Mittwoch, 21.04.2010

Bayern - Lyon: Die Schlüsselduelle

Spiderman und Juninhos Erben

Der FC Bayern empfängt im Halbfinal-Hinspiel der Champions League Olympique Lyon (20.30 Uhr im LIVE-TICKER, auf SAT.1 und auf SKY). Die Franzosen kommen mit einem Heiligen im Tor, ihrer Ausgabe von Ivica Olic und zwei würdigen Nachfolgern von Freistoßgenius Juninho. Die Schlüsselduelle des Spiels.

Anthony Reveillere (M.) wechselte 2003 vom FC Valencia nach Lyon
© Imago
Anthony Reveillere (M.) wechselte 2003 vom FC Valencia nach Lyon

Butt vs. Lloris

Ein Duell, wie es unterschiedlicher kaum sein könnte. Butt hat mit 35 Jahren den größten Teil seiner Karriere schon hinter sich und ist bei den Bayern nicht immer unumstritten. Ohne Zweifel ein solider Keeper, aber sicher kein Weltklassemann. Auch wenn Butt nächste Saison weiter im Tor des FCB stehen wird, schauen sich die Bayern nach einem neuen Keeper um.

Manuel Neuer ist der Wunschkandidat, der Name von Butts heutigem Gegenüber hält sich aber auch hartnäckig. Lloris steht mit 23 Jahren gerade am Anfang seiner Karriere, gilt in Frankreich als größtes Talent seit Fabien Barthez und bekam schon die Spitznamen "Spiderman" und "Heiliger Lloris".

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Seine herausragenden Leistungen gegen Real Madrid und Girondins Bordeaux brachten Lyon überhaupt erst ins Halbfinale. Butt hätte den Bayern dagegen mit Fehlern gegen den AC Florenz und Manchester United dagegen fast das vorzeitige Aus beschert.

FC Bayern München, Olympique Lyon

Van Buyten/Demichelis vs. Lisandro oder Gomis

Bayerns leicht auszumachende Schwachstelle ist die Defensive. 13 Gegentore kassierten die Münchner bisher in ihren zehn Champions-League-Spielen (Lyon sechs). Nur gegen Juventus Turin und zweimal gegen Maccabi Haifa blieben sie ohne Gegentor. Van Buyten und Demichelis haben mit kleinen, wendigen Angreifern Probleme. Immerhin kann Demichelis mittlerweile wieder ohne Gesichtsmaske spielen und ist in seiner Sicht nicht mehr eingeschränkt.

Lopez und Gomis. Nur einer von beiden wird gegen Bayern spielen
Lopez und Gomis. Nur einer von beiden wird gegen Bayern spielen
© Imago

Lisandro ist ein Spielertyp, der den bayerischen Innenverteidigern Probleme machen kann. Der Argentinier (kam für 24 Millionen Euro vor der Saison aus Porto) ist nur 1,75 Meter groß, aber trotzdem körperlich sehr robust und durchsetzungsstark, enorm viel unterwegs und eiskalt vor dem Tor. Nicht das Kaliber eines Rooney, weil nicht so komplett und technisch nicht der Beste, aber Lyons Pendant zu Olic. Sein Einsatz schien wegen Knöchelproblemen lange fraglich, er sollte aber spielen können.

Sein Ersatzmann wäre wohl Bafetimbi Gomis. Der ist deutlich größer, technisch stärker, wird aber immer wieder von seinem Phlegma gebremst. Bei enger, kompromissloser Deckung verliert er schnell die Lust. Mit seiner Schnelligkeit aber sehr gefährlich im Konterspiel.

Lahm/Contento vs. Bastos/Delgado

Die Bayern-Außenverteidiger werden es abwechselnd mit den offensiven Außen der Franzosen zu tun bekommen, die sehr variabel spielen und oft die Seiten wechseln. Lyons Spiel basiert auf einer starken Defensive und schnellem Umschalten. Das Spiel wird dann über die Außen nach vorne getragen. Da müssen Lahm und Contento aufpassen.

Bastos, der in der brasilianischen Nationalmannschaft als Linksverteidiger eingesetzt wird, beginnt auf dem linken Flügel. Lahm muss versuchen, ihn früh zu stören und am besten nicht nach innen ziehen zu lassen. Bastos ist kein Dribbler a la Ribery und Robben. Seine größte Stärke ist sein linker Hammer - aus dem Spiel und bei Standards.

