Zenit-Experte Maxim Lyapin im Interview

"Sie konnten treiben, was sie wollten"

Von Interview: Haruka Gruber
Mittwoch, 03.10.2012 | 14:20 Uhr
Machen momentan unruhige Zeiten durch: Die Spieler von Zenit St. Petersburg um Star Hulk (l.)
© Getty
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Russland im Ausnahmezustand und mittendrin ein seltsamer Strippenzieher aus Deutschland: Die Fußball-Welt rätselt über St. Petersburgs Transferwut und den neuen Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Warum kam es im Klub zu einem Eklat? Und warum muss Schalke um seine Stars zittern? Das Interview mit Experte Maxim Lyapin.

SPOX: In Russland herrscht große Aufregung: Zenit-Kapitän Igor Denissow wurde suspendiert, weil dieser sich nach den Verpflichtungen von Hulk für 55 Millionen Euro und Axel Witsel für 40 Millionen Euro unterbezahlt fühlt. Was ist los?

Maxim Lyapin: Derzeit gibt es kein anderes Thema als Denissow, nicht nur unter den Fußball-Fans. Mittlerweile hat die Diskussion eine gesellschaftliche Relevanz. Selbst in den normalen Nachrichten oder in den politischen TV-Sendungen geht es um Denissow und wie Zenit mit ihm umgeht.

SPOX: Was hat den Eklat ausgelöst?

Lyapin: Ein Interview von Denissow, in dem er sich bitterlich beschwert hat. Es sei nicht fair, dass Hulk und Witsel mit Geld zugeschüttet werden, obwohl er und die anderen russischen Führungsspieler Zenit erst erfolgreich gemacht hätten. Er sagt, dass es ihm nicht ums Geld an sich gehe, sondern dass ihm nur die Atmosphäre in der Kabine wichtig sei und er deswegen um mehr Fairness kämpfen wolle.

SPOX: Glauben Sie ihm?

Lyapin: Niemand in Russland glaubt ihm, deswegen macht sich gerade das ganze Land über ihn lustig. Denissow wollte die Menschen wirklich glauben machen, dass er in der Nacht nicht gut schlafen könnte, weil er sich so um die Stimmung in der Mannschaft sorgen würde. Dabei weiß jeder, dass er nur mehr Geld will, obwohl er bis 2015 pro Jahr drei Millionen Euro verdient. Drei Millionen! Zumal ich nicht glaube, dass Hulk und vor allem Witsel so viel mehr verdienen als er. Die beiden kamen aus Portugal, und meines Wissens beträgt dort das höchste Nettogehalt 1,5 Millionen Euro. Entsprechend wird ein Witsel vollkommen zufrieden sein, wenn er von Zenit zwei bis drei Millionen Euro bekommt. Deswegen kursieren überall Witze auf Denissows Kosten. Oder es wird hochgerechnet, dass ein russischer Lehrer 240 Jahre und ein russischer U-Bahn-Fahrer 170 Jahre arbeiten müssten, um so viel zu verdienen wie Denissow in einem Jahr.

Igor Denissow im SPOX-Porträt: Eine Karriere voller Skandale

SPOX: Man könnte die Episode als die Exzentrik eines überheblichen Fußballs-Stars abtun. Aber verdeutlicht diese einen grundsätzlichen Konflikt im Verein?

Lyapin: Deswegen ist die Zenit-Führung derzeit auch sehr, sehr angespannt. Zum Beispiel wurden beim letzten Ligaspiel gegen Lokomotive Moskau offenbar die Fans nach Bannern und Fahnen durchsucht, um Bekundungen für und vor allem gegen Denissow zu vermeiden. Zenit will bloß kein weiteres Öl ins Feuer gießen.

SPOX: Worin besteht das Spannungsfeld in St. Petersburg?

