Fussball

Der nächste Ritterschlag

Von Für SPOX in London: Andreas Lehner
Die Humba klappte bei den Bayern noch nicht - sonst lief am Dienstagabend aber sehr viel richtig
© Getty

Das 3:1 beim FC Arsenal macht klar, es gibt in Europa nur eine Handvoll Teams, die dem FC Bayern Paroli bieten können. Die Gunners gehören nicht dazu. Das dritte Champions-League-Finale in vier Jahren ist keine Fantasie.

Am Ende kam es noch zu einer unangenehmen Situation im Emirates Stadium. Nachdem die Spieler des FC Bayern ihren Sieg mit den Fans in der Kurve gefeiert hatten, marschierten sie einmal über den Platz Richtung Kabinentrakt. Dabei hatten die gut 3000 mitgereisten Anhänger noch andere Pläne.

"Auf die Knie", skandierten sie. Eine eindeutige Aufforderung für die sogenannte Humba. Eine Jubelform, die in den vergangenen Jahren etwas inflationär gebraucht wird. Und so sahen das wohl auch die Spieler, die sich vom Pfeifkonzert der eigenen Fans nicht beirren ließen und weiter dem Spielertunnel zustrebten.

Bastian Schweinsteiger, ins rote Trikot mit der Nummer vier von Per Mertesacker gekleidet, und Thomas Müller drehten sich schließlich um und versuchten mit eindeutigen Gesten die Situation zu beruhigen, was ihnen schließlich auch gelang.

Applaus von den Arsenal-Fans

Die Bayern konnten aber trotzdem mit einem wohligen Gefühl in die Kabine gehen und unter die Dusche steigen, denn auf der gegenüberliegenden Seite wurden die Münchner von den heimischen Zuschauern mit Applaus verabschiedet.

Es ist immer ein Zeichen von sportsmännischer Größe und tiefem Respekt, wenn eine Mannschaft von den Anhängern des Kontrahenten mit Beifall bedacht wird. Die Bayern hatten sich diesen Ritterschlag in der Hauptstadt des britischen Königreichs durch eine souveräne Leistung verdient.

Rummenigge und Hoeneß schwärmen

"Ein exzellentes Spiel" in der ersten Halbzeit und in der zweiten Hälfte "von der kämpferischen Seite ein überragendes Spiel" attestierte Trainer Jupp Heynckes seiner Mannschaft.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach von der "besten Saisonleistung" und Präsident Uli Hoeneß hatte vor allem in der ersten halben Stunde "Fußball aus dem Lehrbuch" gesehen. "Ich habe lange Zeit keine Bayern-Mannschaft gesehen, die so gespielt hat. Besser kann man nicht spielen."

Bayerns-Dominanz im Mittelfeld

Von Beginn an war ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Mannschaften zu spüren. Arsenal wirkte nervös, unklar in seiner Spielanlage, während die Bayern voller Selbstvertrauen und mit klaren Strukturen agierten. Besonders im Mittelfeld wurde der Unterschied deutlich.

Jack Wilshere mühte sich redlich, kam aber gegen die spielerische Klasse und Spielintelligenz von Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Toni Kroos nicht an. Dem Arsenal-Star fehlte es ganz einfach an Unterstützung.

Wie groß der Unterschied war, machte eine Szene kurz vor der Pause klar, als Kroos den bemitleidenswerten Aaron Ramsey am Mittelkreis tunnelte, damit Martinez bediente und per Doppelpass den nächsten Angriff initiierte. "Man muss ihre Klasse anerkennen", sagte Arsenal-Manager Arsene Wenger auf der Pressekonferenz nach dem Spiel voller Respekt. "In der ersten Hälfte wurde der Unterschied in der Qualität zwischen beiden Teams phasenweise sichtbar."

In der zweiten Halbzeit sah Wenger sein Team mit "Kampfgeist und Hingabe" spielen, nur hatten die Bayern auch darauf die richtige Antwort parat. Sie zogen sich weiter zurück, verschlossen den Weg zum eigenen Tor und setzten auf gelegentliche Aktionen durch Konter.

Es ist auch eine Stärke dieser Saison, dass die Münchner verschiedene Wege zum Erfolg haben. Der schlüssigste ist nach wie vor eine stabile Defensive. Dass sich Arsenal trotz Bayerns deutlicher Überlegenheit auf einmal die Chance zum Ausgleich durch den eingewechselten Oliver Giroud bot, war zum einen auf das Missverständnis von Manuel Neuer und seinen Vorderleuten vor dem Anschlusstreffer zurückzuführen. Und zum anderen auf Bayerns Inkonsequenz im Spiel nach vorne in Durchgang zwei.

Arsenal: Keine Hoffnung fürs Rückspiel

Mehr gefährliche Aktionen hatte Arsenal aber nicht. Und das in einem Heimspiel im Champions-League-Achtelfinale. Die Bayern waren bestens vorbereitet, kannten um die Stärken und Schwächen des Gegners und nutzten diese eiskalt aus.

"Das ist der Unterschied", sagte Arsenals Theo Walcott. "In der Champions League muss man seine wenigen Möglichkeiten wahrnehmen. Aus dem Spiel können wir eine Menge lernen, auch von Bayern. Wir wollen irgendwann mal so werden wie sie."

Hoffnungsfroh klang keiner der Arsenal-Spieler, als sie aus dem Stadion hinausschlichen in die kalte Nacht. Eine Wende in München scheint gegen die so heimstarken Bayern utopisch. "Seien wir ehrlich", sagte auch Wenger. "Es wird extrem schwierig gegen ein Team mit dieser Qualität. Sie haben nicht umsonst zwei Finals in den letzten drei Jahren gespielt."

Nur eine Handvoll Teams auf Bayern-Niveau

Während Arsenal seinen Fokus nun auf die Liga richten muss, wo das Team um die 16. Qualifikation für die Champions League in Folge kämpft, können sich die Bayern schon eine Runde nach vorne orientieren. Auch wenn das am Dienstagabend keiner offensiv verkünden wollte.

Das Achtelfinale ist dennoch nur ein Aufwärmprogramm für die - je nach Auslosung - großen Spiele im Viertel- und Halbfinale. Aktuell scheint es nur eine Handvoll Mannschaften zu geben, die mit Bayern auf einem Niveau spielen können. Da sind die spanischen Teams Barca und Real Madrid, Manchester United, Juventus Turin und natürlich Ligarivale Borussia Dortmund.

Zum Duell mit dem BVB kommt es schon in einer Woche im DFB-Pokal-Viertelfinale. Rummenigge bezeichnete das Aufeinandertreffen als "das ganz große Spiel". Es gehört nach wie vor zu den Zielen des Klubs in dieser Saison, ein direktes Duell mit den Dortmundern zu gewinnen, das nicht in der Vorbereitung einer Saison liegt. Vielleicht klappt's dann auch wieder mit der Humba.

Das CL-Achtelfinale im Überblick

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