Celtic Glasgow im CL-Achtelfinale

Mit Depeche Mode gegen das Establishment

Von Thomas Gaber
Dienstag, 12.02.2013 | 14:22 Uhr
Seit 1888 existiert der Glasgow Celtic Football Club
© Getty
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Seit 125 Jahren existiert der Glasgow Celtic Football Club. Ein Mythos, nicht nur in Schottland. Die Geschichte reicht von einer anti-rassistischen Bewegung bis hin zu Rod Stewart und Snoop Dogg.

Sonderzahlungen für besondere Leistungen sind im Fußball seit Jahrzehnten üblich. Die Helden von Bern bekamen 1954 Kühlschränke und Fernseher. 1989 erhielten die DFB-Frauen für ihren EM-Titel ein 40-teiliges Kaffee-Service. Und es ist keine vier Jahre her, da versuchte der FC Kopenhagen aus seinen Spielern Extra-Motivation herauszukitzeln, indem man ihnen für jeden Sieg Porno-DVDs versprach.

Der schottische Fußballer Anthony Watt ging dagegen leer aus. Kein kostenloser Glenfiddich auf Lebenszeit, keine Mitgliedschaft im weltberühmten Royal and Ancient Golf Club of St Andrews, kein Grundstück samt Schafherde in den Highlands.

Dabei machte sich der Stürmer von Celtic Glasgow am 7. November 2012 bereits im Alter von 18 Jahren unsterblich. 72 Minuten waren absolviert im Spiel der Champions-League-Gruppenphase zwischen Celtic und dem FC Barcelona, als Watt beim Stande von 1:0 für Celtic eingewechselt wurde. In der 83. Minute schoss er das 2:0 für die Bhoys in Green - mit seiner ersten Ballberührung überhaupt in der Königsklasse.

55.000 Zuschauer im Celtic Park drehten komplett durch. Und mittendrin ein emotional ergriffener Edelfan Rod Stewart, der sich die Tränen von seinem Sitznachbarn aus dem Gesicht wischen ließ.

"Der Celtic Park wackelte so bedrohlich, dass man es noch in den Highlands spürte. An alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Das war kein Erdbeben, es lagen sich lediglich einige Tausend Celtic-Fans in den Armen", schrieb die schottische Zeitung "Daily Record".

Anthony Watt sorgte an diesem Tag für einen der stolzesten Momente in der schottischen Sportgeschichte. Ein pausbäckiger Teenager hatte das große Barca versenkt und seinen Verein der K.o.-Runde der Champions League ein großes Stück nähergebracht. Eine Belohnung in Form materieller Geschenke gab's nicht, ist aber generell auch nicht nötig, wenn man Spieler von Celtic Glasgow ist.

"Eigentlich könnte ich gleich wieder aufhören mit Fußball. Celtic hat die besten Fans der Welt und ich habe sie alle glücklich gemacht. Etwas besseres wird es wohl nicht geben in meinem Leben als Profi", sagte Watt.

Depeche Mode in Mode

Die Anhänger sind das größte Gut, das der Glasgow Celtic Football Club besitzt. Sie machen jedes Spiel zum Event, ob im heimischen Celtic Park oder auswärts. Wenn die Fans ihren Celtic Song oder den Depeche-Mode-Klassiker "I just can't get enough" schmettern, läuft es bisweilen auch den Gegnern kalt den Rücken herunter.

"Ich habe schon überall auf der Welt gespielt in vielen tollen Stadien. Aber die Atmosphäre im Celtic Park war einzigartig", sagte Barca-Star Xavi, der mit seinem Luftloch nach einem Abschlag von Celtic-Keeper Fraser Forster überhaupt erst Watts Treffer möglich gemacht hatte.

"Die Leute, die es gut mit Celtic meinen, entwickeln eine ganz besondere Leidenschaft. Ihr Leben besteht aus Fußball, aus der Liebe zu Celtic. Das ist historisch bedingt", erklärt Celtics Torhüter-Legende Pat Bonner.

Gegenstück zu den Glasgow Rangers

Die Gründung des Vereins im Jahr 1888 war politisch motiviert. In einer Zeit, als anti-irischer Rassismus in Großbritannien gang und gäbe war, rief eine Gruppe irischer Einwanderer Celtic ins Leben als Gegenstück zum von der britischen Oberschicht protegierten, streng protestantischen und der Krone gegenüber loyalen Rivalen Glasgow Rangers.

