Poker um Manuel Neuer spitzt sich zu

Gestatten, der beste Torwart der Welt

Von Für SPOX auf Schalke: Haruka Gruber
Mittwoch, 27.04.2011 | 10:41 Uhr
Die Wut des Torwarts: Manuel Neuer ärgert sich über das 0:2 von ManUnited
© Imago
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Wie wird der 26. April 2011 und Schalkes 0:2 im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals gegen Manchester United in die Fußball-Geschichte eingehen? Womöglich als der Beginn der Ära Manuel Neuer? Alex Ferguson verneigt sich vor dem Torwart und heizt Gerüchte an. Horst Heldt und Clemens Tönnies suchen die Konfrontation mit den Bayern.

Wer bei den journalistischen Wegbegleitern von Alex Ferguson nachfragt, wie dieser denn zu charakterisieren sei, bekommt eine Bandbreite aller möglichen Antworten. Er ist autoritär und cholerisch, zur gleichen Zeit aber soll er auch kumpelhaft und bisweilen sogar charmant sein.

In einem besteht jedoch Einvernehmen: Manchester Uniteds Trainer sieht sich als Vertreter konservativer Werte und möchte so wenig wie möglich zum Star-Kult der Moderne und der Überhöhung eines Fußballers beitragen.

Entsprechend bemerkenswert waren die Worte, die Ferguson wählte, als er nach dem 2:0 seines Vereins im Halbfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Schalke 04 auf den gegnerischen Torhüter angesprochen wurde.

"Das war wahrscheinlich die beste Leistung, die ich jemals von einem Torhüter in einem Spiel gegen meine Mannschaft gesehen habe", sagte Ferguson. Jener Ferguson, der sich seit über 30 Jahren mit den besten Teams der Welt misst und 46 Titel gewann. "Manuel Neuer ist unglaublich, fantastisch."

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Edwin van der Sar adelt Neuer

Die Karriere eines wahrhaft großen Fußballers lässt sich in der Rückblende auf wenige Augenblicke verdichten. "Defining Moments", nennen das die Amerikaner. Für Neuer könnte das Erlebte am Abend des 26. April 2011 solcherart prägend gewesen sein.

Deutschland erfreut sich seit der WM im vergangenen Sommer darüber, den weltbesten Keeper in den Reihen zu wissen, nur diese Kunde wurde im restlichen Europa kaum wahrgenommen, weil Neuer schlichtweg zu unbekannt war. Von ihm habe man zwar Gutes gehört, aber die Nummer eins? In der Welt? Mit 25 Jahren?

Mit der Vorstellung gegen Manchester United jedoch machte er Ferguson und den Millionen von TV-Zuschauern in aller Welt erstmals begreiflich, über welches Format er verfügt. "Er ist absolute Weltklasse", sagte sein Gegenüber Edwin van der Sar. Ebenfalls niemand, der für Superlative bekannt ist.

Kluge: "Manuel hat brutal stark gespielt"

Die Partie in Gelsenkirchen war ein einseitiges Schauspiel. Manchester hatte mehr Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Qualität - und vor allem ein deutliches Mehr an Großchancen. Je nach Lesart erspielte sich der Premier-League-Spitzenreiter bereits in der ersten Halbzeit fünf bis sieben Gelegenheiten, die allesamt zu Toren hätten führen können aber Neuer zunichte machte.

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Wayne Rooneys Schlenzer, Ji-Sung Parks Vollspannschuss, Javi Hernandez und Ryan Giggs im Eins-gegen-eins, der Sieger hieß jeweils Neuer. "In dieser Partie hat die gesamte Fußball-Welt gesehen, wer der stärkste Torwart auf dem Planeten ist", sagte der sonst so reservierte Mitspieler Peer Kluge.

"Wenn wir Manuel nicht gehabt hätten, wäre es noch viel schlimmer gelaufen. Er hat brutal stark gespielt und uns damit über weite Strecken im Spiel gehalten."

