Die zweite Garde patzt

Von Frederik Büll
Mittwoch, 09.05.2012 | 16:15 Uhr
Für Didier Drogba (l.) und Frank Lampard könnte der CL-Titel das letzte große Hurra sein
© Getty
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Für das Team von Roberto Di Matteo ist ein Triumph im Champions-League-Finale am 19. Mai die letzte Chance, auch im nächsten Jahr die Königsklasse zu erreichen. Der Saisonverlauf in der Premier League ist mäßig, nur der FA-Cup-Sieg gegen Liverpool schmälert die Enttäuschung etwas.

Gleich drei Spiele in der jüngsten Vergangenheit zeigten, wozu die "Blues" in der Lage sind. Sowohl in den Champions-League-Halbfinalspielen gegen Barcelona, als auch beim 2:1-Finalsieg im FA Cup gegen den FC Liverpool konnten sich die Londoner auf ihre kompakte Defensive verlassen. Dazu wurden offensive Nadelstiche gesetzt. So wähnte sich Chelsea auf der Erfolgsspur.

Nach dem Pokalerfolg sagte der für das Champions-League-Finale rotgesperrte Kapitän John Terry: "Wir müssen noch eine weitere riesige Trophäe holen - die Champions League." Und auch Sturmtank Didier Drogba pflichtete ihm bei: "Das war nur der erste Schritt."

Schwache Leistung der B-Elf

Doch die große Ernüchterung folgte nur drei Tage später im Liga-Alltag gegen den gleichen Gegner aus Liverpool. Die "Blues" kamen gegen die "Reds" mit 1:4 gehörig unter die Räder. Chefcoach Roberto Di Matteo hatte eine bessere B-Elf aufgeboten, in der illustre Namen wie Petr Cech, Frank Lampard, Juan Mata, Salomon Kalou, Ashley Cole oder Didier Drogba fehlten. Scheinbar hatte der Trainer schon vor der Partie die kleine theoretische Chance, sich noch über die Liga für die Champions League zu qualifizieren, links liegengelassen.

Doch auch eine B-Elf Chelseas hätte alleine vom Potenzial der Spieler eine viel bessere Leistung abliefern können. Der enttäuschte Di Matteo sagte nach der Partie: "Wir haben mit den Spielern die ganze Saison gespielt. Sie haben uns so weit gebracht, dass wir eine Chance hatten, mit zwei Spielen noch den vierten Tabellenplatz zu erreichen, auch wenn wir von anderen Ergebnissen abhängig gewesen wären. Aber wir haben immer jeden gebraucht, um so weit zu kommen."

Die hochgelobte Defensive schwimmt

Besonders in der Defensive zeigten sich die Londoner indisponiert. Die Innenverteidigung um Terry und Ivanovic schoss etliche Böcke und war zu keiner Zeit auf dem Posten. In dieser Verfassung wären beide auch keine Hilfe für das "Finale Dahoam", sondern ein Sicherheitsrisiko. Da kann man aus Chelsea-Sicht von Glück sprechen, dass beide gesperrt zuschauen müssen.

Mögliche Kandidaten auf dieser Position für das Champions-League-Finale sind David Luiz und Gary Cahill, die jedoch beide derzeit mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen haben und somit bislang noch keine Spielpraxis sammeln konnten. Di Matteo dazu: "Wir arbeiten an ihrer Fitness und versuchen, sie so schnell wie möglich zurückzubekommen, aber ich kann dafür kein genaues Datum nennen."

Essien völlig außer Form

Die zweite Garde um Michael Essien, Daniel Sturridge, Florent Malouda, Paulo Ferreira, Oriol Romeu und Fernando Torres zeigte an der Anfield Road eindrucksvoll, wie man eine Bewährungschance nicht nutzt. Torres hatte eine gute Szene, als er den Ball aus spitzem Winkel an den Querbalken drosch, ansonsten hat man weiter das Gefühl, ein untalentierter Zwillingsbruder des Spaniers schnüre die Fußballschuhe für die Jungs von der Stamford Bridge.

Essien ist nach zwei Knieverletzungen im Moment nur noch ein Schatten vergangener Tage, war gegen Liverpool Eigentorschütze und verfügt derzeit über ein rudimentäres Leistungsspektrum. Einzig Ramires zeigte eine ordentliche Leistung. Aber auch der fehlt im CL-Finale gelbgesperrt.

Schlechteste Saison seit 2003

Der etatmäßige Rechtsverteidiger Jose Bosingwa dürfte gegen den quirligen Ribery wohl so seine Probleme bekommen. Ashley Cole hat es auf links mit Robben zu tun. Schwerstarbeit für die Blues also. Die alten Recken um Drogba und Lampard werden es gegen die Bayern also richten müssen. Für beide wird es wohl die letzte Chance sein, einen großen internationalen Titel zu feiern.

Am Sonntag haben die Blues nun die letzte Gelegenheit, sich vor dem Finale noch einmal das nötige Selbstvertrauen zu holen und ihre mögliche Champions-League-Formation zu testen. Im letzten Premier-League-Spiel geht es gegen den Absteiger Blackburn Rovers nur noch um die Goldene Ananas. Die Londoner bleiben auch bei einem Sieg Tabellensechster: die schlechteste Saisonplatzierung in der seit 2003 andauernden Ära des Besitzers Roman Abramowitsch.

Durch den FA-Cup-Sieg ist zumindest die Europa-League-Qualifikation für die nächste Spielzeit gesichert. Für die Königsklasse im nächsten Jahr muss allerdings der große Pokal her.

Der FC Chelsea im Überblick

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