Ribery: Bayern braucht sein Statement

Von Thomas Gaber
Montag, 29.03.2010 | 17:04 Uhr
Franck Ribery kam in der Bundesliga in dieser Saison nur in 13 von 28 Spielen zum Einsatz
© Getty
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Ohne Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger hat Louis van Gaal nur noch einen Kreativspieler für das Spiel gegen Manchester United (Di., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER, auf SAT.1 und SKY). Das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League ist für Franck Ribery Verpflichtung und Chance zugleich.

Alex Ferguson redet ungern über seine Gegner. Vor allem dann nicht, wenn deren Spieler mit seinem Manchester United in Verbindung gebracht werden. Als United in der Champions-League-Gruppenphase auf den VfL Wolfsburg traf, stand Edin Dzeko angeblich hoch im Kurs bei Sir Alex. Auf die Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieser Meldung antwortete Ferguson: "Nächste Frage!"

Nachdem ihm der FC Bayern im Viertelfinale zugelost wurde, vermied es Ferguson beharrlich, über Stärken und Schwächen der Münchner zu sprechen. Er wies lediglich auf die "fantastische Atmosphäre in der fantastischen Arena" hin.

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Unmittelbar vor dem ersten Duell mit den Bayern warf er seine Prinzipien über Bord. Ferguson sprach über Ribery. "Ich mag ihn. Im letzten Sommer wollten die Bayern noch 100 Millionen Euro für ihn, aber es sieht so aus, als würde er in diesem Jahr nun wechseln dürfen. Es sieht alles danach aus, als würde er nach Spanien gehen, aber auch ich finde ihn richtig gut", sagte Ferguson dem "Sunday Express".

Matthäus kritisiert Ribery

Vielleicht ein Psychotrick, vielleicht aber auch schlichtweg die Anerkennung für einen großen Spieler. Davon bekam Ribery zuletzt nicht viel in München. Nach der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart war Miroslav Klose etwas brüskiert: "Neun andere Spieler müssen für Ribery und Robben die Drecksarbeit machen und die beiden werden dann vom Publikum belohnt."

Gegen Manchester müssen die Bayern voraussichtlich nur für einen schuften. Arjen Robben kommt für einen Einsatz - zumindest von Beginn an - nicht in Frage. Der Niederländer hat zwar keine Schmerzen in der Wade mehr, aber Louis van Gaal geht ungern ein kaum überschaubares Riskio ein. "Robben ist eigentlich nicht verletzt, aber seine Muskeln sind müde. Das kommt von den vielen Dribblings mit hohem Tempo. Es ist ein großes Spiel gegen Manchester und da kann ich keinen Spieler bringen, der nur 80 Prozent leisten kann", sagte der Bayern-Trainer am Montag.

Mit Ribery hat van Gaal nur noch einen Kreativspieler zur Verfügung. Der Franzose hatte selbst mit ständigen Wehwehchen zu kämpfen und spielte in dieser Saison wettbewerbsübergreifend nur vier Mal 90 Minuten durch. Immer neue Verletzungsmeldungen, Terminverschiebungen für Vertragsgespräche und die lähmende Ungewissheit, wo er in Zukunft spielen wird, bestimmen Riberys drittes Jahr in München.

"Er spielt eine holprige Saison", sagte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer. Lothar Matthäus wird in der "tz" noch deutlicher: "Sein Auftritt gegen Stuttgart hat mir nicht gefallen. Da ist Lustlosigkeit dabei und somit auch eine Provokation gegenüber den Zuschauern."

Gary Neville - Uniteds Achillesferse

Das Hinspiel gegen Manchester ist für Ribery Verpflichtung und Chance zugleich. Es ist sein statement game, er muss zeigen, wie wertvoll er für den FC Bayern noch ist. Die Mannschaft ist in Robbens Abwesenheit auf Riberys Genialität angewiesen.

Der 26-Jährige ist nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, Tempodribblings sind derzeit eher die Ausnahme. "Ich muss ihn nach wie vor integrieren", sagt van Gaal. Dennoch zieht Ribery immer zwei, drei eifrig attackierende Gegenspieler auf sich, wodurch Räume frei werden. In Florenz hat Ribery diese Situation mustergültig gelöst mit dem öffnenden Pass auf van Bommel, der die Vorlage zum 1:2 verwertete.

Wenn es bei Manchester United eine Schwachstelle gibt, dann ist es die rechte Abwehrseite mit Evergreen Gary Neville. Von 31 Gegentoren in der Premier League und der Champions League fielen zwölf über Uniteds rechte Seite.

Netzer: Keine Garantie für Geniestreiche

Mit Robben und Ribery hatten die Bayern zuletzt Probleme in der Rückwärtsbewegung. Van Gaal gewährt seinen Kreativen viel Freiheit auf Kosten der Defensive. In Florenz waren teilweise nur sechs Spieler hinter dem Ball. Schweinsteiger und van Bommel mussten enorm viel Defensivarbeit verrichten - die von Klose angesprochene Maloche. Für spielerische Momente fehlt der Mittelfeldzentrale infolgedessen die Kraft.

Zuletzt sprang stets Robben ein, was zu einer gewissen Abhängigkeit führte. "Es gibt keine Garantie auf immerwährende Geniestreiche. Man darf sich nicht darauf verlassen, dass Ribery oder Robben stets die Entscheidung herbeiführen. Das wäre sehr gefährlich", sagte Günter Netzer der "Bild".

Diese Gefahr besteht auch gegen United, wenn die Bayern Ribery zu viel zumuten. "Er ist nicht in der besten Verfassung. Deswegen darf man von ihm keine Wunderdinge erwarten", sagte Sammer.

Hitzfelds Rat an van Gaal

Ottmar Hitzfeld empfahl van Gaal via "Welt", Wert auf seine ursprüngliche Idee zu legen: hohe Ballbesitzzeiten und Spielkontrolle. "Man muss viel Ballbesitz haben und die Passqualität muss stimmen, sodass der Gegner durch die ständige Spielverlagerung müde wird", so Hitzfeld. Manchester United mürbe machen - eine Herkulesaufgabe. Die Physis ist das Faustpfand der Red Devils.

Hitzfeld hat dennoch ein gutes Gefühl. "Der FC Bayern ist bereit für zwei große Spiele. Ich bin ganz optmistisch, wenn es den Bayern gelingt, den einen oder anderen Nadelstich zu setzen", sagte der Ex-Bayern-Coach.

Dafür ist Ribery zuständig.

Jupp Heynckes, Ende der letzten Saison für fünf Spiele Riberys Trainer bei Bayern, traut ihm das zu: "Er ist nach wie vor ein Superspieler und er kann sich quälen. Er will in Europa Erfolg haben."

Die Bayern warten seit langem auf die sportliche Renaissance ihrer Nummer 7. Die Bühne steht bereit für einen großen Auftritt.

Ferguson: Ich mag Ribery

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