So erlebte Uli Hoeneß das Barca-Spiel

Als wäre nichts gewesen...

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 24.04.2013 | 10:14 Uhr
Bayern-Boss Uli Hoeneß genoss die Abwechslung auf der Tribüne nach den letzten Tagen sichtlich
© getty
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Uli Hoeneß gab beim Fußball-Fest gegen den FC Barcelona ein sehr interessantes Bild ab. Der FC Bayern und die Fans stehen größtenteils zu ihrem Präsidenten, doch schon beim nächsten Heimspiel könnte es ziemlich ungemütlich werden für Hoeneß.

Die unteren Reihen der Südkurve blieben auch am Dienstagabend verwaist. Die Bayern-Ultra-Gruppierung Schickeria meidet die Arena in dieser Saison in den Spielen der Champions League aus Protest gegen verschärfte Einlasskontrollen.

Der FC Bayern hat diesen Boykott schon des Öfteren als "traurig" und "bedenklich" bezeichnet, schließlich könne man die nicht verwendeten Tickets zumindest ein paar wenigen der 250.000 Fans anbieten, denen man für ein Spiel gegen den FC Barcelona den Kartenwunsch nicht erfüllen kann.

Am Dienstagabend dürften die Verantwortlichen des FC Bayern eher erleichtert gewesen sein, dass die Ultras nicht anwesend waren. Gegen Uli Hoeneß hegt die Schickeria nämlich schon seit geraumer Zeit Abneigung und stellt diese auch gerne öffentlich zur Schau.

Hoeneß genießt Bayern-Tore

Hoeneß konnte also weitgehend entspannt - sofern das derzeit für ihn überhaupt möglich ist - die 4:0-Gala seines FC Bayern genießen. Trotz der immer neuen und immer brisanteren Neuigkeiten aus seinem Leben als Steuersünder ließ es sich der Präsident nicht nehmen, eines der größten Spiele seines Klubs in den letzten Jahren im Stadion zu verfolgen.

Nicht, wie einige vermuteten, abgeschieden hinter Glas in einer Loge, um weitgehend inkognito zu bleiben, sondern wie immer auf der Haupttribüne an der Seite von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Die Tore seiner Bayern bejubelte Hoeneß stark euphorisiert - ein beinahe grotesk anmutendes Bild angesichts der Lawine, die auf ihn zurollt. Doch Hoeneß konnte an diesem Abend ganz gut trennen, vor allem konnte er für ein paar Stunden vergessen.

Dass er sich nicht auf einen Spießrutenlauf während des Arena-Besuchs einlassen musste, war schon vorher klar, unabhängig von der Abwesenheit der Ultras. Dafür ist Hoeneß immer noch zu sehr Bayern München, dafür mögen ihn die Fans des Vereins immer noch zu sehr.

Schon bei seiner Ankunft gab es Aufmunterung für Hoeneß, als er seinen rot-weißen Schal aus dem Kofferraum seines Autos holte und um den Hals legte. In einer Ecke der Südkurve hing ein Banner mit der Aufschrift: "Lieba Uli, mia sog'n vergelt's Gott für ois." Ein bayrischer Exkurs, der so viel bedeutet wie "vielen Dank für alles".

Klares Bekenntnis von Rummenigge

Mitte der zweiten Halbzeit, kurz nach dem 3:0 durch Arjen Robben, gab es sogar "Uli Hoeneß"-Sprechchöre. Nicht so laut wie gewöhnlich, aber deutlich vernehmbar.

Auch der Verein steht bedingungslos zu seinem Präsidenten. Robben widmete den Sieg gegen Barca auch Hoeneß. Und Rummenigge sagte, dass das Vereinsblut durch die Steueraffäre noch dicker geworden ist.

"Uli ist mein Freund. Er ist für den FC Bayern sehr wichtig. Ich kann mir den FC Bayern ohne Wenn und Aber nur mit Uli Hoeneß vorstellen. Es ist wichtig, dass man in solchen Zeiten loyal zu seinen Freunden steht. Das ist auch ein Zeichen der Stärke unseres Klubs", sagte Rummenigge.

Klarer kann ein Bekenntnis zu Hoeneß kaum ausfallen; Rummenigge verknüpft die Zukunft des Vereins unumstößlich mit der Personalie Hoeneß.

"Schöne, heile Welt"

Für den muss der Ausflug in die Arena eine Genugtuung gewesen sein. Hoeneß hat erfahren, dass die Familie FC Bayern, die er selbst von Anfang an protegiert hat, ihn nicht im Stich lässt. Ein positives Merkmal für den Mann, der die schwerste Zeit seines Lebens durchmacht.

So ganz schadlos kam Hoeneß dann aber doch nicht davon. Ein großes Transparent mit der Aufschrift "Schöne heile Welt", prangerte dort, wo normalerweise die Ultras stehen.

Am kommenden Samstag zum Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg werden sie wieder kommen. So paradiesisch die Zustände für Hoeneß diesmal im Stadion waren, so ungemütlich könnten sie beim nächsten Mal werden.

Uli Hoeneß im Steckbrief

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