Ballack und der Traum vom Happy End

SID
Dienstag, 13.09.2011 | 11:39 Uhr
Michael Ballack hofft auf einen Einsatz gegen seinen Ex-Klub FC Chelsea
© Getty
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Die Karriere von Michael Ballack schien auf unwürdige Art und Weise so gut wie beendet. Nun schöpft der 98-malige Nationalspieler zumindest wieder Hoffnung auf ein Happy End.

Michael Ballack hat seine Sprache wiedergefunden. Mit einem aufgeräumten und sympathischen Auftritt hat sich der langjährige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Champions-League-Spiel mit Bayer Leverkusen bei seinem Ex-Klub FC Chelsea aus dem Schmollwinkel zurückgemeldet.

Mit Blick auf die jüngere Vergangenheit präsentierte sich der ehemalige Capitano der Presse ungewohnt gelöst und trug die neue Hoffnung auf ein Happy End seiner großen, aber unvollendeten Karriere zur Schau.

"Ich freue mich, in meinem letzten Jahr in Leverkusen, Spaß zu haben und nicht mehr so im Fokus zu stehen", sagte der 34-Jährige, als er im Hotel Melia White House in London sein wochenlanges Schweigen brach. Ob das "letzte Jahr" wörtlich zu meinen war und die Karriere Ballacks mit Ablauf des Vertrages im nächsten Sommer definitiv beendet sein wird, ist offen.

Ballack will spielen

Der Rest der Botschaft ist eindeutig: Ballack will sich in den nächsten - vielleicht letzten - acht Monaten seiner Laufbahn nicht mehr in Konfrontationen oder Machtkämpfen aufreiben. Auch die Öffentlichkeit, die zuletzt sein Privatleben sezierte, soll für ihn nicht mehr der Gradmesser sein. Ballack will einfach nur spielen.

Die letzten 16 Monate haben den oft verbissen wirkenden Weltstar offenbar geerdet. Die vielen verlorenen großen Endspiele - bei der WM 2002, der EM 2008 sowie zweimal in der Champions League - schienen vergleichsweise harmlos gegen das, was ihm seit Mai 2010 widerfuhr.

Von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale übel gefoult, verpasste er die WM, wurde danach im Kreise der Nationalelf wie eine Persona non grata behandelt und anschließend im Schlingerkurs endgültig herauskomplimentiert.

Als er in Leverkusen drei der ersten vier Bundesligaspiele komplett auf der Bank verbracht und Sportchef Rudi Völler kurz vor Transferschluss plötzlich Gesprächsbereitschaft über einen Wechsel signalisiert hatte, schien die Karriere des besten deutschen Fußballers der letzten zehn Jahre endgültig auf ein trauriges Ende zuzusteuern.

Kleinkrieg mit Löw

Nachdem er sich, persönlich gekränkt und ratlos, noch in einem öffentlichen Kleinkrieg mit Bundestrainer Joachim Löw verzettelt hatte, zog Ballack erst einmal den Stecker. Nun, so beteuert er, habe er sein Aus in der Nationalelf verdaut, sportlich nachvollziehbar sei sie ohnehin gewesen: "Um Gottes Willen, man kommt in ein gewisses Alter."

Sollte sie einen nachhaltigen Effekt haben, könnte Ballack die neue Gelassenheit gar helfen. Offenbar stets getriebenen vom selbstauferlegten Druck, der große Leader sein zu müssen, hatte er sich vor allem in der Nationalelf in den vergangenen Jahren häufig mit Streitereien aufgerieben.

Unvergessen die Szenen nach dem EM-Finale 2008, als er Manager Oliver Bierhoff auf dem Platz energisch beschimpfte, oder vom Spiel in Wales, als er Lukas Podolski auf dem Platz die Leviten las und sich prompt eine Backpfeife einfing.

Bei Chelsea nie im Mittelpunkt

Dass die alte Heimat London zum Ort des geplanten Aufbruchs wurde, könnte durchaus eine tiefere Bedeutung haben. Ballack sei ein guter Spieler gewesen, aber keine Chelsea-Legende sagen sie hier. Im Mittelpunkt des Interesses hatten stets andere Stars gestanden. Ein Frank Lampard, ein John Terry, ein Didier Drogba.

Nachgetrauert haben sie Ballack nicht sonderlich seit seinem Abschied im vergangenen Sommer. In den britischen Medien spielte er seitdem nahezu keine Rolle mehr.

Seinen Weg in Leverkusen haben sie nicht verfolgt, allenfalls die Ausbootung aus dem Nationalteam war eine Notiz wert. Aber sie haben sich gefreut, ihn wiederzusehen und sogar einen nachträglichen Abschied vorbereitet.

Ohne Druck agieren

Ohne großen persönlichen Druck agieren zu können, nicht vergöttert, aber geschätzt und geachtet zu werden - diese Eindrücke aus der Zeit in Chelsea scheint Ballack zu vermissen.

Nicht umsonst sagte er vor dem Champions-League-Spiel mit Bayer bei seinem Ex-Klub: "Ich wurde hier immer gut behandelt und fühle mich immer noch willkommen."

Doch vielleicht ist dies auch das Rezept für einen würdiges Ende seiner verdienten Karriere. Ohne überhöhte Erwartungen seine Erfahrung einbringen und einfach Spaß am Fußball haben. So könnte es noch was werden mit dem Happy End der Karriere von Michael Ballack.

Champions-League-Gruppe E im Überblick

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