Nur noch eine Frage der Zeit

Von Fatih Demireli
Dienstag, 22.11.2011 | 14:30 Uhr
Arjen Robben spielte in dieser Saison erst ein Mal 90 Minuten
© Getty
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Arjen Robben ist nach langer Verletzung wieder zurück und dürfte gegen den FC Villarreal (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) in der Startelf stehen, doch so umstritten wie jetzt war der Niederländer noch nie. Das Comeback gegen Borussia Dortmund spielte den Kritikern in die Karten, doch Robben ist nach wie vor extrem wichtig. Besonders während der Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger.

Die gut 3.000 Anwesenden waren in Jubel-Laune an diesem Abend. Bei der freitäglichen Jahreshauptversammlung des FC Bayern München erntete so ziemlich jede Verkündung der Verantwortlichen Beifall und Jubel. Selbst dass die Schach-Abteilung im Blitzschach große Erfolge feierte, sorgte für Heiterkeit und Applaus beim bajuwarischen Publikum.

Was wirklich gefiel und was nur aufgrund des bloßen Fandaseins Beifall bekam, hatte man an diesem Abend nur an der Intensität des Jubels erkennen können. Als Karl-Heinz Rummenigge um kurz nach 20 Uhr verkündete, dass "Arjen Robben zurückkehrt", erreichte die Ekstase im Audi Dome seinen Höhepunkt. Vermisst hatten sie ihn, ihren Arjen beim FC Bayern.

"Das war kein kleines Spiel"

Wenige Stunden zuvor hatte Trainer Jupp Heynckes bei der Pressekonferenz darüber informiert, dass Robben beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund wieder im Kader steht und er froh sei, dass die "Leidenszeit Arjens zu Ende ist".

Sowohl Medienvertreter an der Säbener Straße als auch später die Bayern-Mitglieder beim Münchener Zusammenkommen waren sich aber sehr sicher, dass Robben zunächst nur auf der Bank sitzen wird. Der 26-Jährige hätte womöglich selbst Verständnis dafür gehabt, zunächst den Joker zu mimen: "Das war kein kleines Spiel, um wieder anzufangen. Das merkt man natürlich. Das waren 70 Minuten auf hohem Niveau, das ist etwas ganz anderes als Training."

Sieben Wochen war Robben ausgefallen. Eine Schambeinverletzung und eine in der Folge notwendige Leistenoperation setzten den Niederländer außer Gefecht und in dessen Abwesenheit spielte der FC Bayern Fußball der Extraklasse, so dass viele schon darüber debattierten, ob man Robben überhaupt noch für das Wohl des FC Bayern brauche.

Braucht Bayern Robben?

Auch dass sich die Führungsriege sehr offensiv um Marco Reus und Mario Götze bemüht, konnte bei Bedarf langfristig als künftige Umstrukturierungsmaßnahme in der Offensiv-Abteilung des Rekordmeisters interpretiert werden. Braucht der FC Bayern also Robben tatsächlich nicht mehr?

Heynckes widersprach vor dem Dortmund-Spiel vehement: "Er ist eine große Bereicherung für uns." Und beorderte zur Überraschung aller die Nummer 10 in die Startelf. Gegen den BVB machte Robben aber eine Ausnahme: er versuchte viel, bereicherte den FC Bayern aber spielerisch nur bedingt.

45 Ballkontakte waren unterer Durchschnitt, eine einzige Torschussbeteilung mager, die meisten seiner 16 Sprints - immerhin Top-Wert auf dem Platz - endeten bei Marcel Schmelzer, der Robben - teils an der Grenze zur Legalität - ordentlich bearbeitete und zum heimlichen BVB-Helden aufstieg.

Mit jeder Minute fiel Robben ab oder manchmal auch zu früh hin, aber Wunderdinge eines Spielers, der knapp zwei Monate fehlte und sein Comeback gegen den bisher schwersten Bayern-Gegner der Saison gab, hätte man kaum erwarten dürfen. Auch wenn Robben für gewöhnlich nach Verletzungen wenig Anlaufzeit benötigt.

Vermisst in den Niederlanden

Während die meisten Bayern-Profis am Samstagabend lieber schwiegen, war Robben hier und da sogar für ein Lächeln zu haben. Sichtlich froh war er über sein Comeback: "Es war gut. Ich habe 70 Minuten gespielt und hatte keine Probleme. Es war gut, wieder auf dem Platz zu stehen."

