Fussball

Eine Rechnung ist noch offen

Von Andreas Lehner
Mittwoch, 13.03.2013 | 14:54 Uhr
Daniel van Buyten kam 2006 vom Hamburger SV zum FC Bayern
© getty

Daniel van Buyten war beim FC Bayern eigentlich schon abgeschrieben. Seit der Winterpause ist der Belgier wieder eine feste Größe. Van Buyten will seinen Platz bis zum Ende der Saison verteidigen und seinen Vertrag verlängern. Zur Champions League hat der Verteidiger ein ganz spezielles Verhältnis.

Es gibt nicht wenige Fans des FC Bayern München, die hätten Daniel van Buyten noch am Abend des 22. Mai 2010 am liebsten sofort verkauft. Der Belgier musste als Sündenbock für das verlorene Champions-League-Endspiel gegen Inter Mailand herhalten.

Bei beiden Gegentoren, vor allem aber beim zweiten Treffer von Diego Milito, machte van Buyten keine gute Figur. Auch der damalige Trainer Louis van Gaal verlor in der darauf folgenden Saison das Vertrauen in ihn und setzte stattdessen den gelernten Mittelfeldspieler Anatolij Tymoschtschuk in der Innenverteidigung ein.

Mittelfußbruch kostet Stammplatz

Der Erfolg blieb aus, van Gaal musste gehen, van Buyten blieb. In der ersten Saison unter dem Trainer Jupp Heynckes wurde van Buyten erneut zum Stammspieler, und das obwohl der Verein mit Jerome Boateng einen jungen, aufstrebenden Innenverteidiger für zwölf Millionen Euro von Manchester City verpflichtet hatte. Bis er sich Anfang des Jahres 2012 zum Rückrundenauftakt bei Borussia Mönchengladbach den Mittelfuß brach und lange pausieren musste.

Erst im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea konnte er wieder eingesetzt werden, es war die zweite unheilvolle Geschichte in diesem Wettbewerb. Vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit wurde er für Thomas Müller eingewechselt, um das 1:0 über die Zeit zu retten. Es gelang nicht, Bayern verlor im Elfmeterschießen, bei dem van Buyten nicht antrat.

Zu Beginn der neuen Saison hatte van Buyten seinen Stammplatz verloren, die Bayern hatten mit Dante einen weiteren Verteidiger geholt, der sich innerhalb kürzester Zeit als Stabilisator der Defensive und als Führungsfigur etablierte. Außerdem schien Boateng endlich in München angekommen zu sein. Und da war ja auch noch Holger Badstuber, der zunächst auf der Linksverteidigerposition aushelfen musste.

Der Lohn für harte Arbeit

Van Buyten war nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Er galt als sicherer Streichkandidat für den Sommer, sein Vertrag läuft aus. Das Schicksal hat es aber nochmal gut mit ihm gemeint. Zunächst verletzte sich Badstuber schwer am Knie, danach sah Boateng im letzten, unbedeutenden Champions-League-Gruppenspiel gegen BATE Borissow die Rote Karte und wurde für beide Achtelfinalpartien gegen den FC Arsenal gesperrt.

Konkurrenz gehört zum Profifußball, glückliche Fügungen ebenso. Van Buyten hat bis zu diesem Moment professionell gearbeitet, sich im Hintergrund gehalten und nie aufbegehrt. Er hat geduldig auf seine Chance gewartet und diese seither souverän genutzt.

"Im Fußball wird man für gute Leistungen und gute Arbeit belohnt", sagt van Buyten. "Viele sagen immer, ich bin in die Mannschaft gekommen, weil Jerome die Rote Karte kassiert hat. Aber ich habe auch mein Bestes in der Vorbereitung gegeben und um meinen Platz gekämpft. Dass ich wieder öfter spiele, hat nichts mit der Sperre für Boateng zu tun."

Bessere Defensivarbeit im Kollektiv

Das ist sicher nicht falsch, aber eben auch nur die halbe Wahrheit. Vor der Saison hieß das erwartete Innenverteidigerduo Badstuber/Boateng. Nach Dantes beeindruckendem Start schien alles auf Badstuber und Dante hinauszulaufen und als sich Badstuber verletzte, war Boateng der natürliche Ersatz.

Mittlerweile gelten Dante und van Buyten als gesetzt. Die beiden Innenverteidiger gehören somit zu den erfahrensten Spielern der Bayern in der Startelf. Heynckes Entscheidung pro van Buyten wird durch die Bilanz nach der Winterpause bestätigt. Erst vier Gegentore kassierten die Münchner in zehn Spielen - zwei davon gegen Düsseldorf, als Dante geschont wurde.

Die Besetzung der Innenverteidigung hält van Buyten aber nicht für ausschlaggebend. "Es ist ganz entscheidend, wie die Mannschaft agiert. In dieser Saison realisiert die Mannschaft das Umschaltspiel besser. Das ist der Unterschied zum Vorjahr." Er selbst liefert konstant gute Leistungen ab, auch gegen Top-Stürmer wie Dortmunds Robert Lewandowski oder in der Königsklasse beim FC Arsenal.

Noch ein Jahr in München?

Ob van Buyten den nächsten Schritt der Entwicklung in der kommenden Saison unter Pep Guardiola noch mitmachen darf, ist offen. Sportvorstand Matthias Sammer hat immer wieder erklärt, er wolle nicht voreilig über Vertragsverlängerungen sprechen, sondern zunächst Leistungen sehen und bewerten.

Der 35-jährige van Buyten hat sich für anstehende Gespräche eine gute Ausgangsposition geschaffen, die ungeklärte Vertragssituation scheint ihn nicht zu belasten. Falls es mit einem neuen Kontrakt nicht klappen sollte, könnte er auf sieben abwechslungsreiche Jahre in München zurückblicken. Im Moment "liebe und genieße ich jeden Tag, den ich hier spielen kann".

Aufhören kommt für van Buyten nicht in Frage, er will mit Belgien noch die WM 2014 spielen. Außerdem stehe er noch "voll im Saft". Vielleicht bietet ihm das Schicksal auch noch die Gelegenheit, in einem weiteren CL-Finale die offene Rechnung mit diesem Wettbewerb zu begleichen.

Der Kader des FC Bayern München

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