Montag, 25.11.2013

Trainer Keller in der Kritik

Schalke zum Siegen verdammt

Als Jens Keller einen Tag nach seinem 43. Geburtstag die Dienstreise nach Rumänien für das Spiel gegen Steaua (Di., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) antrat, war die Zeit der Glückwünsche vorbei. Der umstrittene Trainer ist im traditionell unruhigen Umfeld von Schalke 04 wieder in die Kritik geraten.

Jens Keller steht bei Schalke nach dem Remis gegen Frankfurt wieder in der Kritik
© getty
Jens Keller steht bei Schalke nach dem Remis gegen Frankfurt wieder in der Kritik

Doch die Unterstützung der Klubführung hat der Fußballlehrer noch. "Dass man Jens Keller immer besonders kritisch beurteilt, ist albern und unverständlich", sagte der Aufsichtsratschef Clemens Tönnies vor dem wegweisenden Champions-League-Spiel am Dienstag bei Steaua Bukarest: "Lasst ihn seine Arbeit machen! Er steht nicht infrage."

Das sehen viele Anhänger der Königsblauen nach dem enttäuschenden 3:3 nach 2:0-Führung beim Bundesliga-Kellerkind Eintracht Frankfurt ganz anders. In Fankreisen rumort es. In Internetforen wird immer häufiger der Rauswurf des Trainers gefordert. Ein Fan stellte sogar eine Petition an den Vorstand mit dieser Forderung ins Internet, später verschwand sie wieder.

Tönnies nimmt Profis in die Pflicht

Die Vorwürfe der Kritiker: Die hochkarätig besetzte Mannschaft hat keine Spielidee, die Automatismen fehlen, eine Entwicklung ist nicht zu erkennen, es passieren immer dieselben Fehler. Das ärgerliche Remis in Frankfurt erinnerte fatal an das 3:3 vor zwei Monaten in Hoffenheim, als Schalke ebenfalls zur Halbzeit mit zwei Toren geführt hatte.

Tönnies, der nach dem Spiel in Frankfurt "verdammt sauer" war, widersprach. "Ich sehe natürlich Fortschritte, gar keine Frage", sagte der starke Mann der Königsblauen, der vor dem vorletzten Gruppenspiel die hochdotierten Profis in die Pflicht nimmt: "Ich fordere ein, dass sie am Dienstag eine Topleistung abliefern. Sie sind in der Verantwortung."

Achtelfinal-Einzug möglich

Mit einem Sieg beim rumänischen Meister könnte sich in der Tat die düstere Stimmung beim Bundesliga-Sechsten aufhellen. Sollte gleichzeitig der FC Basel gegen den Topfavoriten FC Chelsea verlieren, wäre Schalke sogar vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert.

Darauf setzt auch Tönnies: "Am Dienstag gewinnen wir in Bukarest, dann kommen wir weiter, und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus." So sieht es auch Mittelfeldspieler Jermaine Jones: "Wir wollen in Rumänien alles klarmachen."

Keller muss in der Nationalarena auf Torhüter Timo Hildebrand verzichten. Der Ex-Nationalkeeper, der zuletzt sowohl beim FC Chelsea (0:3) als auch in Frankfurt beim ersten Gegentor gepatzt hatte, flog wegen einer Hüftprellung nicht mit. Für ihn wird Ralf Fährmann zwischen den Pfosten stehen.

Kritik an der Defensive

Derzeit hinkt Schalke den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Die ursprünglich angepeilten ersten drei Plätze in der Bundesliga sind schon nach 13 Spieltagen außer Reichweite. Selbst der Tabellenvierte Borussia Mönchengladbach hat bereits vier Punkte Vorsprung. Mit 26 Gegentoren stellen die Gelsenkirchener die drittschlechteste Defensive der Liga.

Viele Fans und Beobachter kreiden dies Keller an, der seit seit gut elf Monaten im Amt ist. Auch mit der spektakulären Nachverpflichtung von Kevin-Prince Boateng für geschätzte zehn Millionen Euro fehlt dem Schalker Spiel noch immer ein Konzept.

Der bei seinem Amtsantritt vollmundig angekündigte moderne Fußball mit aggressivem Pressing und schnellem Umschaltspiel lässt weiter auf sich warten. Wer bei einer großen Internetsuchmaschine "Schalke" und "Keller" eingibt, bekommt als erste Erweiterungsvorschläge "raus", "entlassen" und "Nachfolger".

"Es wird kein Selbstläufer"

In Rumänien geht es für den hochverschuldeten Klub um viel Geld. Gut 15 Millionen Euro an Prämien hat Schalke bislang in der Champions League eingespielt, hinzukommen die Zuschauereinnahmen. Der Einzug ins Achtelfinale ist mit weiteren 3,5 Millionen Euro dotiert, das sportliche Abschneiden entscheidet auch über den Anteil am Marktpool.

In Bukarest sind die Königsblauen trotz allem klarer Favorit. Nationalspieler Benedikt Höwedes warnt allerdings: "Es wird kein Selbstläufer!" Steaua, im Hinspiel mit 0:3 unterlegen, hat seit 1957 (4:2 gegen Dortmund) in 14 Europacupspielen nicht mehr gegen einen deutschen Klub gewonnen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Bukarest: Tatarusanu - Georgievski, Szukala, Gardos, Latovlevici - Bourceanu, Prepelita - Popa, Stanciu, Tanase - Piovaccari. - Trainer: Reghecampf

Schalke: Fährmann - Uchida, Höwedes, Matip, Aogo - Neustädter, Jones - Farfán, Boateng (Meyer), Draxler - Szalai. - Trainer: Keller

Schiedsrichter: Bas Nijhuis (Niederlande)


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