Jens Keller zählte in Gedanken die letzten Gesunden durch, Benedikt Höwedes stieg gar nicht erst ein, und Horst Heldt sehnte schon die Rückreise herbei. Als die Krisenkicker von Schalke 04 am Dienstagmorgen den Flieger nach London bestiegen, war die Vorfreude auf die Champions League wie weggeblasen.

"Es hilft kein Jammern, es hilft kein Klagen - Augen zu und durch", gab Sportvorstand Heldt seinem Trainer und den Spielern vor dem Start in der Königsklasse am Mittwoch (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) beim FC Chelsea mit auf den Weg. Der jüngste Tiefschlag: Auch Weltmeister Höwedes fällt aus.

Während die königsblaue Delegation mit Flug ST2424 nach London Luton aufbrach, flog der 26-Jährige nach München - zur Untersuchung beim Nationalmannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Beim 1:4-Debakel in Mönchengladbach hatte er sich einen Hüftbeugerteilanriss der Sehne zugezogen. Das Ergebnis: Höwedes muss nicht nur an der Stamford Bridge passen, sondern auch in den kommenden Spielen, wie der Klub am Dienstagnachmittag mitteilte. Er ist bereits der fünfte verletzte Verteidiger.

Bei den Schalkern herrscht wieder einmal Weltuntergangsstimmung. Sportlich liegt der Bundesliga-Dritte der Vorsaison als Tabellen-16. am Boden, personell kriecht er auf dem Zahnfleisch, und atmosphärisch ist trotz spätsommerlicher Temperaturen in London Eiszeit.

Keine Trainerdiskussion

Die Diskussion um Coach Keller ist nach dem kapitalen Fehlstart mit dem DFB-Pokal-Aus und nur einem Zähler aus drei Bundesligaspielen neu aufgeflammt. Zwar betonte Klubboss Clemens Tönnies zum x-ten Mal: "Bei uns gibt es keine Diskussion um den Trainer."

Doch die öffentliche Forderung von Torjäger Klaas-Jan Huntelaar nach einem "Plan" gepaart mit dem planlosen Auftritt in Gladbach hat der Endlos-Debatte um den seit seinem Amtsantritt vor 21 Monaten umstrittenen Keller neue Nahrung gegeben.

Eine weitere klare Niederlage in London würde die Krise weiter verschärfen. Und eine Packung droht in der Tat an der Stamford Bridge. Schon in der vergangenen Saison unterlag Schalke zweimal 0:3 gegen die Blues. Ein Ergebnis, mit dem die Gelsenkirchener diesmal möglicherweise gut bedient wären. "Chelsea ist im Moment sicherlich nicht unsere Augenhöhe", gab Keller zu, und Heldt ergänzte euphemistisch: "Es ist nicht der leichteste Gegner."

Chelsea stärker als im Vorjahr

Das Team um Weltmeister Andre Schürrle ist deutlich stärker als vor einem Jahr: Mit vier Siegen aus vier Spielen führen die Londoner souverän die Tabelle der Premier League an. Mit den Spaniern Diego Costa, der schon sieben Ligatreffer erzielte, und Cesc Fabregas, der bereits sechs Tore vorbereitete, hat der Champions-League-Sieger von 2012 enorme Qualität hinzugewonnen.

Da die Blues aber am Sonntag beim Meister Manchester City auf das erste Schwergewicht in der Premier League treffen, könnte gegen Schalke der eine oder andere Leistungsträger eine Pause bekommen.

Keller ist dagegen froh, wenn er elf gesunde Spieler zusammenbekommt. Sollte auch noch Kapitän Höwedes ausfallen, wäre er der fünfte verletzte Abwehrspieler. Langfristig fehlen ohnehin Leon Goretzka, Fabian Giefer und Jefferson Farfan. Angeschlagen waren zuletzt auch Christian Fuchs und Dennis Aogo (beide Muskelverhärtung), die aber ebenso in den Flieger stiegen wie Jan Kirchhoff (Sehnenverletzung im Knie).

Vor dem Abflug hatte Tönnies noch einmal Keller den Rücken gestärkt. Der Ex-Mainzer Thomas Tuchel, mit dem Heldt zu Beginn des Jahres schon einmal verhandelt hatte, sei kein Thema. "Tuchel steht nicht auf unserem Zettel", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der "WAZ", "wir haben Jens Keller."

FC Chelsea - Schalke 04: Statistik zum Spiel

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