Reals Jese Rodriguez im Porträt

Jese: Fan-Liebling in Rauls Fußstapfen

Dienstag, 25.02.2014 | 12:00 Uhr
Jese Rodriguez gilt als größtes Talent im Kader von Real Madrid
© getty
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In der 2. Mannschaft knackte er einen Uralt-Rekord von Real-Legende Emilio Butragueno, aktuell mischt er das Star-Ensemble auf. Jese Rodriguez drängt mit aller Macht ins Team - trotz der Offensiv-Power um Bale, Ronaldo und Benzema. Und mit den Fans hat er einen wichtigen Befürworter hinter sich.

Als Jose Mourinho im Frühling 2013 Iker Casillas im Real-Tor absägte, ging ein Aufschrei durch die spanische Hauptstadt. Der große San Iker, der bei den Königlichen sämtliche Jugend-Teams durchlaufen hatte und zu dieser Zeit das einzige verbliebene Real-Eigengewächs in der Startelf der Königlichen war, sollte ab sofort auf der Bank Platz nehmen? In Augen zahlreicher Real-Fans eine Untat des sowieso bereits geächteten Ex-Trainers, der damit selbst bei den treuesten Anhängern den letzten Kredit verspielte.

Denn während man im glamourösen Madrid einerseits stets stolz auf die große Klub-Tradition und des mit klangvoll besetzten Kader ist, haben die Talente aus der königlichen Nachwuchsschmiede im Vergleich zu den millionenschweren Stars meist ein höheres Ansehen. Auch bei kleineren Fehlern drückt das anspruchsvolle Publikum eher mal ein Auge zu. Für sie ist es wichtig, dass hin und wieder "einer von ihnen" den Sprung schafft und somit zur Identifkationsfigur der künstlich zusammengestellten Truppe wird.

Zwar war nach der Degradierung von Casillas kein Spieler aus der eigenen Jugend mehr in der Stammelf, doch bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft von Real, machte ein Nachwuchskicker mit beeindruckenden Zahlen auf sich aufmerksam. Mit 22 Toren in einer Saison übertraf Nachwuchsstürmer Jese Rodriguez den ewigen Castilla-Rekord von Real-Legende Emilio Butragueno und legte somit den Grundstein für den Sprung in den Kader der ersten Mannschaft.

Doch trotz der zahlreichen Tore bekam der Spanier unter Mourinho dort zunächst nie eine wirkliche Chance. Der Ex-Coach kritisierte ein ums andere Mal die Verzahnung zwischen dem Nachwuchsteam und der ersten Mannschaft, Talente wie Jese blieben auf der Strecke.

Unter Ancelotti der Durchbruch

Unter Carlo Ancelotti änderte sich dies. Der Italiener schaute sich immer wieder Spiele von RM Castilla an und zog zahlreiche Talente in die erste Mannschaft. Jedoch nicht, um vor den Fans gut dazustehen. Vielmehr scheint der Trainer von deren Qualität tatsächlich überzeugt zu sein.

"Die Arbeit, die sie bei der zweiten Mannschaft machen, ist sehr gut und enorm wichtig für mich. Jese beispielsweise ist ein Spieler, der uns mit seinen 20 Jahren bereits jetzt extrem weiterhilft. Das haben vor der Saison vermutlich nur die wenigsten geglaubt", so der italienische Trainer in Anspielung auf die Verpflichtungen im Sommer.

Denn nach dem Transfer von 100-Millionen-Mann Gareth Bale entstand mit dem Waliser, Cristiano Ronaldo und Karim Benzema eine Traumoffensive, die in Stein gemeißelt schien. Die Qualitäten von Jese wusste man zwar weiterhin zu schätzen, doch vor allem auf den Außenpositionen war zunächst kein Platz.

Nicht wenige waren der Meinung, dass dem Talent ein ähnliches Schicksal bei Königlichen drohen würde wie zuvor Juan Mata, Alvaro Negredo oder Roberto Soldado. Allesamt wurden bei den Königlichen als zu schlecht für die erste Mannschaft befunden und wurden auf die Resterampe befördert. Erst nach dem Abschied aus Madrid reiften die Spieler letztlich zu internationalen Topstars.

