Und wieder der Glatzkopf...

Von SPOX
Donnerstag, 20.05.2010 | 16:49 Uhr
Schiedsrichter Howard Webb aus England wird das Champions-League-Finale leiten
© Getty
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Nicht mehr lange, dann ist es so weit: Der FC Bayern trifft im Champions-League-Finale auf Inter Mailand. In den Tagen zuvor gibt es natürlich reichlich Stimmen und Geschichten von und über beide Mannschaften. Heute: Ein vermeintlich schlechtes Omen, ein Striptease und die Angst vor Gudjohnsen.

Schlechtes Omen? Der Engländer Howard Webb wird das Finale pfeifen. Allzu gute Erinnerungen an den 38-Jährigen hat der FCB nicht: Webb leitete in der vergangenen Saison das Viertelfinal-Hinspiel der Bayern beim FC Barcelona, das mit 0:4 ordentlich in die Hose ging. Schwarz sehen muss man deshalb aber nicht. 2008/2009 pfiff der Engländer das abschließende Vorrundenspiel der Münchner bei Olympique Lyon, das der deutsche Rekordmeister mit 3:2 gewann.

Wiedersehen mit Lucio: Für den Brasilianer ist die Partie gegen seine Ex-Kollegen angeblich "kein besonderes Spiel". Kontakt nach München bestehe nur noch zu Konditionstrainer Marcelo Martins und Bastian Schweinsteiger, mit denen er ein paar SMS ausgetauscht habe. Der bei den Bayern für seine Vorstöße in die gegnerische Hälfte oft kritisierte Lucio darf auch bei Inter nicht oft mit nach vorne: "Hier weht ein anderer Wind. Mourinho will, dass wir nur defensiv spielen und konzentriert auftreten. Bis jetzt hat das ja gegen Chelsea und Barcelona prima funktioniert."

Van Gaals Striptease: "Ich habe im Auditorium einmal vor versammelter Mannschaft die Hosen runtergelassen. Weil ich deutlich machen wollte: Wenn ich auswechsele, tue ich das nicht für mein Ego, sondern für die Mannschaft", verriet der 58 Jahre alte Niederländer in seiner "Bild"-Kolumne. Er tue "alles für die Mannschaft. Und ich setze alles ein, was ich habe, um meine Worte zu unterstreichen. Meine Stimme genauso wie solche Gesten", führte van Gaal weiter aus. Mit dieser Anekdote aus dem "heiligen Raum" wolle er deutlich machen, "wie stark der Zusammenhalt und wie groß das Vertrauen der Mannschaft ist". Gleichzeitig erklärte der Münchner Erfolgscoach erneut, dass er auch im Fall des Champions-League-Siegs seinen Vertrag bis 2011 erfüllen wird. "Auch wenn wir jetzt tatsächlich das Triple schaffen: Ich werde auf jeden Fall noch ein Jahr beim FC Bayern arbeiten. Obwohl es dann schwierig würde, noch etwas zu verbessern. Aber ich habe schon mit so vielen Menschen hier über die kommende Saison gesprochen, da kann ich gar nicht gehen", sagte van Gaal. Weiter will er aber nicht planen: "Wenn der Vorstand jetzt käme und mir vorschlagen würde, meinen Vertrag über 2011 hinaus zu verlängern, dann würde ich ablehnen. Ich will ja auch noch mal Nationaltrainer werden von einem Land, das die Chance hat, ein großes Turnier wie die EM oder WM zu gewinnen."

Lobhudelei: Das Endspiel wird ein Wiedersehen zweier Männer, die sich ähneln und in hohem Maße schätzen. Kennengelernt haben sie sich vor 13 Jahren. Louis van Gaal war als Sportdirektor zum FC Barcelona gekommen - wurde aber anstelle des Engländers Bobby Robson plötzlich von Präsident Josep Lluis Nunez zum Trainer berufen. Jose Mourinho, damals Assistent von Robson, sollte den Klub verlassen, wütete aber in der entscheidenden Sitzung derart gegen dieses Vorhaben, dass van Gaal dadurch nachhaltig beeindruckt war. "Er ist ein Mann", sagt van Gaal über Mourinho, "er hat ..." - Oliver Kahn würde jetzt "Eier" sagen. Der neue Cheftrainer behielt den eigenwilligen Portugiesen, auch, "weil es meine Philosophie ist, einen Assistenten aus dem Land zu haben, in dem ich arbeite." Nun also wird einer den zweiten Champions-League-Triumph des anderen verhindern und damit das erste Triple für den einen oder den anderen. Beide Trainer glauben, dass am Samstag die Kleinigkeiten entscheiden und nicht die Trainer, "das kann Mourinho nicht ausschließen, und ich auch nicht", sagt van Gaal. In der Tat, bestätigt Mourinho, wird es wohl genauso kommen: eine unvorhersehbare Aktion, "vielleicht ein Pfostenschuss" - und das Endspiel ist entschieden. Mourinho gibt das Lob von van Gaal gerne weiter: "Louis war mein Lehrer, er war mein Chef", ohne Robson und van Gaal "wäre ich nie zu dem geworden, was ich heute bin", sagt er. In einem sind sich van Gaal und Mourinho allerdings nicht einig. "Ich habe die schwierigere Aufgabe", behauptet der Münchner Trainer, "er verteidigt, ich muss angreifen."