Delgado ist deutlich ungefährlicher vor dem Tor, dafür im Eins-gegen-Eins stärker. Er geht öfter mit dem Ball am Fuß auf den Gegner zu und versucht dann die Stürmer einzusetzen. Anders als Bastos hat er aber auch Schwächen in der Rückwärtsbewegung. Die gilt es auszunutzen. Zudem ist der Argentinier mit Gelb vorbelastet.

Schweinsteiger/Pranjic/Müller vs. Källström/Gonalons/Pjanic

Ohne den gesperrten Kapitän Mark van Bommel trägt Schweinsteiger noch mehr Verantwortung im Mittelfeld. Zusammen mit Pranjic muss er das Offensivspiel ankurbeln und die Kreise von Lyons zentralem Mann Pjanic stören und ihn am Abschluss hindern.

Miralem Pjanic erzielte das entscheidende Tor im Achtelfinale gegen Real Madrid
Miralem Pjanic erzielte das entscheidende Tor im Achtelfinale gegen Real Madrid
© Getty

Wie Lyons Ex-Spielmacher Juninho verfügt er über eine herausragende Schusstechnik und kann den tödlichen Pass spielen. Allerdings ist er mit 20 Jahren noch unerfahren und nicht konstant genug. Es bleibt abzuwarten, wie er mit der Situation Champions-League-Halbfinale umgeht.

Das gleiche gilt auf Seiten der Bayern für Müller, der in den letzten Wochen körperlich etwas durchhing, aber gegen Hannover Selbstvertrauen getankt hat. Mit den zweikampfstarken Abräumern Källström und Gonalons wird wie schon gegen Manchester ein ganz schweres Spiel auf ihn zukommen.

Wichtig für die Bayern wird es sein, das Tempo hochzuhalten, das Spiel schnell zu verlagern und auch Fouls zu erzwingen. Denn alle drei Mittelfeldspieler müssten bei einer weiteren Gelben Karte im Rückspiel zuschauen. Bei Bayern gilt das für Pranjic.

Robben/Ribery vs. Cissokho/Reveillere

Auf Bayerns Prunkstück auf den Flügeln wird es auch gegen Lyon ankommen. Robben ist zurzeit in einer überragenden Form und hat die Münchner mit seinen Toren gegen Florenz und Manchester ins Halbfinale geschossen. Mit Cissokho hat er wie gegen ManUnited mit Evra einen körperlich starken und dynamischen Gegenspieler, der aber auch Gelb vorbelastet ist.

Der Linksverteidiger sucht auch selbst immer wieder den Weg in die Offensive und kann gefährliche Flanken schlagen. Wie bei Lloris ranken sich auch bei ihm immer wieder Gerüchte um einen Wechsel zu den Bayern. Sein Transfer im Sommer von Porto zu Milan platzte in letzter Sekunde, weil er den Medizincheck wegen Zahnproblemen nicht bestand.

Auf der anderen Seite hat Ribery den deutlich schwächeren Gegenspieler. Reveillere ist etwas in die Jahre gekommen und nicht mehr der Schnellste. Diesen Geschwindigkeitsvorteil muss Ribery gegen seinen Landsmann gewinnbringend einsetzen. Zumal sich Lyons Rechtsverteidiger mit Vorstößen zurückhält und in erster Linie auf die Defensive achtet. In der vergangenen Saison hatte Reveillere Ribery in München allerdings weitgehend im Griff, während der Bayern-Star im Rückspiel Lamine Gasamma Knoten in die Beine spielte.

Olic vs. Cris/Toulalan

Boumsong und Bodmer sind verletzt, also muss Toulalan in der Innenverteidigung aushelfen. Nicht optimal, weil er als spiel- und laufstarker Sechser im Mittelfeld fehlt. Aber keine eklatante Schwächung im Abwehrzentrum, weil er über ein hervorragendes Stellungsspiel verfügt, zweikampfstark ist und eigentlich keine Fehler macht.

Der Ex-Leverkusener Cris ist dagegen für den einen oder anderen Patzer gut. In der Luft ist er aber kaum zu bezwingen, was ihn gepaart mit seiner Wucht und körperlichen Stärke bei Standards zu einer gefährlichen Waffe macht.

Bayerns Duracell-Hase Olic hat aber schon gegen Innenverteidiger höherer Klasse (Vidic, Ferdinand) bewiesen, dass er in der Form seines Lebens ist. Mit seiner umtriebigen Art kann er die etwas hüftsteifen Innenverteidiger vor große Probleme stellen und erneut ein entscheidender Faktor werden.

Bayern München - Olympique Lyon: Die Bilanz

Andreas Lehner

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