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Von Thomas Gaber
Donnerstag, 25.04.2013 | 22:59 Uhr
Bayern und Dortmund sind auf dem besten Weg ins Champions-League-Finale nach London
© getty
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Zwei Bundesliga-Vereine spielen die als beste Klubs der Welt deklarierten spanischen Schwergewichte im Champions-League-Halbfinale an die Wand. Die Rückspiele stehen noch aus, aber schon fest steht schon jetzt: Bayern und der BVB haben - zumindest momentan - mehr Sexappeal als Real und Barca.

Pepe war auch eine Dreiviertelstunde nach Abpfiff noch völlig verwirrt. "Ich habe eigentlich gedacht, dass das für uns hier viel einfacher wird", stammelte der Innenverteidiger von Real Madrid, der in den 90 Minuten zuvor von Robert Lewandowski am Nasenring durch die Dortmunder Arena geschleift worden war.

Offensichtlich hatte das große Real Madrid die Fähigkeiten von Borussia Dortmund unterschätzt. Wer ist schon "La Borussia"? Bayern München ok, das ist die schwarze Bestie. Aber der BVB?

Pressestimmen: Kein Gegengift gegen Dominanz der Bundesliga

Emilio Butragueno, technischer Direktor der Königlichen, hatte unmittelbar nach der Halbfinal-Auslosung verkündet, dass man zwar noch nicht in Wembley sei, aber doch sehr gute Chancen habe, das erste Champions-League-Finale seit 2002 zu erreichen.

Diese Chancen sind nach dem katastrophalen Auftritt von Real in Dortmund arg gesunken. Was bleibt sind Durchhalteparolen. "Wir müssen im Rückspiel auf dem Platz sterben", forderte Iker Casillas, die letzte vierbliebene zum Bankspieler degradierte Real-Ikone.

"Das Spiel am Dienstag ist unser wichtigstes der Saison. Wir spielen zwar am Samstag in der Liga gegen Atletico, aber unsere Fans werden verstehen, dass dieses Derby lange nicht so wichtig ist wie das Rückspiel gegen Dortmund."

Das mag sein, allerdings hätte Real auch kapieren müssen, dass bereits das Hinspiel eine gewisse Bedeutung hat. Ihrer Einstellung nach haben die Madrilenen am Mittwochabend gar nichts kapiert.

Khedira stochert, Özil stolpert

Es war fast schon bemitleidenswert mitanzusehen, wie Sami Khedira und Xabi Alonso im Mittelfeld nach dem Ball stocherten, als habe man ihnen das Spielzeug weggenommen. Wie Fabio Coentrao, für den der FC Bayern (unerklärlicherweise) einmal 25 Millionen Euro bezahlen wollte, keinen einzigen vernünftigen Ball die Linie entlang spielen konnte. Von der nicht existenten Offensive um Mesut Özil und Cristiano Ronaldo ganz zu schweigen.

Das Real Madrid, das mit bescheidenen Mitteln versuchte, in Dortmund nicht komplett zerfetzt zu werden, hat mit dem stolzen Weltklub Real Madrid nicht das Geringste gemeinsam. Eine Spielidee war nicht im Ansatz zu erkennen.

Der BVB dagegen war nicht nur fußballerisch klar überlegen. Die mit im Durchschnitt 2,2 Jahren jüngere Startelf der Dortmunder zeigte die reifere Spielanlage und die Leidenschaft, die man trotz der individuellen Klasse benötigt, weil sie unabdingbar ist für Erfolg auf diesem Niveau.

Während der BVB eine atemberaubende (Malaga!) Champions-League-Saison spielt und ganz Europa gezeigt hat, welch großartige Arbeit dort in den letzten Jahren geleistet wurde, ist bei Real Madrid - provokant gesagt - derzeit nur der Name sexy.

Iniesta rät zur Besinnung

Beim FC Barcelona ist die Lage weniger besorgniserregend, auch wenn die Zeitungen, die sich täglich mit der Azulgrana beschäftigen, das Ende einer Ära beschwören. Zu alt, zu satt sei die Mannschaft, die sich in den letzten fünf, sechs Jahre zur besten Mannschaft aller Zeiten entwickelte. Doch spätestens das 0:4 von München habe gezeigt, dass "das Ende des Zyklus" (El Mundo Deportivo) erreicht sei für Barca.

Andres Iniesta hält derartige Abrechnungen für schwachsinnig. "Ende des Zyklus? Das ist sehr ungerecht und entspricht nicht den Tatsachen. Bayern und Dortmund sind technisch und körperlich sehr stark, aber es ist albern zu behaupten, die spanische Liga oder Barca und Madrid seien schlechter. Für den Moment ist das vielleicht so, aber wir haben noch zwei Rückspiele."

Es ist allerdings nicht verkennbar, dass der Generation Iniesta, Xavi, Puyol allmählich die Luft ausgeht. "Der Prozess bei Barca ist vergleichbar mit dem schleichenden Plattfuß eines Autos", schrieb die Zeitung "Sport".

Schon gegen den AC Milan und Paris Saint-Germain war Barca ein anderes Team als in früheren K.o-Phasen der Königsklasse. Keine Dominanz, keine Leichtigkeit. Mit Ausnahme des Rückspiels gegen Milan, was im Nachhinein betrachtet aber "nur" ein Ausschlag nach oben war.

Noch keine Neuordnung der Fußball-Landkarte

Letztlich blieb es dem FC Bayern vorbehalten, zu beweisen, dass es möglich ist, dem FC Barcelona nicht nur empfindlich wehzutun, sondern auch die Verweildauer der Tiki-taka-Dominanz zu begrenzen. Dominant waren am Dienstag nur die Bayern.

Für eine geopolitische Verschiebung, bzw. eine Neuordnung der Fußball-Landkarte, wie sie die argentinische Zeitung "Ole" gefordert hat, ist es freilich noch zu früh.

Aber vor allem die Art und Weise, mit der die Bayern und der BVB die Weltklubs Barca und Real beherrschten, verführt zur Annahme, dass es den Topklubs der Bundesliga gelingen wird, dauerhaft um die Krone Europas zu spielen.

Das Champions-League-Halbfinale im Überblick

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