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Mannschaften für den Kopf

Von SPOX
Juventus Turin wurde vergangene Saison ohne Niederlage italienischer Meister
© getty

Juventus Turin und FC Malaga heißen die beiden Kontrahenten der deutschen Klubs im Champions-League-Viertelfinale. Die Wahrnehmung der beiden Gegner ist beim FC Bayern und Borussia Dortmund aber unterschiedlich.

Während der BVB trotz positiver Statistiken mit reserviertem Optimismus reagiert, freuen sich die Bayern auf das schwere Los Juventus. Dabei dürfte Turin einer der Geheimfavoriten auf den Titel sein.

FC Malaga - Borussia Dortmund

Der deutsche Meister hat die vermeintlich machbare Aufgabe Malaga zugelost bekommen, als erste der vier Viertelfinalpaarungen. "Dieses Los nehmen wir an", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. "Jedenfalls besser als Barcelona, Madrid oder München."

Dabei sind die Boquerones auf keinen Fall zu unterschätzen. Malaga marschierte als Neuling im Schnelldurchlauf durch Gruppe C, ließ Milan, Zenit St. Petersburg und den RSC Anderlecht hinter sich und blieb ohne Niederlage (drei Siege, drei Remis).

Trainer Manuel Pellegrini setzt grundsätzlich auf ein 4-2-3-1 und auf eine kunterbunte Mischung. Im Kader tummeln sich Spieler elf verschiedener Nationalitäten, allein die sechs nominellen Angreifer sind aus sechs verschiedenen Ländern. Ehemals weich gebettet auf den Petro-Millionen von Scheich Abdullah bin Nasser Al Thani erreichte Malaga die Königsklasse - und musste nur Monate später als Prügelknabe für die UEFA herhalten.

Die sperrte den Klub für den internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison. Zusammen mit anderen Klubs jenseits der Glamourwelt wie Hajduk Split, NK Osijek, Partizan Belgrad, Rapid und Dinamo Bukarest erwischte es die Andalusier, als Michel Platini ein Exempel im Sinne der Financial-Fairplay-Regelung statuieren wollte.

Nicht nur deshalb werden die beiden Partien gegen den BVB für Malaga von spezieller Bedeutung sein. "Wir haben unsere Gruppe gewonnen und mit dem FC Porto einen sehr starken Gegner nach einem gefährlichen 0:1 aus dem Hinspiel noch eliminiert. Dortmund hat eine herausragende Mannschaft, aber wir werden vorbereitet sein", sagte Pellegrini nach der Auslosung. "Die beiden Spiele werden die nächsten Highlights auf einer wunderbaren Reise, die Malaga in dieser Saison durchlaufen hat. Und es sollen nicht die letzten beiden bleiben."

Den BVB nehmen die Andalusier ernst, sind auf der anderen Seite aber auch froh, keinen der beiden spanischen Klubs oder die Bayern zugelost bekommen zu haben. Pellegrinis Mannschaft wartet nicht mit einer außergewöhnlich originellen Spielidee auf, vielmehr aber mit Erfahrung und Qualität besonders im Angriff. Roque Santa Cruz, Julio Baptista und Javier Saviola sind jenseits der 30 und leiten Jungstar Isco an.

Aus Sicht der Spanier hat sich an der Herangehensweise an die beiden Partien kaum etwas geändert. Malaga ist wie in allen anderen Partien - Anderlecht wohl ausgenommen - Außenseiter. Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke kramte zwar schnell die 50:50-Lösung raus, in diesem Duell dürfte die Borussia aber ihrerseits erstmals stärker einzuschätzen sein als der Gegner.

"In Dortmund und Malaga treffen zwei Überraschungsmannschaften der Champions League aufeinander. Somit steht zumindest fest, dass es einen überraschenden Halbfinalteilnehmer geben wird", sagt Jürgen Klopp mit ebenfalls gebremster Euphorie. Ihm wird die Aufgabe zuteil werden, seiner Mannschaft die veränderte Ausgangslage zu vermitteln.

Den Dortmundern liegen spanische Klubs in den K.o.-Runden jedenfalls. Gegen Atletico Madrid (1965/66), Real Saragossa (1992/93) und Deportivo La Coruna (1994/95) kam der BVB jeweils eine Runde weiter. Lediglich gegen Real Madrid im Halbfinale der Champions League 1997/98 war für Dortmund Schluss.

Bayern München - Juventus Turin

Zum zwölften Mal haben sich die Bayern für das Champions-League-Viertelfinale qualifiziert - nur Manchester United gelang dies genauso oft. Bei den Bayern dürfte die Freude über das Los in der Runde der letzten Acht aber deutlich gedämpft ausgefallen sein.

Juventus ist neben den beiden spanischen Klubs auf dem Papier sicherlich der unangenehmste Gegner für die Bayern und hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten im Laufe des Wettbewerbs immer weiter gesteigert. "Juventus hat den Champions-League-Sieger aus dem Vorjahr in der Gruppenphase ausgeschaltet. Nach Barcelona ist das das unangenehmste Los", sagt Toni Kroos.

Der italienische Rekordmeister bringt alles mit, um die Bayern noch mehr zu fordern, als dies Arsenal getan hat. Juventus funktioniert als Mannschaft in einem gewachsenen System, hat in Buffon, Vidal, Pirlo oder Giovinco exzellente Einzelkönner in seinen Reihen. Turin spielt als eine der wenigen Mannschaft mit einer Dreierkette, überlädt dafür das Mittelfeld mit einem zusätzlichen Spieler und setzt im 3-5-2 auf zwei echte Angreifer.

Ähnlich wie die Bayern dominiert Juventus die heimische Liga, ist in der Serie A dem Zweitplatzierten Napoli bereits neun Punkte enteilt. Auch das Fehlen von Cheftrainer Antonio Conte schwächste das Team kaum. Conte, der in die Bestechungsaffäre verwickelt gewesen sein soll, wurde zunächst für zehn Monate gesperrt. Der Ausschluss wurde später vom Verband auf vier Monate reduziert.

Erstmals seit dem Zwangsabstieg vor sieben Jahren steht Juventus wieder im Viertelfinale der Königsklasse und sieht sich "wieder angekommen im Kreis der ganz Großen", wie Conte sagte. Vor drei Jahren waren die Bayern dagegen Endstation für die Alte Dame. Das 4:1 damals in Turin bedeutete den Wendepunkt in einer bis dahin stotternden Münchener Saison.

"Beim 4:1 damals haben wir die ganze Saison gedreht. Seit diesem Spiel lief es und wir haben danach eine sehr erfolgreiche Saison gespielt", erinnert sich Arjen Robben gerne zurück.

Nach dem schwachen Spiel am Mittwoch gegen Arsenal und dem Beinahe-Aus kommt Juventus als nächster Gegner Sportvorstand Matthias Sammer gerade recht: "Für unseren Kopf und Fokus ist ein richtiges Kaliber wie Juventus genau richtig."

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