Manuel Neuer zeigt Komplettpaket seines Könnens

Bestechend auch Neuers Sicherheit bei Flanken und die unerreichte Präzision bei Abwürfen über 50, 60 Meter, mit der er Schalkes vorhersehbares Offensivspiel etwas unberechenbarer machte. Er war es auch, der als Kapitän voranging und nach dem Doppelschlag zum 0:2 zumindest versuchte, die Mitspieler lautstark aus der Lethargie zu reißen.

Ein vergebliches Unterfangen, das jedoch verdeutlichte, dass Neuer nicht mehr das brave Bürschchen aus der eigenen Jugend, sondern als Mann und Fußballer gereift ist.

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Neuer: "ManUnited nie eine Option"

Neuer selbst wollte sich nicht allzu lange über seine Leistung äußern. Dennoch kam er seiner Pflicht als Spielführer nach, stellte sich den Interview-Fragen - und verkündete etwas überraschend, dass ihm Fergusons Lob zwar ehre, ein Wechsel zum angeblich interessierten ManUnited aber "nie eine Option" gewesen sei. "Es gab nie ein Angebot."

Ferguson dementierte bereits am Montag ein Werben um den Schalker. Dies jedoch mit der gleichen Zweideutigkeit wie kurz nach dem Spiel, als er wie folgt die Frage beantwortete, ob Neuer zu Manchester wechseln könnte: "Ich glaube, dass er woanders hingeht."

Das Woanders liegt in München und hört auf den Namen FC Bayern, der in Person von Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Christian Nerlinger den Eindruck erweckte, dass Neuers Verpflichtung ein Jahr vor dem Ablauf seines Vertrags eine Formalität sei und nur noch die Ablöse verhandelt werden müsse.

Schalke auf Konfrontationskurs mit Bayern

Schalke aber mag sich offenbar nicht mit dem vorzeitigen Weggang des wichtigsten Spielers abfinden und sucht die Konfrontation mit dem Rekordmeister. Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies unterstellt seinem engen Freund Hoeneß unlautere Absichten:

"Mit sportlicher Fairness hat das wenig zu tun, so etwas hat ein FC Bayern nicht nötig. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es diese Störfeuer aus München immer wieder vor wichtigen Spielen gibt", so Tönnies in der "Sport-Bild". "Wir stehen vor den sportlich wichtigsten Begegnungen seit Jahren und ausgerechnet dann kommt der liebe Uli so um die Ecke."

Uli Hoeneß: "Keine Mondpreise" für Neuer

Sport-Vorstand Horst Heldt wiederum erklärte, dass man durch die Erfolge in der Königsklasse und den verbundenen Mehreinnahmen nicht zum Verkauf gezwungen sei.

Spiegelt Schalkes Strategie das neue Selbstverständnis als stolzer Champions-League-Halbfinalist wieder? Oder sind die Äußerungen nur ein Mittel, um die Bayern zu einer höheren Ablöse als die gehandelten 18 bis 20 Millionen Euro zu bewegen?

Welche Rolle spielt United?

Zumindest kommt es Heldt nicht ungelegen, mit welcher Inbrunst Ferguson von seinem Torwart schwärmte - und dass United noch immer keinen Nachfolger für den im Sommer scheidenden van der Sar gefunden hat.

Angeblich fehlten bei Atletico Madrids David de Gea nur noch die Klärung einiger Details zur Unterschrift, doch der Wechsel zieht sich seit Wochen. Der bereits verpflichtete Anders Lindegaard ist nur als Reservekeeper vorgesehen.

"Fergie kennt mich nicht"

"Ich glaube nicht, dass Ferguson mich überhaupt kennt und weiß, welche Funktion ich auf Schalke habe", kokettierte Heldt auf die Frage hin, ob Manchester Kontakt gesucht habe.

Vielmehr beschäftige er sich mit der Möglichkeit, Neuer nicht zu verkaufen. "Man sitzt gegen Manchester auf der Tribüne und denkt sich: Warum sollen wir auf die Idee kommen, Neuer gehen zu lassen?", sagte Heldt.

Der Preis für Neuer sei ohnehin nicht zu beziffern: "Immerhin ist er der weltbeste Torwart." Den Beweis erbrachte Neuer spätestens an jenem Abend des 26. April 2011.

Schalke - ManUtd: Fakten zum Spiel

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