FC Bayern vor dem Florenz-Spiel

Zusammenwachsen wie Barcelona

Von Fatih Demireli
Mittwoch, 17.02.2010 | 11:54 Uhr
Großer Spaß beim FC Bayern: Die Münchner haben zwölf Pflichtspiele in Folge gewonnen
© Getty
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Der FC Bayern kommt ins Rollen und in der Champions League gegen den AC Florenz (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sat.1) soll der gute Lauf fortgesetzt werden. Mario Gomez nimmt den FC Barcelona als Vorbild, auch Mark van Bommel zieht einen Vergleich. Doch bei dem ganzen Offensivspektakel haben die Bayern auch Angst vor dem bösen Erwachen.

Viele Sorgen hat Louis van Gaal zurzeit nicht. Dass sein obligatorischer Kaffee zur Pressekonferenz nicht serviert wurde, registrierte der Niederländer mit einem kurzen fragenden Blick an die Mitarbeiter des FC Bayern und Sekunden später rührte er auch schon genüsslich in seiner Tasse.

Probleme werden bei den Bayern in letzter Zeit schnell und einfach gelöst, Rückstände, wie zuletzt gegen Greuther Fürth im DFB-Pokal (6:2) oder Borussia Dortmund (3:1), beinahe kinderleicht zu klaren und souveränen Siegen umgewandelt.

"Hier entsteht etwas"

Doch es gab auch andere Zeiten. Im Herbst 2009 beispielsweise, als Bayern kurz vor dem Aus in der Champions League stand. Damals sprach van Gaal von einem Prozess, in dem der FC Bayern stecke, und von diesem Prozess spricht er auch heute noch. Dabei präsentieren sich die Bayern mit einem völlig anderen Gesicht.

"Wir sind auf einem sehr guten Weg, hier entsteht etwas, das spürt man", sagt Kapitän Mark van Bommel zu SPOX. In der Bundesliga scheint es derzeit keinen Klub zu geben, der Bayern aufhalten kann. Durchschnittlich 3,3 Tore schießen die Münchener im Jahr 2010. Tendenz steigend.

"Wir wollen das Spiel bestimmen"

"Wir haben die Philosophie, ein Spiel bestimmen zu wollen. Wir haben die Spieler dazu und einen Trainer, der diese Philosophie trägt", sagt Mario Gomez. Auch gegen den AC Florenz in der Champions League wollen die Bayern von ihrem Offensivspektakel nicht abrücken.

Angetrieben von Arjen Robben und Franck Ribery, vorne prominent besetzt mit Mario Gomez, dessen Partner Thomas Müller, Ivica Olic oder Miroslav Klose heißt, präsentieren sich die Bayern offensiv - sogar zu offensiv?

"Der FC Barcelona hat auch mit sechs Angreifern zwei Mal die Champions League gewonnen und gezeigt, dass es auf diesem Niveau geht", sagt Gomez.

Schönheitsfehler im System

Bayern das neue Barca? "Wir spielen unser Spiel. Wir werden in der Champions League nicht defensiv spielen", sagt Trainer van Gaal über seine Spielphilosophie, die der Ausrichtung der Katalanen durchaus ähnelt. Zwar spielt Bayern nicht 4-3-3 wie Barcelona, doch das 4-4-2 legt der Rekordmeister sehr angriffslustig aus. Gerade, wenn Bayern das Spiel macht, sieht es zwischendurch sogar nach einem 4-2-4 aus.

Schönheitsfehler hat das System dennoch. Der Offensivgeist birgt Gefahren. Die Bayern schießen viele Tore, kassieren sie aber auch in aller Regelmäßigkeit. Wie beim 6:2 gegen Fürth der beim 3:1 gegen Dortmund, als beide Gegner durchaus noch mehr Tore hätten schießen können.

Bloß kein Gegentor

"Wenn wir diese Ergebnisse immer einfahren, müssen wir eigentlich nichts ändern", sagt Mark van Bommel halb im Scherz. In der K.O.-Phase der Champions League kann jedes Gegentor tödlich sein. "Wir dürfen nicht so viele Torchancen zulassen wie in den letzten drei Spielen", sagt Lahm. Robben pflichtet ihm dabei: "Ob wir gegen Fürth oder Florenz spielen, ist egal - wir müssen immer konzentriert sein."

Auch Louis van Gaal graust es vor einem Gegentor im Heimspiel gegen die Fiorentina. "Kein Gegentor zu bekommen, wäre sehr wichtig. Ein Tor macht der FC Bayern vorne normalerweise immer. Sogar ein 1:0 wäre mir recht." Wo wir dann wieder in der Offensive wären, die für das Weiterkommen in der Champions League hauptverantwortlich sein soll.

Mark van Bommels Vergleich

"Wir wollen uns das Viertelfinale nicht nehmen lassen", sagt Mario Gomez. Was danach kommt? Die Bayern halten sich da bedeckt, was die Chancen angeht, vielleicht sogar den ganz großen Wurf zu landen. "Der FC Bayern hat immer eine Chance. Es kommt darauf an, auf wen man trifft. Wenn es gegen Barcelona geht, sind die Chancen natürlich geringer", so van Gaal.

Also wieder Barcelona. Mark van Bommel, der mit den Katalanen 2006 die Königsklasse gewann, wagt einen kleinen Vergleich mit Barcelona von damals und Bayern von heute. "Wir hatten damals anfangs auch nicht daran geglaubt, dass wir die Champions League gewinnen. Das ist erst später gewachsen."

Eine Garantie für den Erfolg sieht er aber keine. "Die gibt es nur bei Waschmaschinen."

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