Sonntag, 20.05.2012

Bayern Münchens Präsident im Interview

Hoeneß: "Ich habe keinen Jeremies gesehen"

Für Uli Hoeneß war das Heimfinale der Champions League gegen den FC Chelsea die Erfüllung eines Lebenstraums, der am Samstag um exakt 23.26 Uhr aber zu seinem schlimmsten Albtraum wurde. Bayern Münchens Präsident wirkte nach dem K.o. im Elfmeterschießen niedergeschlagen - und übte zwischen den Zeilen sehr deutliche Kritik an einer Mannschaft, die offenbar zur Disposition steht.

Uli Hoeneß schaute selten so traurig drein wie nach der Niederlage gegen den FC Chelsea
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Uli Hoeneß schaute selten so traurig drein wie nach der Niederlage gegen den FC Chelsea

Frage: Herr Hoeneß, haben Sie schon Worte für das, was passiert ist?

Hoeneß: Das war ein Drama. Ich habe noch keine Orientierung. Ich muss das ein, zwei Tage sacken lassen. Ich habe noch keinen klaren Kopf. Ich kann nur sagen: Man fühlt sich gar nicht als Verlierer.

Frage: Warum?

Hoeneß: Im Elfmeterschießen gehört immer Glück dazu. Wir waren über 120 Minuten die bessere Mannschaft. Das kann man einfach nicht fassen. Wann Bayern München zuletzt so viele Matchbälle vergeben hat, weiß ich nicht.

Frage: In der regulären Spielzeit, in der Nachspielzeit und im Elfmeterschießen hatte Bayern jeweils schon eine Hand am Pokal. Warum konnte man den Sack nicht zumachen?

Hoeneß: Ich habe auf dem Platz ein paar Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben. Es gibt natürlich gewisse Probleme, wenn man drei Titel verspielt. Es ist nicht alles in Ordnung. Da braucht man nicht drumrum reden.

Frage: Was genau ist nicht in Ordnung?

Hoeneß: Es bringt jetzt nichts, positive oder negative Argumente an so einem Abend herauszustellen. Man muss sich aber trotzdem fragen, warum das passiert ist. Vielleicht haben wir nicht genug Spieler, die so etwas erzwingen wollen. Ich habe keinen Jens Jeremies gesehen, der schon beim Einlaufen dem Gegner in die Waden gebissen hat.

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Frage: Kritisieren Sie indirekt die Mentalität der Mannschaft?

Hoeneß: Ich habe keine Erklärung, warum wir das Spiel verloren haben. Chelsea hat keine einzige Chance gehabt. Dann schaffen wir es nicht - das ist unglaublich. Wenn man in so einem Spiel so viele Chancen hat, den Sack zuzumachen, dann muss man es machen.

Frage: Wie schwer ist diese Niederlage zu verdauen?

Hoeneß: Sehr schwer. Und auf Dauer habe ich keine Lust auf Platz zwei. Das ist kein Zustand, den ich akzeptiere. Man muss sich fragen, warum das passiert ist.

Frage: Können Sie verstehen, dass Arjen Robben wieder einen entscheidenden Elfmeter schießt? Immerhin hat er gegen Dortmund schon die Meisterschaft verspielt.

Hoeneß: Wenn es feststeht, dass er der erste Elfmeterschütze ist, dann schießt er eben.

Frage: Haben Sie schon mit Bastian Schweinsteiger gesprochen? Er sah nach dem Abpfiff untröstlich aus.

Hoeneß: Ich habe selber mal einen wichtigen Elfmeter verschossen - und das muss man sacken lassen. In ein paar Tagen schauen wir, wie es weitergeht.

Frage: Am Dienstag steht noch ein Freundschaftsspiel gegen die Niederlande an. Hat darauf überhaupt noch jemand Lust?

Hoeneß: Über Dienstag mache ich mir keine Gedanken. Das wäre ein schöner Abschluss gewesen, wenn wir gewonnen hätten. Aber so ist es ja nicht.

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Arjen Robben (l.) scheint die Niederlage im Champions-League-Finale immer noch nicht begreifen zu können. Bei Thomas Müller stimmte immerhin die Einzelleistung
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Der Traum vom Pokal platzte. Nur wenige Fans blieben noch lange nach Abschluss im Stadion und trauerten um die verpasste Chance
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Auch die jüngsten Bayern-Anhänger konnten ihre Enttäuschung nach Ende des Spiels kaum verbergen
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Während für die Bayern-Fans ein Traum zerbrach, feierten die Chelsea-Fans ausgelassen - manchmal auch in direkter Nähe
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