Der FC Bayern vor dem CL-Viertelfinale in Marseille

Spaß haben auf dem Schuttberg

Von Für SPOX in Marseille: Thomas Gaber
Dienstag, 27.03.2012 | 23:07 Uhr
Der FC Bayern trifft in einem Pflichtspiel zum ersten Mal auf Olympique Marseille
© Getty
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Mit einem emotionalen Rückkehrer Franck Ribery, aber wohl ohne Bastian Schweinsteiger geht der FC Bayern (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) das Unternehmen Halbfinale an. Olympique Marseille vertraut einem Nobody im Tor. Für den FCB gilt: So wie einst Carl Zeiss Jena.

Franck Ribery hinkte leicht hinterher. Während sich seine Kollegen vom FC Bayern München bereits im Mittelkreis des Stade Velodrome in Marseille eingefunden hatten, um innerhalb der von Co-Trainer Hermann Gerland aufgestellten Hütchen erste Dehnübungen zu machen, umarmte der Franzose erstmal jeden Angestellten von Olympique Marseille, der ihm über den Weg lief. Ein "Comment ca va?" hier, ein Klaps auf den Hintern oder an Zupfen am Ohrläppchen dort. Ein bisschen Schabernack muss sein.

Nach fast fünf Jahren betrat Ribery mal wieder den Rasen des Stade Velodrome. Zwischen 2005 und 2007 spielte er für OM, bevor er sich dem FC Bayern anschloss. Da können schon Heimatgefühle aufkommen, wenngleich Ribery eigentlich nichts vermisst in München.

Im Gegenteil. Der größten französischen Sportzeitung "L'Equipe" sagte er, sich in Deutschland "befreit" zu fühlen. "Das fehlt mir, wenn ich nach Frankreich komme. Ich fühle mich komplett als Münchner", so Ribery. Er werde seine Karriere wohl beim FC Bayern beenden und diese Gedankenspiele hängen eng mit einer Person zusammen. "Uli Hoeneß ist sehr wichtig für mich. Ohne ihn wäre ich wohl nicht mehr bei diesem Verein."

Hochachtung vor OM

Ribery zahlt das bedingungslose Vertrauen des Klubs in dieser Saison mit Glanzleistungen am Fließband zurück. Er hält die Mannschaft für stark genug, das Champions-League-Finale am 19. Mai im eigenen Stadion zu erreichen. 2010 in Madrid fehlte Ribery rot-gesperrt, kaum ein anderer Bayern-Spieler sehnt sich nach dem erneuten Einzug in ein CL-Finale so sehr wie er.

"Aber erstmal müssen wir das Viertelfinale überstehen. Mir gefällt es nicht, dass viele schon von einem Halbfinale gegen Real Madrid sprechen. Wir spielen doch erst gegen Marseille, oder? Und das wird schwer genug", so der 28-Jährige.

Sein Flügel-Pendant auf der rechten Seite, Arjen Robben, und Stürmer Mario Gomez halten OM für einen sehr gefährlichen Gegner. "Marseille hat nicht den Namen wie Real oder Barca, aber sie haben auch sehr viel Qualität", sagte Gomez.

Auch Trainer Jupp Heynckes ist nach einem intensiven Videostudium angetan von Marseille. "Sie spielen zuhause einen emotionalen Fußball und sind sehr fokussiert. Es wird ein großer Fight. Das Team ist vor allem physisch sehr stark und hat zudem exzellente Fußballer in seinen Reihen."

Sorgen für Deschamps

Von denen aber womöglich einige ausfallen werden. Stürmer Loic Remy, mit zehn Treffern in der Liga und zwei in der Champions League erfolgreichster Schütze von OM, hat nach wie vor Probleme am Oberschenkel. Außenstürmer Andre Ayew wird von anhaltenden Nackenschmerzen geplagt, eine "sehr unangenehme Sache", wie Trainer Didier Deschamps urteilte.