Die Freude beim Angreifer kommt nicht von ungefähr. "Das war die schlimmste Verletzung in meinem Leben. Man kann sie nicht einschätzen, hat Schmerzen, und die Heilung ist schwer. So etwas habe ich trotz einiger Verletzungen noch nie erlebt", sagte Robben zuletzt.

Die Verletzungsanfälligkeit ist das große Robben-Problem. Bayern-Legende Mehmet Scholl begründete erst kürzlich die Häufigkeit mit dem impulsiven und womöglich strapazierenden Antritt Robbens. Ist er gesund, ist er gefürchtet und eigentlich unersetzlich. Selbst in den Niederlanden wird er trotz Superstars wie Wesley Sneijder oder Rafael van der Vaart schmerzlich vermisst. So auch bei Bayern.

So wie das Dortmund-Spiel verlaufen ist, könnten sich viele in der Robben-Debatte aber bestätigt fühlen. Die harmonierende Dreier-Offensive, bestehend aus Franck Ribery, Toni Kroos und Thomas Müller wurde gesprengt, weil Kroos auf die Position von Bastian Schweinsteiger zurückbeordert wurde und Müller auf seine Lieblingsposition hinter der Spitze eingerückt war. Robben hatte wieder seine rechte Seite, aber die Bayern-Offensive war nie im Einklang und der Zauber war dahin.

Heynckes setzt auf Robben

Das lag zum einen an Dortmund, das Räume geschickt zumachte und eine harte Gangart an den Tag legte. Das lag aber auch an Kroos und Müller, die nicht ihren besten Tag erwischten. Insbesondere Letzterer hat sich in den letzten Wochen doch allmählich zum Problemkind entwickelt, weil er erneut - trotz aller Bemühungen - glücklos blieb. Es lag aber auch daran, dass Bastian Schweinsteiger fehlte: Ohne die ordnende Hand taten sich die Bayern schon beim Tabellenletzten FC Augsburg schwer.

"Gerade in der Abwesenheit von Bastian ist die Rückkehr von Arjen sehr erfreulich", sagt Heynckes. Zwar sind Schweinsteiger und Robben in ihrer Spielanlage und Position unterschiedlich, aber aufgrund ihrer Präsenz sehr wichtige Elemente im Spiel des FC Bayern. Auch wenn Robben gegen Dortmund spielerisch nicht vollends überzeugte, waren seine Impulsivität und seine Strahlkraft sofort wieder da. "Normalerweise fängt man von der Bank an und kann langsam in den Rhythmus kommen", so Robben. Aber langsam kennt er nicht. Das schätzen auch seine Vorgesetzten.

"Arjen ist ein super Spieler mit Weltklasse-Format. Er kann Spiele mit einer Aktion entscheiden", sagt Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in der "Welt" und belegt die Wichtigkeit: "Wer behauptet, dass wir ihn nicht mehr brauchen, scheint vergesslich zu sein. Ohne ihn wären wir im Achtelfinale der Champions League vor zwei Jahren in Florenz ausgeschieden, ohne ihn wären wir im Viertelfinale gegen Manchester ausgeschieden. Wir sind glücklich, dass er bei uns ist."

Gomez: "Gut für uns, schlecht für den Gegner"

Rummenigge weiter: "Von Spielern, die den Unterschied ausmachen können, gibt es nicht so viele." Selbst Mario Gomez, der möglicherweise einen Müller aufgrund seiner Spielanlage mehr schätzen müsste als den oft eigensinnigen Robben, spricht sich für den Niederländer aus: "Da haben wir eine Waffe in der Hinterhand. Das ist gut für uns und schlecht für den Gegner."

Auch Heynckes weiß das und wird trotz des misslungenen ersten Versuchs, Robben wieder in die bayerische Gesellschaft einzugliedern, auf seinen Antreiber setzen. Auch weil Robben diese Einsätze einfordert: "Ich brauche den Rhythmus, ich brauche Spiele, um fit zu werden und auf mein Niveau zu kommen."

Dann ist es womöglich nur noch eine Frage der Zeit, bis Robben wieder unumstritten ist.

Der Kader des FC Bayern München

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