Manchester City unter Manuel Pellegrini

Auf der Suche nach der Balance

Von Max Marbeiter
Mittwoch, 02.10.2013 | 10:00 Uhr
Manuel Pellegrini (r.) führte Malaga vergangene Saison ins Champions-League-Viertelfinale
© getty
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Unter Manuel Pellegrini will Manchester City endlich sein volles Potential ausspielen, noch sind die Leistungen aber sehr wechselhaft. In der Premier League steht der Favorit nur im Mittelfeld. Gegen den FC Bayern (Mi., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) muss nun die richtige Balance her.

Eigentlich pflegt Manuel Pellegrini keinen Hang zu cholerischen Anfällen. Der Chilene gilt als ruhig und besonnen. Auch dank solcher Attribute erklärte Manchester City Pellegrini zum Nachfolger des im Sommer entlassenen Roberto Mancini. Der Neue sollte einen Gegenentwurf zum Italiener darstellen. Souveränität und Ruhe anstatt Wutanfälle und lautstarker Kabinenpredigten.

Am Ende genügten jedoch drei schwache Auswärtsspiele, gekrönt von einer 2:3-Pleite bei Aston Villa, um auch Pellegrini die Contenance verlieren zu lassen - und das nur eine Woche nach dem herausragenden 4:1 im Derby gegen United. Angesichts des nächsten Rückschlags sah sich der Chilene kurz vor dem Champions-League-Duell mit dem FC Bayern (Mi., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) genötigt, der Mannschaft noch im Villa Park lautstark die Meinung zu geigen.

Die offenbart im bisherigen Saisonverlauf nämlich eine beinahe groteske Schizophrenie. Auf Siege und Galavorstellungen zu Hause folgen regelmäßig schwächere Auftritte und unnötige Punktverluste in der Fremde. Noch immer wartet City auf den ersten Auswärtssieg der Saison. Die Gegner bislang: Cardiff, Stoke und eben Villa.

Zwei Gesichter

Nimmt man nun das 4:1 gegen United zum Maßstab, ließe sich der Mannschaft vorzüglich ein Mentalitätsproblem attestieren. Hoch motiviert und fokussiert gegen die Elite, überheblich und unkonzentriert gegen Außenseiter. So weit will Pellegrini jedoch nicht gehen: "Analysiert man lediglich die Ergebnisse, ist das natürlich möglich", erklärte der Trainer am Wochenende. "Ich denke allerdings nicht, dass es an der Einstellung des Teams liegt. Wir versuchen, gegen jedes Team gleich aufzutreten."

Tatsächlich dominierten die Citizens zu Beginn auch im Villa Park, gingen sogar zwei Mal in Führung. Allerdings ließ die Abwehr jene Konsequenz vermissen, die den Lokalrivalen eine Woche zuvor noch in die Verzweiflung getrieben hatte. Das mag an fehlender Einstellung liegen, kann jedoch auch wesentlich profanere Gründe haben.

Am Ende liegt die Wahrheit wohl in der Mitte. Vielleicht mangelt es in den wichtigen Momenten eines Spiels in Birmingham tatsächlich eher an der Konzentration, als während eines Derbys. Daraus direkt ein Mentalitätsproblem abzuleiten, dürfte allerdings tatsächlich zu weit führen.

Fakt ist jedoch: Mit zwei Niederlagen und einem Remis grüßt der Meisterschaftsfavorit nach sechs Spieltagen derzeit nur von Rang sieben der Premier League. Zu wenig für die eigenen Ansprüche. Noch schöpft City sein Potential schlicht zu selten aus. Dabei wurde der Kader im Sommer erneut prominent verstärkt.

Neue Spieler, alte Probleme

Doch während sich Fernandinho passgenau neben Yaya Toure einordnet und gemeinsam mit dem Ivorer ein bärenstarkes Mittelfeldzentrum bildet, verschärfen die übrigen Neuzugänge die dem Scheichclub eigene Luxusproblematik. Alvaro Negredo, Jesus Navas und Stevan Jovetic stießen zur ohnehin ansehnlichen Offensivreihe um Samir Nasri, David Silva, Sergio Agüero und Edin Dzeko. Wen soll Pellegrini also aufstellen?

Silva gilt als gesetzt, fällt jedoch seit gut einem Monat aus. Auch ein Einsatz gegen die Bayern ist alles andere als gewiss. Natürlich schmerzt der Ausfall, doch Pellegrini weiß sich ob der hochkarätigen Alternativen zu helfen. Gegen United bot er mit Nasri, Agüero, Navas und Negredo ein Quartett auf, um das ihn wohl die meisten Trainer jenseits von München, Barcelona und Madrid beneiden.

