Der Rangnick-Code mit vier Variablen

Von Für SPOX in Manchester: Haruka Gruber
Mittwoch, 04.05.2011 | 12:29 Uhr
Sergio Escudero (hier gegen Antonio Valencia) wurde im Hinspiel lediglich eingewechselt
© Imago
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Manchester United warnt vor Selbstgefälligkeit und belässt im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) die Besten dennoch auf der Bank. Die Chance für den FC Schalke 04? Trainer Ralf Rangnick steht vor kniffligen Entscheidungen.

Sir Alex Ferguson stand kurz davor, allzu weit vom eigentlichen Thema abzudriften. "In der modernen Zeit", dozierte der Trainer von Manchester United, "in der modernen Zeit ist es sehr einfach, selbstgefällig zu werden. Es gibt sehr viele Beispiel, die das beweisen".

Bevor er jedoch seine Gesellschaftskritik weiter ausführte, besann er sich auf das Wesentliche, nämlich das Rückspiel des Champions-League-Halbfinals gegen den FC Schalke 04. Obwohl das erste Aufeinandertreffen 2:0 ausging, würde United das Wiedersehen nicht als "Formalität" ansehen.

"Es ist immer gefährlich im Fußball zu glauben, dass man die gefährlichste Waffe gebaut oder den geheimen Erfolgscode entschlüsselt hat", wie es Ferguson ausdrückte. Dabei war er es selbst, der mit seiner Ankündigung, Wayne Rooney, Javi Hernandez und Ryan Giggs wegen des anstehenden Spitzenspiels gegen Chelsea schonen zu wollen, den Verdacht der Sorglosigkeit erst nährte.

Denn fraglich bleibt, ob United ohne seine beiden Stürmer und dem gleichsam herausragenden Giggs im Mittelfeld-Zentrum erneut so durchschlagskräftig ist. Zumal bei Schalke der von Trainer Ralf Rangnick zum Abwehrchef emporgehobene Benedikt Höwedes einsatzfähig ist: "Ich hoffe, dass ich der Mannschaft den Kick gegen kann, dass wir das Spiel gewinnen." Außerdem wird wohl auch Klaas-Jan Hunterlaar nach zweimonatiger Pause in den Kader berufen. Für einen Kurzeinsatz sei er eine Option, sagte Rangnick.

Trotz der verhalten optimistischen Neuigkeiten stehen Rangnick einige knifflige Entscheidungen bevor, um nach drei Niederlagen in Serie die Wende zum Guten zu bewirken.

Die Raphael Honigstein Kolumne: Ferguson - im Gehirn eines Verrückten

Variable 1: Sergio Escudero oder Hans Sarpei

In den Duellen gegen Inter erstaunte Sarpei noch als Gebieter des womöglich besten Rechtsverteidigers der Welt, Maicon. Seitdem befindet er sich jedoch in einem unergründlichen Formtief, beim Hinspiel gegen ManUnited wie auch beim FC Bayern fielen die Gegner bevorzugt über seine linke Abwehrseite ein.

Entsprechend sorgsam betrachtet Rangnick Sarpeis Abwärtsentwicklung und wägt ab, Stellvertreter Escudero eine Gelegenheit zu geben. Der 21-Jährige verspricht mehr Dynamik und präzisere Flanken, andererseits sind die Zweikampfführung und das taktische Verständnis verbesserungswürdig. "Diese Entscheidung gehört zu denen, die ich wahrscheinlich kurzfristig treffen werde", sagte Rangnick.

Beim abschließenden Trainingsspiel zwischen der vermeintlichen Stammformation und der Reserve durfte Sarpei in der ersten Halbzeit in der A-Elf auflaufen, Escudero dann im zweiten Abschnitt.

Marc Wilmots im SPOX-Interview: "Papadopoulos der würdige Nachfolger

Variable 2: Kyriakos Papadopoulos oder Joel Matip

Sollte sich wie erwartet Höwedes bereit melden, muss wohl einer der beiden 19-Jährigen seinen Platz räumen. Wenn Rangnick zur flachen 4-4-2 zurückkehrt, wird die Innenverteidigung von Höwedes und Christoph Metzelder formiert, entsprechend bleibt nur die Planstelle neben Peer Kluge in der Doppel-Sechs offen.

Für Papadopoulos spricht seine aggressive Spielweise, gegen ihn kann man aber Mängel im Kurzpassspiel sowie die fehlende Systemsicherheit anführen. Beide eint die Kopfballstärke, Matip jedoch vertritt einen gänzlich anderen Typus: bedachter, ruhiger, teilst wirkt seine Spielweise aber auch zu schläfrig und zu wenig wachsam.

Die Wahl zwischen den beiden wird ein Hinweis darauf sein, welche grundsätzliche Ausrichtung Rangnick seiner Mannschaft mitgibt. Mit Härte und Wucht United Einhalt gebieten (Papadopoulos) oder mit Besonnenheit ins Spiel finden (Matip).

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Variable 3: Jurado oder Alexander Baumjohann

Noch immer weiß die Öffentlichkeit nicht, in welche Schublade denn Baumjohann einzusortieren ist. Überbewertetes Spielkind mit Defensivallergie - oder ein sich zum kompletten Offensivspieler wandelnder Spieler, der seiner fußballerischen Pubertät entwachsen ist.

Ein Fakt: Baumjohanns Leistung im Hinspiel war nicht so desaströs wie von den meisten aufgenommen. Er setzte bei Ballverlust durchaus nach und versuchte sich zumindest als Organisator, bis ihm die Kräfte und damit auch die Passsicherheit verließen.

Jurados Wirken hingegen wird seit den Inter-Spielen deutlich positiver bewertet, dabei wusste er zuletzt wie alle anderen nicht zu überzeugen. Auffällig, dass sein Bemühen im Spiel gegen den Ball nicht mehr so ausgeprägt ist wie noch vor zwei Wochen.

Im abschließenden Testspiel wurden beide in der A-Elf aufgeboten, Jurado gemeinsam mit Papadopoulos in der Doppel-Sechs, Baumjohann links. Gegen United beginnen wird aber wohl nur einer von ihnen.

Variable 4: Edu oder weiterer Mittelfeldspieler

Mit seiner Kampfkraft und dem nimmer müden Laufwillen hat sich Edu trotz fußballerischer Schwächen fast unverzichtbar für Schalke gemacht.

Gegen United hatte er aber keinerlei Einfluss, weil Manchesters Innenverteidiger Nemanja Vidic körperlich noch robuster und dazu raffinierter spielt, so dass Edu nur in Ausnahmen einen Ball verarbeiten, geschweige denn abprallen lassen konnte.

Die Folge war, dass Raul sich vom gegnerischen Strafraum entfernen und ins Mittelfeld zurückziehen musste, um überhaupt in das Spiel eingebunden zu werden. Demzufolge ungefährlich blieb der Spanier.

Das wird auch Rangnick beobachtet haben und wenigstens theoretisch darüber nachdenken, ob nicht ein gut balanciertes Fünfer-Mittelfeld mit zwei Defensiven (Kluge/Papdopolus oder Matip) und drei Offensiven (Farfan, Jurado, Baumjohann) plus Raul als einzige Spitze nicht vielleicht erfolgsversprechender ist als das etwas durchsichtige 4-4-2.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Manchester: Van der Sar - Fabio, Ferdinand, Vidic, Evra - Valencia, Carrick, Scholes, Park - Berbatow, Owen

Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes, Metzelder, Sarpei (Escudero) - Farfan, Kluge, Papadopoulos (Matip), Jurado (Baumjohann) - Raul, Edu

Das Halbfinale der Champions League im Überblick

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