Borussia Dortmunds erster Tag in Madrid

BVB: Bloß keine Lähmung!

Von Für SPOX in Madrid: Jochen Tittmar
Montag, 29.04.2013 | 21:23 Uhr
Marco Reus und Mario Götze beim BVB-Abschlusstraining im Santiago Bernabeu
© getty
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Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke macht vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Real Madrid (Di., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) auf einen Umstand aufmerksam, mit dem der BVB bereits gegen den FC Malaga erhebliche Schwierigkeiten hatte. Trainer Jürgen Klopp überrascht mit einer mathematischen Berechnung. Das größte Sorgenkind bleibt der angeschlagene Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek.

Der Flug Nummer AB 1008, der am Montag gegen 12.30 Uhr von Dortmund aus Richtung Madrid abhob, hatte keine Meteorologen an Bord. Die hätten der Mannschaft von Borussia Dortmund zumindest wissenschaftlich fundiert erklären können, wieso das Wetter Ende April in Spaniens Hauptstadt nicht frühlingshaft, sondern regnerisch-kalt daherkommt.

Unter zehn Grad und ein tristes Grau am Himmel begrüßten den Tross des BVB. Am vergangenen Mittwoch, als die Borussia einen 4:1-Vorsprung in den Koffer für die Reise gen Süden packte, sah man im Stadion noch zahlreiche Zuschauer mit nacktem Oberkörper.

Piszczek: "Es sieht so schlecht nicht aus"

Doch die Dortmunder hatten andere Probleme im Gepäck, genauer gesagt war es aber dann doch nur eines. Denn die Blessuren, die Mario Götze und Ilkay Gündogan zuletzt beschäftigten, sind überwunden. Dahingegen bleibt die Frage, ob der an einer Adduktorenzerrung laborierende Lukasz Piszczek bis zum Dienstagabend fit wird, die größte Sorge, die die Reise nach Madrid begleitete.

Dass es mit einem Einsatz des Rechtsverteidigers eng wird, hatte Trainer Jürgen Klopp bereits am Tag nach der Hinspiel-Gala verraten. Der Pole war in den bisherigen drei Partien gegen die Königlichen Garant dafür, dass Gegenspieler Cristiano Ronaldo trotz seiner zwei Treffer gegen den BVB teilweise isoliert vom Rest des Teams nicht vollständig zur Entfaltung kam. Die Hoffnung, dass auch der Portugiese ausfällt, machte Jose Mourinho am Montag zunichte: "Cristiano geht es gut. Er steht zur Verfügung."

Piszczek dagegen hat am Sonntag nur ein leichtes Lauftraining hinter sich bringen können, am Tag des Abfluges ließ er aber immerhin ein "es sieht so schlecht nicht aus" folgen. Das Aufwärmprogramm beim Abschlusstraining am Montagabend, das dann auch noch bei strömenden Regen vonstattenging, schien Piszczek nicht sonderlich belastet zu haben. Eine endgültige Entscheidung wird wohl erst am Spieltag selbst fallen, die Tendenz ist aber positiv.

Mögliches Bewerbungsspiel für Großkreutz?

Sollte Piszczek trotzdem passen müssen, würde erstmals in der Champions League Kevin Großkreutz auf die defensive Außenbahn rücken. Diese Position bekleidete der Ur-Dortmunder zwar schon einige Male in der Bundesliga, auf internationaler Ebene wäre es für ihn jedoch eine Premiere.

Gleichbedeutend mit einer großen Umstellung ist die Aufgabe für Großkreutz aber nicht. Bereits in beiden Gruppenspielen gegen Real, in Amsterdam sowie in Malaga war sein Arbeitsgebiet als nomineller linker Mittelfeldspieler so ausgelegt, dass er größtenteils in der Defensive gebunden war und dort Linksverteidiger Marcel Schmelzer öfter beim Doppeln der Gegenspieler unterstützte, als sein Heil im Vorwärtsgang zu suchen.

Für Großkreutz wäre ein Einsatz die bis dato größte Gelegenheit, sich endgültig als Rechtsverteidiger Nummer zwei festzuspielen. Der Vertrag mit dem langzeitverletzten Patrick Owomoyela, der in Madrid überraschend auch dem Kader angehört, wird aller Voraussicht nach nicht mehr verlängert.

Klopp: "Wir liegen 2,8 Tore vorn"

Ungeachtet der Personalfragen ist festzustellen, dass sich die Gemütslage der Dortmunder trotz des 4:1 weiterhin nicht verändert hat.

Während bei den Hauptstädtern - wie Jose Mourinho bereits in der Nacht nach der Hinspielpleite prophezeite - der Glaube an eine "Remontada", eine historische Aufholjagd, von Tag zu Tag größer wurde, will die Borussia von etwaigen Finalplanungen nichts wissen. "Das wird kein Spaziergang, und wir müssen alles tun, dass es auch für den Gegner kein Spaziergang wird", sagt Klopp, der mit einer mathematischen Berechnung überraschte: "Wir liegen 2,8 Tore vorn."

Da man kein normaler Halbfinalist sei, erklärte der Trainer nun auf der abschließenden Pressekonferenz, müsse man wie in den drei Real-Partien zuvor völlig losgelöst vom Hinspielergebnis auftreten. Real Madrid im Santiago Bernabeu steht an und um diese Aufgabe zu meistern, solle sein Team dem Gegner erneut dieselben Probleme bereiten, wie in den zurückliegenden Spielen. Eine enorme Qualität im Umschaltspiel auf Offensive attestiert Klopp seinem Team und mit dieser hatte Madrids fahrige Defensive nicht nur gehörige Schwierigkeiten, sondern kassierte seine Gegentreffer beinahe ausschließlich nach dieser Dortmunder Stärke.

Watzke "sehr angespannt"

Einzig Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, dem gerne mal die Nerven flattern und der auch am Montag eine "sehr angespannte" Gefühlslage bei sich ausmachte, machte auf einen Umstand aufmerksam, der zwar gewohnt pessimistisch daherkam, aber keinesfalls abwegig klang.

Dortmund geht aufgrund des Vorsprungs und der dominanten Art und Weise, mit der man Madrid letzten Mittwoch bespielte, als klarer Favorit ins Rückspiel. Ganz so wie im Viertelfinal-Heimspiel gegen den FC Malaga also, als Klopp im Anschluss davon sprach, "Nerven gezeigt" zu haben. "Wir waren heute zum ersten Mal in dieser europäischen Saison der Favorit. Vielleicht hat uns das ein bisschen gelähmt", sagte damals auch Gündogan.

Nun ist es wieder soweit, wenn auch die Dimension eine andere ist als gegen die Andalusier. "Eigentlich hatten wir nichts mehr zu verlieren. Jetzt aber willst du nach London", klingt Watzke vorsichtig und hofft, dass das Team vor der gigantischen Kulisse im Bernabeu nicht eine ähnliche Lähmung befällt.

Vielleicht hatte auch er sich die ausgelegte Pressemappe zu Gemüte geführt, in der geschrieben stand, dass Mourinho, seitdem er bei Real ist, 14 von 17 internationalen Heimspielen gewann. Ganze neun davon mit einem Resultat, das den Königlichen für das Finale reichen würde...

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