Die One-Hit-Wonder der Champions League

Das letzte große Hurra

Von SPOX
Dienstag, 03.05.2011 | 18:22 Uhr
Glorreiche Vergangenheit: Leeds' Viduka bejubelt ein Tor gegen Real Madrid
© Getty
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Der FC Schalke 04 hat es sensationell bis ins Halbfinale der Champions League geschafft. Vermutlich kommt er darüber nicht hinaus, doch ist der Erfolg bemerkenswert. Trotz guter finanzieller Perspektiven ist die Wahrscheinlichkeit aber nicht gering, dass dies für geraume Zeit der größte internationale Erfolg der Königsblauen bleiben könnte. Dafür gab es in der Vergangenheit einige Beispiele.

Die Champions League hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zur geschlossenen Gesellschaft entwickelt. Seit der Saison 2000/2001 gingen 34 von 44 Halbfinalplätzen an nur acht Klubs aus der englischen, spanischen beziehungsweise italienischen Liga.

Jeder Pennäler könnte sie aufzählen, denn er kennt es gar nicht anders: Manchester, Chelsea, Arsenal, Liverpool, Barcelona, Madrid, Inter und AC Milan. Aus diesem Kreis stammen auch acht der letzten zehn Sieger und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird auch der Champion 2011 daraus hervorgehen.

Ein Titelträger aus Serbien, Rumänien oder Schottland ist längst undenkbar geworden, selbst ein Traditionsklub wie der vierfache Champion Ajax Amsterdam ist längst nur noch Zaungast.

Kleines Fußballwunder durch Porto

Der Titelgewinn des FC Porto 2004 darf getrost unter "kleines Fußballwunder" abgeheftet werden, und selbst Schwergewichte wie der FC Bayern oder Juventus Turin müssen um die Zugehörigkeit zur A-Riege in Europa Jahr für Jahr erbittert kämpfen.

Die Luft ist dünn geworden. Und dennoch gibt es immer wieder Überraschungen, wie eben Schalke in der laufenden Spielzeit. Bleibt zu hoffen, dass die Königsblauen kein One-Hit-Wonder sind, wie die nun folgenden Klubs.

Leeds United (Halbfinale 2001): Die große Wiedergeburt von Leeds United, das seine besten Jahre bis dahin in den späten 1960er und der ersten Hälfte der 70er Jahre erlebt hatte, begann 1998 mit der Verpflichtung von David O'Leary als Manager, auch wenn die Weißen 1992 die englische Meisterschaft gewonnen hatten.

Doch erst mit O'Leary und dessen kluger Einkaufspolitik (Mark Viduka, Olivier Dacourt, später Rio Ferdinand) sowie dem schier unerschöpflichen Zustrom großer Talente aus der eigenen Jugend (Ian Harte, Alan Smith, Harry Kewell, etc.) gelang ein nachhaltigerer Durchbruch.

2000/2001 "überlebte" Leeds zunächst die Hammergruppe mit Milan und Barcelona und kam als Zweiter weiter.

In der zweiten Phase mussten sich die Whites nur Real Madrid beugen und zogen ins Viertelfinale ein, wo sie gegen Deportivo La Coruna an der Elland Road ein überragendes 3:0 herausschossen. Der Vorsprung reichte. Valencia war dann in der Vorschlussrunde aber eine Nummer zu groß. Es war das letzte große Hurra der Whites bis heute.

Mit der verpassten CL-Qualifikation im folgenden Jahr begann der Niedergang und es zeigte sich, dass der Klub weit über seine Verhältnisse gelebt hatte. Der sukzessive Ausverkauf begann mit Rio Ferdinand und dessen 46-Millionen-Euro-Transfer zu Manchester United. Im Herbst 2004 war man letztlich so abgebrannt, dass das Traininsgelände und das Stadion an der Elland Road verscherbelt werden mussten.

Kurz zuvor war Leeds aus der Premier League abgestiegen. Drei Jahre später ging es noch eine Etage tiefer. Aktuell ist die Tendenz wieder steigend. Nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer in die Championship spielte Leeds eine starke Saison, wird die Playoffs um den dritten Aufstiegsrang aber mit ziemlicher Sicherheit verpassen.