Das Kleeblatt im Wappen und die Vereinsfarben grün und weiß sollten die irische Identität deutlich machen. Iren wurden damals im Königreich in vielen Teilen des Alltags diskriminiert, sie waren Menschen zweiter Klasse. Der Fußballklub Celtic sollte alle Einnahmen an die Ärmsten der irischen Emigranten spenden.

Noch heute verstehen sich die politisch links orientierten Celtic-Fans als Underdog. Ihre Abneigung gegenüber den Rangers hat auch durch den Zwangsabstieg des Erzrivalen in die vierte Liga nicht abgenommen.

Seit über einem Jahrhundert wird die Auseinandersetzung zwischen den Unterdrückten und dem Establishment in Großbritannien konserviert, ausgetragen wird sie in Glasgow in den "Old Firm"-Derbys. Diesen Begriff formulierte erstmalig 1904 ein Zeitungskarikist, er bedeutet alte Standhaftigkeit.

Laut Polizei-Statistik verdoppelt sich die häusliche Gewalt in Schottland nach den Derbys. Zwei an Celtic-Coach Neil Lennon addressierte Paketbomben wurden in der letzten Saison abgefangen, im Jahr davor fand Lennon zwei Pistolenkugeln in der Post.

"Lisbon Lions" und die Legende Thomson

Eines haben Celtic und die Rangers gemeinsam: beide Klubs verehren ihre Helden. Im Celtic Park hängen bei jedem Heimspiel Plakate, auf denen die "Lisbon Lions" gefeiert werden. 1967 holten die Bhoys im Finale von Lissabon als erste britische Mannschaft den Landesmeister-Cup durch einen 2:1-Sieg gegen Inter Mailand.

Seitdem haben Spieler wie Bobby Lennox, Tommy Gemmell oder John Clark Gottstatus bei Celtic, der damalige Erfolgs-Trainer Jock Stein sowieso.

Die wohl größte Celtic-Legende ist aber Johnny Thomson, der im September 1931 in einem Old-Firm-Derby tödlich verletzt wurde. Thomson war bei einer Rettungsaktion vor seinem Tor so heftig mit Rangers-Spieler Sam English zusammengeprallt, dass er sich einen Schädelbruch zuzog und wenige Stunden später im Krankenhaus verstarb. Noch heute pilgern Celtic-Fans zu seinem Grab.

Überbezahlte Primadonnen

Dass aber bei Celtic Glasgow die gleichen Gesetzmäßigkeiten gelten wie bei allen anderen Fußballvereinen, musste Trainer Neil Lennon in der laufenden Saison erfahren. Nach einer für Celtic fast schon peinlichen Serie von nur einem Sieg in vier aufeinanderfolgenden Ligaspielen im Herbst 2012 legte er sich mit den Fans an.

"Wenn sie nicht zufrieden sind mit dem, was ich hier tue, dann gehe ich", sagte Lennon nach dem 0:1 gegen Inverness Ende November. Für Pat Bonner lag die Schwächephase der Mannschaft am fehlenden Stadt-Rivalen.

"Der Druck auf Celtic hat nach der Rangers-Demission nachgelassen. Wären die Rangers noch in der Premier League, würde Celtic hinter ihnen liegen", sagte Bonner und drosch gleichzeitig auf die Spieler ein. "Celtic ist gespickt mit überbezahlten Primadonnen, die sich zu fein sind, in Schottland zu spielen."

Mittlerweile hat sich Celtic aber stabilisiert. Seit der Pleite gegen Inverness gab es in elf Spielen zehn Siege, der Vorsprung auf Inverness und Motherwell beträgt 15 Punkte.

Snoop Dogg will investieren

In der Champions League war schon das Erreichen des Achtelfinals ein Riesenerfolg. Sollte Celtic in der Königsklasse für weitere Überraschungen sorgen, dürfte sich auch Snoop Dogg wieder einschalten.

Der Hip-Hop-Star aus den USA hatte nach dem Sieg gegen Barcelona einen Einstieg als Investor bei Celtic in Erwägung gezogen.

Coach Lennon hätte nichts dagegen - unter einer Bedingung: "Das wäre okay - solange ich zu einer seiner Partys eingeladen werde."

Das CL-Achtelfinale im Überblick

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