Deschamps braucht am Mittwoch beide Spieler, schließlich ist die Königsklasse für OM die einzige Möglichkeit, eine verkorkste Saison noch erträglich zu gestalten. Im Tor vertraut der Coach dem Brasilianer Elinton Andrade, etatmäßige Nummer drei bei OM. Stammkeeper Steve Mandanda fehlt wegen Gelb-Rot-Sperre.

"Ich denke, das ist die beste Wahl", sagte Deschamps am Dienstagmittag auf der Pressekonferenz. Seine Nummer zwei, Gennaro Bracigliano hatte vor einer Woche das Pokal-Aus gegen einen Drittligisten mitzuverantworten. Für den 32-jährigen Andrade bedeutet das Bayern-Spiel Champions-League-Premiere.

Deschamps baut im Spiel gegen "einen Anwärter auf den CL-Titel" auf das Publikum. "Die Fans werden uns nach vorne peitschen. Ich hoffe nur, dass das meine Spieler nicht hemmt."

Schweinsteiger nicht in der Startelf

40.000 statt der üblichen 60.000 Zuschauer gehen derzeit in das für die EM 2016 hübsch gemachte Stade Velodrom. Derzeit wird das Stadion von Kränen umlagert und der Bauschutt hinterlässt seine Spuren.

Die Schalensitze auf der Haupttribüne waren beim des Abschlusstrainings der Bayern derart verschmutzt, dass ein paar UEFA-Offizielle um die Eleganz ihrer frisch gebügelten Anzüge fürchteten und sich stattdessen grummelnd über den Dreck echauffierten.

Währenddessen gab der bayrische Dauerpatient Gas. Bastian Schweinsteiger trainierte augenscheinlich beschwerdefrei. Zwar trug er als einziger Bayern-Spieler eine lange Hose im südwestfranzösischen Frühling, doch seine Laune war bestens.

Für einen Einsatz von Beginn kommt er aber aller Voraussicht nach nicht infrage. "Bastian hat seit zwei Tagen keine Probleme mehr. Ich werde aber erst am Mittwoch entscheiden, ob ich ihn in den Kader berufe", sagte Heynckes.

Der Coach hat keine Eile, Schweinsteiger in die Mannschaft einzubauen, zumal das Defensiv-Pärchen Kroos/Gustavo in den letzten Wochen einen guten Job machte. Kroos hat derweil keine Lust auf einen erneuten Kraftakt im Rückspiel: "Wir sollten mindestens unentschieden spielen. Wir können ja nicht in jedem Rückspiel 7:0 gewinnen."

Erstes Pflichtspiel gegen Marseille

Ein Deja-vu wie in Basel soll um jeden Preis vermieden werden.

"Wir sind nicht so arrogant zu glauben, dass das ein Selbstläufer wird. Das wäre sehr gefährlich. Wir müssen versuchen, ein oder mehr Tore erzielen", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der froh war, dass der Bayern-Tross nicht ein Opfer der streikenden Fluglotsen am Münchner Flughafen wurde. "Es wäre nicht lustig gewesen, wenn die Mannschaft ein paar Stunden am Flughafen rumgehangen hätte."

Die Bayern treffen übrigens das erste Mal überhaupt in einem Pflichtspiel gegen OM. Die Bilanz gegen französische Klubmannschaften liest sich ordentlich, allerdings verloren die Münchner in zwölf Auswärtsspielen sechs Mal.

Marseille schlug in der Gruppenphase Borussia Dortmund 3:0 und 3:2 und setzte sich zuvor zwei Mal in der K.o.-Phase des UEFA-Cups gegen deutsche Mannschaften durch. Das letzte deutsche Team, dass an der Cote d'Azur gewann (1:0), war übrigens der FC Carl Zeiss Jena im Jahr 1975.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Marseille: Andrade - Azpilicueta, Fanni, Nkoulou, Morel - Diarra, Mbia - Amalfitano, Valbuena, André Ayew - Remy

Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba - Luiz Gustavo, Kroos - Robben, Müller, Ribéry - Gomez

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)

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