Bayer Leverkusen (Finale 2002): Mit Heimsiegen über den FC Barcelona und Fenerbahce sowie Auswärtserfolgen in Lyon und Istanbul nahm Bayer die erste Gruppenphase. Die zweite beendete das Team von Klaus Toppmöller trotz deftiger Niederlagen gegen Juventus und Arsenal (0:4, 1:4) sogar als Erster vor Deportivo La Coruna.

Der FC Liverpool und Manchester United waren die nächsten "Opfer" von Ballack, Lucio, Berbatow und Co. Vier Tage nach einer bitteren 2:4-Schlappe gegen Schalke 04 im DFB-Pokalfinale und rund zweieinhalb Wochen nach der in Nürnberg am vorletzten Spieltag vergeigten deutschen Meisterschaft hieß der Gegner in Glasgow am 15. Mai 2002 Real Madrid.

Die Geschichte ist nur zu gut bekannt: Bayer verlor - wie sollte es auch anders sein - höchst unglücklich mit 1:2, weil Zinedine Zidane ein Traumtor gelang und ein gewisser Iker Casillas, eingewechselt wegen der Verletzung von Real-Stammkeeper Cesar Sanchez, in der Schlussphase eine sensationelle Parade nach der anderen zeigte.

Keine Frage, Leverkusen hat sich auch ohne nationalen Titel längst als eine der ersten Adressen in Deutschland etabliert und ist ein wirtschaftlich wie sportlich bestens aufgestellter Verein. Doch war die Saison 2001/2002 eine absolute Ausnahme. Auf europäischer Bühne kam man nie wieder auch nur annähernd an die Leistungen von damals heran.

Deportivo La Coruna (Halbfinale 2004): Depor trug sich in der Saison 2003/2004 gleich zweimal mit Leuchtstift in die Annalen des Europacups ein. Zum einen war da das fürchterliche 3:8 in der Gruppenphase in Monaco, das torreichste Spiel der Champions-League-Geschichte.

Doch die Galizier zogen dennoch in die K.o.-Runde ein und qualifizierten sich mit zwei Siegen über Juventus fürs Viertelfinale. Dort hieß der Gegner AC Milan und nach einem 1:4 im Hinspiel in San Siro musste schon ein Wunder her, um das drohende Aus gegen den Titelverteidiger noch abzuwenden. Walter Pandiani hatte vor dem Spiel die Marschroute ausgegeben: "Wir müssen spielen wie die Verrückten. Vom Anpfiff weg." Und der Uruguayer, Nachfolger von Roy Makaay als Sturmführer bei Depor, ging mit gutem Beispiel voran und sorgte schon nach fünf Minuten für die Führung der Hausherren.

Bis zur Pause hatten die Spanier durch Treffer von Valeron und Luque das Hinspielergebnis wettgemacht und Milan in Zugzwang gebracht. Doch die Italiener bekamen im Riazor kein Bein mehr auf den Boden. Der eingewechselte Fran besorgte den 4:0-Endstand und machte das spektakulärste Comeback der jüngeren Europacup-Geschichte perfekt. Doch damit war der Weg von Trainer Javier Irureta und seinen Mannen zu Ende.

Die 180 Minuten im Halbfinale gegen Jose Mourinhos FC Porto wurden durch einen einzigen Treffer, einen Elfmeter im Rückspiel in La Coruna, entschieden.

Die Erfolge Depors waren ganz eng an den Namen Irureta geknüpft. Unter dem früheren Atletico-Star wurden die Branquiazuis 2000 Meister und 2002 Pokalsieger. Dazu kamen zwei zweite und zwei dritte Plätze. 2005 dankte der Erfolgscoach nach acht Jahren ab. Depor war nur Achter geworden und verpasste erstmals seit 2001 die Champions League. An die Erfolge unter Irureta konnte der Klub seither nicht mehr anknüpfen.

AS Monaco (Finale 2004): Die Monegassen machten in mehreren Etappen von sich reden. Ab Ende der 1980er Jahre etwa, als ein junger Trainer namens Arsene Wenger dort übernahm und der Reihe nach Weltstars wie George Weah, Jürgen Klinsmann, Youri Djorkaeff und Glenn Hoddle anlockte. Oder in den 90er Jahren, als Spieler wie Lilian Thuram, Emmanuel Petit, David Trezeguet und Thierry Henry dort die Grundlagen für ihre späteren Weltkarrieren legten.

