Wie Bayern Juve schlagen kann

FC Bayern: Bereit für das Spiel der Spiele

Von Für SPOX in Turin: Florian Bogner
Dienstag, 08.12.2009 | 10:44 Uhr
Die Bayern-Spieler beim Abschlusstraining am Montagabend in Turin
© Getty
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Der FC Bayern braucht in der Champions League bei Juventus Turin (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei SKY) einen Sieg zum Weiterkommen. Viele Hoffnungen ruhen dabei auf Arjen Robben. Dabei ist noch nicht mal klar, ob der Holländer von Beginn an spielt. Neben Robben könnten aber auch noch andere den "Italian Job" besorgen - Turins Abwehrkrise macht's möglich.

Abends senden die Alpen oft einen sanften Gruß nach Turin. Gerade im Dezember lässt das gewaltigste Gebirgsmassiv Europas die Kälte unaufhaltsam ins Tal rollen, hüllt die Piemont-Metropole in einen Schleier von Nebel und lässt den tristen Beton des Stadio Olimpico gefrieren.

Sechs Grad zeigt das Thermometer an diesem Montagabend gerade mal, und Arjen Robben trotzt der sich einschleichenden Kälte mit einer langen Trainingshose und Handschuhen aus Wolle. Er ist der einzige Bayern-Spieler, der zum Abschlusstraining die Eskimo-Lösung wählt. Und während seine kurzhosigen Kollegen noch frösteln, hat sich Robben schon den Ball geschnappt und hält ihn hoch, einmal, zweimal, dreimal, dann feuert er ihn Richtung Tor.

Van Gaal: "Lassen sie sich überraschen"

Das Abschlusstraining am Abend vor einem Champions-League-Spiel ist normalerweise nicht mehr als Routine. Stadion inspizieren, Geläuf testen, Muskeln lockern. In der Formel 1 nennt man das Warm-Up, man testet das Auto, die Straßenlage. Arjen Robben testet an diesem Montag in Turin seinen Körper. Und will seinem Trainer zeigen, dass er bereit ist für das Spiel der Spiele.

"Ich bin fit, ich möchte gegen Juve von Anfang an spielen", hatte Robben schon am Sonntag in München gesagt und damit dem Trainer die Qual der Wahl auferlegt. Mit der Rückkehr des 25-Jährigen in die Startelf verbindet der FC Bayern die leise Hoffnung auf einen Leistungssprung, auf den großen Moment, den die Münchner bei Juventus doch so dringend brauchen, wollen sie im neuen Jahr nicht gegen Twente Enschede oder Hapoel Tel Aviv um den Europa-League-Titel spielen.

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Die Ausgangslage begreift jeder Dreijährige: Will Bayern ins Achtelfinale, muss ein Sieg her. In Italien. Bei Juve. "Ich habe hier noch nicht gewonnen, das soll sich jetzt ändern", sagte Bastian Schweinsteiger auf der Abschluss-PK und lächelt die Dolmetscherin an. Louis van Gaal lächelt nicht, als nach Robbens Startelf-Chancen gefragt wird. "Er war vier Wochen raus", sagt der Trainer frostig. "Lassen Sie sich überraschen."

Wird Robben ein Faktor?

Seit Ende August ist Robben nun beim FC Bayern und überrascht hat er bisher eigentlich nur den VfL Wolfsburg, in seinem ersten Spiel, in dem er zwei Tore erzielte. Ansonsten liest sich der Arbeitsnachweis des Flügelstürmers so: nur 589 von 1530 möglichen Pflichtspiel-Minuten absolviert, nur ein Tor und zwei Assists in den vergangenen zwei Monaten und immer wieder Rückschläge mit dem Knie, das nicht hält, mit dem Körper, der will, aber nicht immer kann.

"Wenn Arjen hundertprozentig fit ist, muss man ihn von Anfang an bringen", sagt Philipp Lahm, der aber selbst nicht einschätzen kann, wie weit der Kollege ist. Das muss van Gaal tun - und wird sich bis Dienstagabend wohl nicht mehr in die Karten blicken lassen, was er denn nun genau mit Robben vorhat.