Normalität oder nicht? "Man muss versuchen, es wie ein normales Spiel zu betrachten. Es ist ein Endspiel, aber man muss sich deshalb nicht verrückt machen", sagt Mark van Bommel, der 2006 mit Barcelona schon einmal in der Champions League triumphiert hatte. Die Bayern 2010 siedelt er sogar noch höher an: "Wir sind als Mannschaft besser als der FC Barcelona damals." Coach Louis van Gaal war um Normalität bemüht - auch was den Vergleich mit seinem einstigen Assistenten und jetzigen Inter-Coach Jose Mourinho betrifft. "Das ist kein Streit zwischen van Gaal und Mourinho, sondern zwischen den Spielern. Es ist ein Spiel elf gegen elf", sagte er gewohnt trocken. Der Bedeutung war sich aber auch van Gaal bewusst: "Es ist schon jetzt meine erfolgreichste Saison als Trainer, ich habe vorher noch nie das Double geholt. Und jetzt haben wir noch die Chance, Champions-League-Sieger zu werden." Arjen Robben, der in die spanische Hauptstadt zurückkehrt, spricht von "etwas ganz Besonderem, aber das darf nicht im Kopf sein. Ich will dieses Spiel gewinnen. Für mich ist das die beste Saison meiner Karriere - um ehrlich zu sein, habe ich das nicht gedacht."

Kaiser optimistisch: Ehrenpräsident Franz Beckenbauer traut den Bayern das Triple zu. "Der FC Bayern ist in einer hervorragenden Verfassung, auch körperlich. Die Spieler haben ein Mammutprogramm hinter sich und trotzdem sind sie noch frisch, um den Gegner sogar in der Verlängerung zu schlagen. Man kann optimistisch sein." Dennoch hat der Kaiser eine Warnung parat: "Man muss höllisch aufpassen, darf ihnen nicht ins Messer laufen. Das Schlechteste wäre, wenn sie in Führung gehen, im Defensivspiel sind sie wirklich Meister", sagte Beckenbauer und erwartet ein "knappes" Spiel: "Wenn ich wüsste, dass wir das Elfmeterschießen gewinnen würden, würde ich mir so ein Ende wünschen." Einen klaren Nachteil sieht Beckenbauer durch das Fehlen des rot-gesperrten Franck Ribery. "Ich weiß nicht, wer ihn ersetzen wird. Es gibt keinen zweiten Ribery", sagte Beckenbauer. Aber die Mannschaft sei "trotzdem stark genug, um auch ohne ihn gegen Inter zu gewinnen".

Offener Brief: Hier der offene Brief, der von allen Bayern-Beteiligten unterschrieben wurde, im Wortlaut: "Liebe Bayern-Anhänger, liebe Fußballfans in ganz Deutschland, wir haben's schon weit gebracht: Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger 2010, das alles mit Fußball, der Ihnen und uns viel Freude und Spaß gemacht hat. Noch aber haben wir ein ganz, ganz großes Ziel vor Augen: den Gewinn der UEFA Champions League. Wir sind schon heute in Madrid. Wir wissen und fühlen, dass uns Millionen von Fußballfans zuhause in Deutschland gedanklich begleiten. Die Bayern-Fans, aber auch viele Fußballfreunde, die uns sonst vielleicht eher neutral sehen. Samstagabend sollten alle "Bayern" sein, das wünschen wir uns. Wir werden im Bernabeu-Stadion alles geben, für uns, den FC Bayern und letztlich auch für Deutschland. Mit einem Sieg über Inter Mailand erkämpfen wir uns den 4. Champions-League-Platz für die Bundesliga zurück. Wir haben einen Traum. Träumt ihn mit uns! Mannschaft & Trainer des FC Bayern München."

Aschewolke: Beide Teams sind ohne Flugbehinderungen in Madrid angekommen, doch Mourinho ärgert es dennoch, bereits am Mittwoch statt wie geplant am Freitag anzureisen. "Ich habe keine Angst vor Bayern, sondern vor Gudjohnsen." Das ist für den Portugiesen das Synonym für den "unaussprechbaren" Namen des Vulkans Eyjafjallajökull. Auch van Gaal sagte bereits im Vorfeld, dass im Falle einer Flugbeeinträchtigung nicht angetreten wird. "Dann spielen wir nicht. Denn wir spielen für die Fans."

Van Gaal vs. Mourinho: Ästhet vs. Zerstörer

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