Einzig Dzeko und Jovetic nahmen zunächst auf der Bank Platz. Dass beinahe das komplette Offensivarsenal auflaufen kann, obwohl City offiziell im allseits beliebten 4-2-3-1 aufläuft, liegt an einer von Pellegrini bereits in Madrid und Malaga praktizierten Vorliebe.

Pellegrinis Vorliebe für die Doppelspitze

"Ich mag es einfach, mit zwei zentralen Stürmern in der Spitze zu spielen", erklärt der Coach. Entsprechend lautete das Motto im bisherigen Saisonverlauf 'zwei aus vier'. Grundsätzlich setzt der Chilene dabei immer auf sich ergänzende Stärken. Heißt: Beginnt Agüero, sitzt Jovetic zunächst auf der Bank, beginnt Dzeko, muss Negredo zusehen.

Speziell dank Agüero lässt Pellegrini so die Angriffslinien verschmelzen. Mal spielt der Argentinier vor, mal hinter seinem Partner. Ob er nach seiner leichten Verletzung aus dem United-Spiel gegen die Bayern auflaufen wird, ist allerdings noch nicht klar. Verstärkt wird die Optionenvielfalt zudem durch Navas, der auf dem Flügel zwar mit Vorliebe die Grundlinie anvisiert, gleichzeitig jedoch nicht den Zug in die Mitte scheut.

Nimmt man nun noch Nasri, Fernandinho und Toure hinzu, so entfaltet Pellegrinis City im besten Fall eine Angriffswucht, der nur wenige Abwehrreihen zu widerstehen vermögen. Einzig Stoke City wusste sein Tor beim 0:0 gegen die Skyblues effektiv zu verteidigen.

Unkonzentriertheiten in der Abwehr

Was bislang jedoch abgeht, ist die richtige Balance. So stellen die drei Gegentore bei Aston Villa keinen unrühmlichen Ausschlag nach unten dar, sie spiegeln vielmehr die Defensivproblematik der Citizens wieder - respektive die mangelnde Konstanz.

Denn während der Angriff regelmäßig abliefert, setzt sich gerade in der Abwehr Manchesters Wankelmut fort. Immer wieder wirkt die Defensive unsortiert, zu häufig begünstigen individuelle Fehler gegnerische Tore. Dann erinnert nicht mehr viel an das Bollwerk aus dem Derby.

Und das obwohl Vincent Kompany seit dem Champions-League-Auftakt in Pilsen wieder dabei ist. Damit meldete sich Citys Defensivanker gerade rechtzeitig zum Showdown gegen die Red Devils zurück und unterstrich mit einer starken Leistung auch direkt seine Ausnahmestellung.

Zu wenig Führungsspieler?

Die Rückkehr des Kapitäns ist für City von unschätzbarem Wert, steht mit Toure doch lediglich ein weiterer Spieler im Kader, der eine ähnliche Präsenz ausstrahlt wie der Belgier. Kompany ist derjenige, der vorangeht, der die Mannschaft mitzieht, an dem sich die Mitspieler aufrichten. Fehlt er, ist Toure in Sachen Führungsarbeit quasi auf sich allein gestellt.

Dass der Ivorer dazu in der Lage ist, hat er zwar bereits bewiesen, allein oder einzig im Duett mit Kompany kann er das Konzert aus Individualisten und Feingeistern jedoch nicht durch jedes Spiel führen.

Pellegrini will deshalb ein homogenes Gerüst erschaffen, das durch seine Spielidee derart stabil ist und nicht mehr durch Kleinigkeiten zu Fall zu bringen ist. Wie sein Gegenüber am Mittwoch, Pep Guardiola, benötigt jedoch auch der Chilene Zeit, seine Ideen umzusetzen. Ottmar Hitzfeld sieht die Citizens jedenfalls auf einem guten Weg: "Zuletzt war City durch die vielen Transfers nur ein zusammengewürfeltes Team, und auch Roberto Mancini hat aus meiner Sicht keinen so guten Job gemacht", so der ehemalige Bayern-Coach gegenüber "Sky".

Mit Pellegrini besäße man nun aber "einen erfahrenen, ruhigen Trainer, der viel im taktischen Bereich arbeitet. Von daher schätze ich Manchester City so stark ein wie nie zuvor." Stellt sein Team das bereits gegen den Triple-Sieger aus München unter Beweis, strahlt Pellegrini sicherlich wieder jene Ruhe aus, die sich die Verantwortlichen in Manchester bei seiner Verpflichtung im Sommer erhofft hatten.

Manchester City im Überblick

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