Den größten und erstaunlichsten Erfolg aber errang der Klub aus dem Fürstentum 2004, als die große Zeit längst vorbei war und der Pleitegeier nicht selten über dem Stade Louis II kreiste.

Die CL-Kampagne liest sich denn auch wie ein Märchen: In der Gruppenphase schrieben die Monegassen mit einem 8:3-Heimsieg gegen Deportivo La Coruna Geschichte. Im Achtelfinale quälte man sich gegen Lokomotive Moskau weiter (1:2, 1:0), ehe die Fußball-Wunder gegen Real Madrid (2:4, 3:1) und den FC Chelsea (3:1, 2:2) folgten.

Die Helden hießen damals Fernando Morientes, Dado Prso und Ludovic Giuly, die zusammen auf 20 Tore kamen. Nachher freilich, nach dem ernüchternden 0:3 im Finale gegen Jose Mourinhos gnadenlos effizienten FC Porto, zerstreuten sie sich in alle Winde.

Morientes kehrte zurück nach Madrid, Prso ging nach Glasgow zu den Rangers, Giuly nach Barcelona, Jerome Rothen und Eduard Cisse nach Paris. Erfolgscoach Didier Deschamps blieb noch eine Saison, die mit Platz drei in der Liga durchaus erfolgreich war. Ab 2005 stürzte der Klub ins nationale Mittelmaß. Aktuell kämpft man gegen den Abstieg aus der Ligue 1.

PSV Eindhoven (Halbfinale 2005): 1988 war das große Jahre des niederländischen Fußballs. Die Nationalmannschaft wurde in Deutschland Europameister und Eindhoven gewann unter Trainer Guus Hiddink den Cup der Landesmeister gegen Benfica Lissabon. Der PSV sicherte sich gleichzeitig die Meisterschaft und den Pokal. National blieb der Philips-Klub auch nach Hiddink (1987-1990) eine feste Größe, wenngleich zwischen 1992 und 1997 trotz der Firepower von Ronaldo oder Luc Nilis kein Meistertitel heraussprang.

International aber war man nur noch zweitklassig. Der PSV war kein Player mehr, sondern nur noch ein Karrieresprungbrett. Von Eindhoven aus starteten Spieler wie Ronald Koeman, Romario, Ronaldo, Ruud van Nistelrooy oder später auch Arjen Robben ihre Weltkarrieren. Dass der PSV noch einmal ganz weit in der Champions League kommen und um ein Haar sogar ins Finale einziehen sollte, war nicht anzunehmen, doch dann kam Hiddink zurück.

Unter dem ehemaligen Erfolgscoach schaffte der PSV 2004/2005 erstmals den Einzug in die K.o-Runde der Champions League. Dort schaltete man zunächst Vorjahresfinalist Monaco mit zwei Siegen aus und anschließend im Elfmeterschießen Olympique Lyon, das sich nach einer überragenden Vorrunde und zwei bemerkenswerten Siegen gegen Werder Bremen (3:0 und 7:2) die Rolle eines Geheimtipps erspielt hatte.

Im Halbfinale war der Gegner kein Geringerer als der AC Milan. Eindhoven zeigte in San Siro eine großartige Leistung, verlor aber unglücklich mit 0:2. Der spätere Schalker Jefferson Farfan hatte gleich zweimal die Führung auf dem Fuß, auch Mark van Bommel, heute selbst bei Milan, und Ji-Sung Park (ManUtd) hätten treffen können.

Doch der PSV gab sich noch nicht geschlagen. In einem grandiosen Rückspiel führten die Niederländer durch Treffer von Park und Philip Cocu mit 2:0, als sie Massimo Ambrosini mit seinem Tor in der Nachspielzeit aus allen Träumen riss. Cocu erzielte zwar postwendend das 3:1, doch Milan zog aufgrund des einen Auswärtstors ins Endspiel ein.

Danach kam der große Umbruch: Unter anderem wechselten van Bommel, Park und Wilfried Bouma zu anderen Klubs. Der PSV schaffte es 2006 dennoch ins Achtel- und 2007 ins Viertelfinale. 2008 und 2009 war in der Vorrunde Endstation, 2010 und 2011 war man nicht mal qualifiziert.

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