Der Beste seit Raul

Doch Jese profitierte zunächst von den zahlreichen Veränderungen auf den Außenpositionen bei Real. Bale schlug sich seit der Ankunft in Madrid mit Verletzungen herum, Ronaldo holte sich zuletzt aufgrund einer Tätlichkeit eine Sperre über drei Spiele ab. Auch deshalb bekam der 20-Jährige in dieser Saison bislang überraschend viel Einsatzzeit. Und in dieser wusste er zu überzeugen.

In seinen gut 1000 Einsatzminuten knipste Jese acht Mal und bereitete sechs Tore vor. In den ersten Spielen von Beginn an traf der 20-Jährige drei Mal in Folge - seit Raul gelang dies keinem spanischen Real-Spieler. "Er ist ein unglaubliches Talent. Es ist erst seine erste Saison und er ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Deshalb muss er genauso hart weiterarbeiten wie bisher", so Ancelotti über das Real-Eigengewächs.

Bereits mit 14 Jahren wechselte Jese von seinem Heimatklub auf Gran Canaria zu den Königlichen. Bei Real und in der spanischen Nationalmannschaft durchlief er seitdem sämtliche Jugendmannschaften.

Drei Jahre nach seinem Wechsel setzte Jese auf internationalem Boden ein erstes kräftiges Ausrufezeichen. Bei der U-19-Europameisterschaft 2012 steuerte er fünf Tore zum Titelgewinn bei und wurde somit Torschützenkönig des Turniers. Lediglich ein Jahr später gelangen ihm bei der U-20-Weltmeisterschaft ebenfalls fünf Buden.

Überheblichkeit oder Ehrgeiz?

"Natürlich bin ich erst von Castilla zur ersten Mannschaft gekommen, deshalb muss ich geduldig sein. Doch ich versuche, das mir entgegengebrachte Vertrauen zurückzuzahlen und will in jeder Minute auf dem Platz etwas lernen", gibt sich Jese bescheiden, da er weiß, was er vor den Journalisten zu sagen hat. Aus seinem Umfeld ist hingegen immer wieder von einem überdurchschnittlich großen Selbstvertrauen die Rede. Den Ballon d'Or wolle er gewinnen, möglichst innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Ob nun Überheblichkeit oder Ehrgeiz: Es ist ein Charakterzug, der sich häufig auch auf dem Platz zeigt und der die zahlreichen Vergleiche mit Ronaldo erklärt. Denn neben den charakterlichen Eigenschaften und dem äußeren Erscheinungsbild gleichen sich vor allem die Spielstile der beiden. Wie der Portugiese kommt Jese in vielen seiner Angriffe über die Schnelligkeit, ist stark im Konterspiel und geht immer wieder im Sprint ins Eins-gegen-eins. Auch die zahlreichen Hackentricks und Übersteiger abseits des fußballerischen Einmaleins ließen Jese vor allem bei RM Castilla zum Publikumsliebling werden.

"Er hat keine Flausen im Kopf, aber man muss trotzdem vorsichtig mit ihm sein. Wir dürfen ihn nicht verheizen. Er hat bereits große Fortschritte gemacht, ist extrem jung und hat außergewöhnliche Voraussetzungen", weiß Ancelotti. Und obwohl bei den Königlichen zahlreiche weitere begabte Talente auf ihre Chance brennen, wird Jese am ehesten der Sprung in die Stammelf zugetraut

Jeses Vorteil: Die Flexibilität

Während vor allem Isco und Alvaro Morata vor der Saison eher der Durchbruch im Starensemble vorausgesagt wurde, scheint Jese aktuell vor allem von seiner Flexibilität zu profitieren. Im 4-3-3-System von Carlo Ancelotti kann der Spanier in der vorderen Dreierreihe auf allen Positionen auflaufen.

Eine Eigenschaft, von der er vor allem in der nahen Zukunft profitieren könnte. Denn sobald Bale und Ronaldo die Real-Flügel wieder millionenschwer belegen, bliebe zunächst wohl nur der Zweikampf im Sturm mit dem kritisch beäugten Karim Benzema. Während dieser dem spanischen Stürmer in Sachen Erfahrung und Abgezocktheit aktuell wohl noch in den Schatten stellt, hat Jese jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die Fans stehen hinter ihm.

Jese Rodriguez im Steckbrief

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