Lyapin: Der Verein steht vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Bis zuletzt wurden Spieler wie Denissow, Alexander Kerschakow, Wladimir Bystrow und Wjatscheslaw Malafejew von Zenit geschützt und ihnen wurden alle Undiszipliniertheiten vergeben, weil sie alle in der eigenen Jugend ausgebildet wurden und die Identifikationsfiguren sind. Im Grunde konnten sie bis jetzt alles treiben, was sie wollten.

SPOX: Und dann kommt mit Dietmar Beiersdorfer ein neuer Sportdirektor, der ihnen Hulk und Witsel vor die Nase setzt.

Lyapin: Ich glaube, dass Zenit eine neue Kultur in den Verein hineinbringen möchte. Was bringt es, die nächste russische Meisterschaft zu gewinnen? St. Petersburg soll vor allem in der Champions League endlich eine wichtigere Rolle spielen - und dafür müssen alte Gewohnheiten abgelegt und neue Impulse gesetzt werden. Dass dieser Wandel schwierig wird, ist klar. An Denissow wird sich zeigen, wie ernst es Zenit ist. Wenn die Bosse jetzt einknicken, wäre es ein fatales Zeichen, denn daraufhin würden alle anderen Spieler kommen und gleichfalls eine Gehaltserhöhung verlangen.

SPOX: Was sagt Beiersdorfer zu alldem? Obwohl er offenbar seit Wochen für St. Petersburg arbeitet, ist auf der offiziellen Website nichts vom ihm zu finden. Nicht einmal auf der Auflistung des Managements.

Lyapin: Beiersdorfer sagt immer noch nichts. Es gibt keine einzige Äußerung von ihm. Sehr seltsam.

SPOX: Eine offensichtliche Frage: Ist Beiersdorfer wirklich der Sportdirektor von Zenit St. Petersburg?

Lyapin: Das wurde von Witsel bestätigt. Ich führte mit Witsel gleich nach dem Wechsel ein Interview und fragte ihn, wie wichtig Trainer Luciano Spalletti für seine Entscheidung war. Witsel antwortete, dass er sich nicht mit Spalletti sondern mit Beiersdorfer unterhalten habe. Ungefähr drei-, viermal. Und ich weiß, dass Beiersdorfer mittlerweile physisch in St. Petersburg da sein muss, weil Witsel immer zu ihm geht, wenn er über etwas sprechen möchte.

SPOX: Beiersdorfers extreme Zurückhaltung ist sehr ungewöhnlich. Wie ist die Stimmung gegenüber dem Unbekannten aus Deutschland, der gleich zum Amtsantritt rund 100 Millionen Euro ausgibt?

Lyapin: So unbekannt ist Beiersdorfer gar nicht. Er hat in Hamburg Spieler wie Rafael van der Vaart und Vincent Kompany verpflichtet, sie besser gemacht und für viel Geld weiterverkauft. Daher genießt er einen guten Ruf. Zenit verfolgt zwar einen anderen Businessplan als der HSV und hat es nicht nötig, Gewinne durch Spielerverkäufe zu erzielen. Zenit wollte ihn dennoch, weil Beiersdorfer Erfahrung darin hat, mit Klubs wie Chelsea, Manchester City und dem FC Bayern zu verhandeln.

SPOX: Bei Zenit verwaltet er andere Summen als in Hamburg oder bei Red Bull Salzburg.

Lyapin: Auf der anderen Seite sollte Beiersdorfer keine Probleme haben, die Leistung seiner Vorgänger zu übertreffen. Der frühere Sportdirektor Igor Kornejew holte fast nur Spieler, die Zenit nullkommanull weiterbrachten: Michael Lumb, Danko Lazovic, auch Szabolcs Huszti, der erst wieder gut spielt, seit er von St. Petersburg nach Hannover zurückging. Nach Kornejews Weggang übernahm Spalletti dessen Aufgabe mit, aber die Doppelfunktion war zu viel für ihn. In zwei Transferperioden hintereinander ist fast nichts passiert, weil Spalletti sich als Trainer um die Mannschaft kümmern musste. Daher wurde Beiersdorfer eingestellt.

Seite 2: Führungsstrukturen, Philosophie und Monster-Transfers

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