Des Trainers Klon

Dienstag, 05.11.2013 | 09:08 Uhr
Emir Spahic ist im kroatischen Dubrovnik geboren
© imago
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Gegen Schachtjor Donezk wird Emir Spahic (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) wieder in die Startelf Bayer Leverkusens zurückkehren. Für Trainer Sami Hyypiä ist der Bosnier längst eine wichtige Stütze und ganz nebenbei verbindet den Trainer und seinen Abwehrchef weit mehr als gedacht.

Die Bundesliga hat durchaus einige sprachgewandte Fußballer anzubieten. Bayern Münchens Dante ist so einer. Der Brasilianer spricht neben seiner Muttersprache Portugiesisch auch sehr ordentlich Deutsch, Englisch und noch besser Französisch.

Nach Bundesliga-Spielen stellt sich der Abwehrchef des Rekordmeisters oft den Fragen französisch sprechender Journalisten.

Dortmunds Neuzugang Henrikh Mkhitaryan spricht nicht nur Armenisch, sondern auch Englisch, Französisch, Portugiesisch und Russisch. Schalkes Kevin-Prince Boateng beherrscht Englisch, Italienisch, Türkisch und versteht nach eigenen Angaben gar ein bisschen Arabisch und Französisch.

Ein echtes Sprachtalent ist auch Bayer Leverkusens Neuzugang Emir Spahic. Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch und Bosnisch gehören zu seinem Repertoire.

Das Sprach-Genie schweigt

Gar ein paar Brocken Deutsch soll er schon vor seiner Ankunft in Deutschland gekonnt haben: Aus der Schul-Zeit und dank enger Freunde wie dem Ex-Wolfsburger Edin Dzeko und dem frühere Box-Champ Felix Sturm, ein gebürtiger Leverkusener.

Der einzige Unterschied zu den anderen Bundesliga-Spielern ist aber, dass Spahic in knapp vier Monaten Bundesliga öffentlich fast kein einziges Wort in irgendeiner Sprache herausbrachte.

Spahic lehnt mit einem freundlichen Lächeln ab, wenn er nach einem Statement gefragt wird. Als er noch geredet hat, das war kurz nach seinem Wechsel in der Sommerpause, erzählte Spahic, dass die lingualen Fähigkeiten nicht immer ein Vorteil sind:

"Es ist eine schöne Sache, wenn man im Ausland mit allen reden kann." Aber: "Manchmal bin ich dann so blockiert, dass ich ein einfaches Wort in meiner eigenen Sprache nicht mehr finde." Also dann lieber gar nicht reden.

"Er gefriert zu Eis"

Intern ist das allerdings anders. Da ist der 33-Jährige ein anerkannter Führungsspieler, dessen Meinung bei den Mitspielern sehr geschätzt wird. Er verkörpert das, wonach jeder Trainer lechzt: "Das ist einer, der zu Eis gefriert. Der hat keine Nerven und eine Menge Erfahrung", sagt Sportdirektor Rudi Völler.

400.000 Euro haben sich die Leverkusener den Bosnier kosten lassen. Ein echtes Schnäppchen, wie sich inzwischen herausstellt. Weil der Werksklub das Werben um Sokratis Papastathopoulos (zu Borussia Dortmund) und Toby Alderweireld (zu Atletico Madrid) nicht erfolgreich gestalten konnte, musste der Alternativplan greifen.

Der Routinier galt zunächst als brauchbare Option hinter Ömer Toprak und Philipp Wollscheid - inzwischen stellt sich aber die Frage nicht, ob Spahic spielt, sondern wer neben ihm spielt.

Gesetzt bei Hyypiä

Spahic hat in dieser Saison genau drei Pflichtspiele verpasst: In Braunschweig war er verletzt, in Mainz wurde er geschont, lediglich gegen Real Sociedad bekam Philipp Wollscheid den Vorzug.

Er ist das, was man einen Stammspieler nennt. "Wir haben vor dieser Saison ja nicht nur junge, sondern auch erfahrene Spieler geholt. Und dass Spahic jetzt in der Innenverteidigung steht, das merkt man schon", sagt Kapitän Simon Rolfes.

Trainer Hyypiä sieht es ähnlich. "Emir zeigt, dass er viel Erfahrung hat und Fußball spielen kann. Er ist sehr ruhig am Ball", sagt der Finne, "das ist genau das, was wir gebraucht haben: Ein junges Team braucht einen Spieler mit einer gewissen Erfahrung."

Dem Bayer-Coach sind dabei gewisse Parallelen nicht verborgen geblieben: "Als ich zu Bayer kam, wurde über mich das gleiche gesagt." Und in der Tat geht Spahic als Klon des Trainers durch.

Parallelen zum Trainer

Sie haben ähnliche persönliche Veranlagungen, auch wenn Spahics Temperament manchmal zum Vorschein kommt. Bei Youtube sind Videos mit Spahic, dem Terminator, echte Hingucker.

Sie haben aber vor allem fußballerisch einiges gemeinsam. Ähnliche Stärken, die Ruhe, das Stellungsspiel, die Kopfballstärke, aber auch ähnliche Schwächen. Hyypiä war nicht der Schnellste, Spahic ist es auch nicht, auch wenn er eine verblüffend starke Präsenz in Zweikämpfen zeigt.

"Ich bin gekommen, um den Jungen zu helfen", sagte Spahic bei seiner Ankunft in Leverkusen im Sommer. Ähnlich äußerte sich Hyypiä 2009, als er sehr überraschend als Neuzugang von Bayer 04 präsentiert wurde - er hielt Wort und ist inzwischen Bayers Cheftrainer.

WM-Traum erfüllt

"Der FC Liverpool war eine große Sache, und Sami Hyypiä war ein großer Spieler", erinnert sich Spahic an die Spielerzeiten seines Trainers. "Dass ich jetzt unter ihm spielen darf, ist schon ein Traum, der wahr wird."

Eine Sache hat Spahic seinem Trainer aber voraus: Der Traum der WM-Teilnahme blieb Hyypiä als Spieler verwehrt, Spahic hat ihn sich mit Bosnien-Herzegowina nun mit der erfolgreichen Qualifikation erfüllt. Er ist seit sieben Jahren Kapitän Bosniens und absolvierte alle Quali-Spiele über die volle Distanz.

"Unser Kapitän ist ein richtiger Leader, sagt Sergej Barbarez, Ex-Leverkusener und ebenfalls enger Vertrauter Spahics. Bis zur WM will sich "Spaha", so wird er von Freunden genannt, auf höchstem Niveau präsentieren, um dann seinen Karrierehöhepunkt zu erleben. Und vielleicht lernt er bis zum Sommer 2014 ja noch Portugiesisch, um sich in Brasilien verständigen zu können.

Emir Spahic im Steckbrief

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