Eins wollen die Bayern in Turin jedenfalls nicht tun: In der ersten Halbzeit Hurrafußball spielen, wie es Lahm nannte, und Juventus ins offene Messer laufen. Ein eigenes frühes Tor darf gerne sein, die Bayern-Rechnung geht aber eher so: "Wir müssen mit Köpfchen spielen", sagt Robben, "wir dürfen nicht blind anrennen, sondern müssen aufpassen, dass wir nicht dumm den Ball verlieren und dadurch ein Gegentor bekommen."

Hinten Pässe unterbinden - vorne Grosso fordern

Vieles spricht also dafür, dass van Gaal gegen Juve wieder dieselbe Elf auf den Rasen schicken wird, die zuletzt dreimal in Folge gewann, ein 4-4-2 mit Doppel-Sechs und Robben als möglichen Entscheidungsbringer in der Hinterhand. Gegen das 4-3-1-2 von Juve wird vor allem das defensive Mittelfeld der Bayern gefragt sein, Kapitän van Bommel kommt dabei bei der Bewachung des Ex-Bremers Diego eine zentrale Rolle zu.

In der Innenverteidigung kann Daniel van Buyten trotz lila Veilchen unter dem linken Auge spielen und soll zusammen mit Martin Demichelis dem Juve-Sturm - wohl Alessandro Del Piero und David Trezeguet - Einhalt gebieten. Timing und die richtigen Abstände zum defensiven Mittelfeld sind hier gefragt, damit Diego sich nicht zwischen Abwehr und Mittelfeld schieben und die Stürmer per Steilpass in Szene setzen kann.

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Trotz "Safety first" muss Bayern aber auch Turins Defensive immer wieder nerven, zu Fehlern zwingen. Juve ließ zuletzt - völlig untypisch - eine Großzahl von gegnerischen Chancen zu und kassierte viel zu viele leichte Gegentore. Nach vier Ligaspielen stand das Gegentor-Konto noch bei einem Treffer, danach folgten 15 Buden in elf Begegnungen.

Nach vorne sind vor allem Bayerns Flügel gefordert, denn gerade auf Juves Außenverteidigerpositionen konnte man zuletzt Schwachstellen ausmachen. Linksverteidiger Fabio Grosso weckt in Deutschland zwar schmerzvolle Erinnerungen, ist aber defensiv bei weitem nicht mehr in der Form der WM 2006.

Was macht Olic aus dem Chiellini-Ausfall?

Rechtsverteidiger Jose Martin Caceres ist hingegen gelernter Innenverteidiger - wie Holger Badstuber bei den Bayern - geht bei schnellen Gegenspieler aber oft zu ungestüm zu Werke und provoziert so immer wieder Freistöße in der Nähe des eigenen Kastens.

In der Juve-Innenverteidigung meldete sich am Montag zu allem Überfluss auch noch Giorgio Chiellini mit einer Wadenverletzung ab, der Fabio Cannavaro längst als Abwehrchef abgelöst hat. Statt dem schnellen Chiellini wird nun Nicola Legrottaglie auflaufen, der wie Cannavaro zwar ein starkes Stellungsspiel hat, gegen wendige Gegenspieler aber gerne mal alt aussieht. Ivica Olic sei hier an seine entnervende Eigenschaft "Kilometer fressen" erinnert. Im defensiven Mittelfeld droht Momo Sissokos Ausfall.

Hinter dem Einsatz von Nationaltorhüter Gigi Buffon steht zudem seit Juves Abschlusstraining ein Fragezeichen. Buffons Meniskus zwickt, schon lange ist für Mittwoch eine überfällige Operation anberaumt. Sollte Buffon nicht spielen können, würde der Österreicher Alex Manninger ins Team rücken. Und hoffentlich in den Turiner Nebelschwaden nicht ganz beschäftigungslos zwischen den Pfosten stehen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Juventus: Buffon (Manninger) - Caceres, Cannavaro, Legrottaglie, Grosso - Camoranesi, Felipe Melo, Marchisio - Diego - Del Piero, Trezeguet. - Ersatz: Manninger (Chimenti), Grygera, De Ceglie, Poulsen, Sissoko, Giovinco, Amauri.

FC Bayern: Butt - Lahm, Demichelis, van Buyten, Badstuber - Müller, Schweinsteiger, van Bommel, Pranjic - Olic, Gomez. - Ersatz: Kraft, Breno, Braafheid, Robben, Tymoschtschuk, Altintop, Klose.

Schiedsrichter: Massimo Busacca (Schweiz)

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