Champions League: FC Chelsea - FC Barcelona

Der Bulldozer bittet um himmlischen Beistand

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 18.04.2012 | 13:00 Uhr
Im CL-Halbfinale 2009 setzte sich der FC Barcelona hauchdünn gegen den FC Chelsea durch
© Getty
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Der FC Chelsea ist unter Trainer Roberto di Matteo wieder ernstzunehmen. Mit dem FC Barcelona (Mi., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) haben die Blues noch eine Rechnung offen. Dani Alves bohrt in Chelseas Wunden und Juan Mata schickt Grüße nach ganz oben.

Am letzten Sonntag ließ es der FC Chelsea richtig krachen. Mit 5:1 wurde Stadtrivale Tottenham Hotspur im FA-Cup-Halbfinale weggefegt. Vor allem in der zweiten Halbzeit spielte Chelsea großartig, was die englische Zeitung "Sun" nutzte, an alte, längst vergessen geglaubte Zeiten zu erinnern. "Chelsea war gegen die Spurs der Bulldozer, der jahrelang in ganz Europa Schrecken verbreitete."

Das ist aber eine Weile her. In den letzten beiden Jahren schieden die Blues in der Champions League recht früh aus. 2010 im Achtelfinale gegen Inter Mailand. Mit zwei Niederlagen. 2011 im Viertelfinale gegen Manchester United. Mit zwei Niederlagen.

In dieser Saison hat Chelsea neben dem FA-Cup-Finale immerhin mal wieder das Halbfinale der Königsklasse erreicht und dabei im Achtelfinal-Rückspiel gegen Napoli beim 4:1 n.V. seine verborgenen Bulldozer-Qualitäten zumindest wieder angedeutet.

Di Matteo hat den Laden im Griff

Dass Chelsea in der Meisterschaft schlanke 25 Punkte hinter Spitzenreiter ManUnited nur auf Platz sechs liegt, spielt in diesen Tagen keine Rolle an der Stamford Bridge. Gegen den FC Barcelona gilt es, eine Rechnung zu begleichen. 2009 schied Chelsea im CL-Halbfinale sehr unglücklich aus. Rechtzeitig zum Duell mit den Schöngeistern aus Katalonien ist auch der Glaube an große Siege zurückgekehrt.

"Sie haben Schwächen, wir müssen sie nur ausnutzen. Man schaut sich an, wie man Barcelona weh tun und ihnen Probleme bereiten kann und ich habe mir sehr viele Spiele angesehen. Wir haben eine realistische Chance", sagte Trainer Roberto di Matteo.

Seit der 41-Jährige das Kommando von Andre Villas-Boas übernommen hat, läuft es bei Chelsea. Während Villas-Boas über die wohl mächtigste Umkleidekabine der Welt stolperte, akzeptiert di Matteo die Kräfteverhältnisse.

"Als Ex-Spieler kann er sich in seinen Ansprachen deutlich ausdrücken. Das Zusammenwirken von Drogba, Lampard und Terry funktioniert nur dank di Matteo", sagte Ex-Chelsea-Verteidiger Marcel Desailly.

Lampard, der auch unter di Matteo nicht unumstrittener Stammspieler ist, erklärt die Erfolgsformel von di Matteo so: "Es ist ganz einfach. Er ist sehr unkompliziert." Di Matteo beharrt nicht darauf, dass die Spieler ihn "Boss" oder "Manager" nennen. Er ist für seine Spieler schlichtweg der "Robbie".

Team-Strategie gegen Messi und Co.

Im Duell mit Barca setzt di Matteo auf mannschaftliche Geschlossenheit. "Es reicht nicht aus, nur Lionel Messi zu stoppen, weil sie einfach zu viele Spieler haben, die einem sehr weh tun können. Wir müssen Barcelona mit einer Team-Taktik, einer Team-Strategie begegnen, um in der Lage zu sein, ihre Gefährlichkeit zu begrenzen."

Im Gegensatz zu 2009, als Chelsea in beiden Spielen gegen Barcelona ebenbürtig war und nur durch ein spätes Tor von Andres Iniesta sowie einige äußerst zweifelhafte Entscheidungen von Schiedsrichter Tom Henning Övrebö ausschied, ist der Titelverteidiger diesmal klarer Favorit.

"Das ist Barca in jedem Spiel. Sie spielen einen Fußball, den ich bewundere und den ich lange für nicht möglich gehalten habe. Aber wenn wir den Spirit aus dem Spiel gegen Tottenham mitnehmen, können wir sie schlagen", sagte Lampard, der Rachegelüste nicht verhehlen kann. "Ich will eigentlich nicht mehr über 2009 sprechen. Der Stachel saß extrem tief. Es ging nicht alles mit rechten Dingen zu."

Alves über 2009: Chelsea hatte Angst

Für Dani Alves hat das Scheitern der Londoner damals nichts mit Övrebös Leistung zu tun. "Chelsea ist 2009 ausgeschieden, weil sie Angst hatten. Sie haben sich mit dem 1:0 zufrieden gegeben und dafür bezahlt", sagte Barcas Rechtsverteidiger.

Für Barca ist der Auftritt an der Stamford Bridge der Auftakt zu einer "brutalen Woche", wie Iniesta feststellte. "In den nächsten acht Tagen entscheidet sich, ob wir wieder ein Champions-League-Finale spielen dürfen und ob wir in der Meisterschaft noch eine Chance haben. Wenn wir Fehler machen, können wir zwei Titel verspielen. Aber wir haben bis hier hin hart gearbeitet und wollen jetzt auch die Ernte einfahren."

Dafür sorgen soll - natürlich - Lionel Messi. Der Argentinier hat den Torrekord in der Champions League pro Saison bereits nach dem Viertelfinale gebrochen. 14 Treffer gehen auf Messis Konto, die bisherige Bestmarke lag bei zwölf (Messi und Ruud van Nistelrooy).

Fußball-Gott, hilf!

Chelseas Juan Mata schickt Grüße nach ganz oben: "Vielleicht sorgt der Fußball-Gott ja dafür, dass Messi nicht seinen besten Tag hat. Wenn er aber wieder aufdreht - dann gute Nacht."

Kollege Didier Drogba ist da weitaus optimistischer: "Unsere Bilanz gegen Barcelona ist generell nicht schlecht. Ich kann mich an kein einziges Spiel erinnern, in dem wir von Barca an die Wand gespielt wurden."

In den entscheidenden Momenten aber waren die Katalanen den Tick besser. Drei Mal setzte sich Barca in der K.o.-Phase der Königsklasse durch, nur einmal Chelsea.

Chelsea vs. Barcelona: die Bilanz gegeneinander

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