"Vielleicht sind wir gar nicht so gut"

Von Thomas Gaber
Donnerstag, 21.02.2013 | 12:04 Uhr
Mit dem Rücken zur Wand: Barca-Spieler Gerard Pique und Carles Puyol
© getty
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Der FC Barcelona lieferte beim 0:2 in Mailand eines seiner schlechtesten Spiele in den letzten Jahren ab. Nach einer schwarzen Nacht in San Siro hilft nur im Rückspiel im Camp Nou nur eine magische, um das vorzeitige Aus in der Königsklasse zu verhindern. Doch es gibt auch Zweifler.

Carles Puyol hat einmal gesagt, er würde für den FC Barcelona auch sterben, sollte es dem Erfolg seines Vereins dienen. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Barca-Kapitän ziemlich allergisch reagierte, als er während der zweiten Halbzeit vom Mannschaftsarzt am Kopf behandelt wurde.

Puyol hatte sich bei einem Zusammenprall mit Milans Giampaolo Pazzini eine dicke Beule an der Stirn zugezogen, die eine unfreiwillige Auszeit an der Seitenlinie unumgänglich machte.

Weil ihm die Behandlung aber nicht fix genug ging, ließ sich Puyol lediglich notdürfitg ein dickes Pflaster mit vier Klammern an die Stirn heften. Puyol musste so schnell wie möglich zurück auf den Platz, schließlich war seine Mannschaft drauf und dran, die Chancen auf weitere K.o.-Runden in der diesjährigen CL-Saison zu verspielen.

Das weiße Etwas an seiner Stirn wurde Puyol dann aber auch noch so lästig, dass er es nach einem Offensivkopfball mit anschließendem Sprint zurück in die eigene Hälfte wegriss und zu Boden warf.

"Ein sehr schlechtes Ergebnis"

Es wäre für den FC Barcelona von Vorteil gewesen, wenn alle Blaugranas, die am Mittwoch in San Siro aktiv waren, eine ähnliche Einstellung an den Tag gelegt hätten wie der Kapitän. Weil der Titelfavorit aber über die gesamten 90 Minuten ungeahnt uninspiriert und lethargisch agierte, steht Barca schon im Achtelfinale mit dem Rücken zur Wand.

"Das ist ein sehr schlechtes Ergebnis für uns. Wir sind nie ins Spiel gekommen und konnten auch nach dem Rückstand nicht reagieren. Der Platz war nicht gut, der Schiedsrichter auch nicht. Aber ich will keine Entschuldigungen suchen, das war gar nichts", sagte Gerard Pique.

Die Ratlosigkeit des Verteidigers gipfelte in der Erkenntnis: "Vielleicht sind wir gar nicht so gut."

Erneut Probleme gegen defensiven Gegner

Barcas Dominanz beschränkte sich diesmal ausschließlich auf Ballbesitz. Messi und Co. fanden aber kein Mittel gegen diszipliniert und klug verteidigende Rossoneri. "Nur ein Schuss aufs Tor. Messi unsichtbar. Barca spielte sein schlechtestes Spiel in den letzten fünf Jahren", schrieb "Marca".

Wieder einmal hatte Barca in der Champions League Schwierigkeiten gegen eine Mannschaft, die sich zurückzieht, konsequent verteidigt und eigentlich nur auf Fehler des Gegners wartet, um dann selbst initiativ zu werden. Das gleiche Muster wendeten Inter Mailand im Halbfinale 2010 und der FC Chelsea im Halbfinale 2012 an; beide Male schied Barca aus.

"Barca fehlte ein Plan B gegen eine Mannschaft, die königlich verteidigte", analysierte "Sport".

Magische Nacht im Camp Nou?

Noch aber sind die Katalanen nicht ausgeschieden. Wenn es einer Mannschaft in diesem Wettbewerb zuzutrauen ist, ein 0:2 im Rückspiel aufzuholen, dann Barca. "Wir wissen, dass wir eine magische Nacht im Camp Nou brauchen. Aber dazu sind wir in der Lage", sagte Andres Iniesta.

Milan ließ sich für eine "heroische Leistung" (Gazzetta dello Sport) zurecht feiern, weiß aber auch um die nach wie vor vorhandene Qualität des Gegners.

"Mit einem 2:0-Vorsprung nach Barcelona zu fahren, ist sicher mehr als wir uns erträumt hätten. Aber Barca ist immer noch Favorit. Ich bin mir sicher, dass wir noch ein weiteres Tor brauchen, um weiter zu kommen. Das müssen wir halt im Camp Nou schießen", sagte Trainer Massimiliano Allegri.

"El Mundo Deportivo" recherchierte gleich mal intensiv, wie wahrscheinlich ein Weiterkommen des FC Barcelona noch ist.

Milan ist dafür bekannt, es mit komfortablen Vorsprung noch mal spannend zu machen. 2004 schieden die Rossoneri im CL-Viertelfinale nach einem 4:1-Hinspiel-Sieg gegen La Coruna noch aus (0:4 im Rücksspiel).

Die größten Comebacks der Europacup-Geschichte

Ein Jahr später reichte ein 3:0 zur Pause im Finale gegen Liverpool nicht zum Sieg. Und in der letzten Saison kam Milan im Achtelfinale gegen Arsenal nach einem 4:0-Sieg mit einem blauen Auge davon - Arsenal schaffte im Rückspiel "nur" ein 3:0.

AC Milan - FC Barcelona: Daten zum Spiel

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