Der Klose-Klon und der Klaustrophobische

Von Thomas Gaber
Dienstag, 20.10.2009 | 13:00 Uhr
Jesus Navas (2.v.l.) war einer der Torschützen beim 2:1 des FC Sevilla gegen Real Madrid
© Imago
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Der VfB Stuttgart steht beim dritten Spiel der Champions-League-Gruppenphase (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und auf SKY) vor einer Mammut-Aufgabe. Der FC Sevilla kommt. Anfang Oktober spielte die Andalusier Real Madrid an die Wand. Die Offensive ist kaum zu stoppen, doch es gibt auch Hoffnung für den VfB.

Genie und Wahnsinn: Beides liegt beim FC Sevilla eng zusammen. Die Rot-Weißen stürmten den Ibrox Park von Glasgow und zerlegten Real Madrid. Doch Sevilla hat auch seine Schwächen. Letzten Samstag waren die Andalusier beim 0:1 in La Coruna weitgehend chancenlos. Depors Sportdirektor Ricardo Moar saß auf der Tribüne.

Mit SPOX analysiert Moar den FC Sevilla und die Chancen des VfB Stuttgart.

Der komplette Kader des FC Sevilla

Das System: Trainer Manolo Jimenez bevorzugt ein klassisches 4-4-2 mit Doppelsechs und sehr offensiven Außen. Fast jeder Angriff verläuft über die Seiten, das Spiel wird oft mit einem diagonalen Ball eröffnet. Die Abwehr steht bei Ballbesitz sehr hoch. "Sevilla spielt mit Tempo, Pressing und hoher Agressivität. Sie machen keinen Unterschied, ob sie zu Hause oder auswärts spielen", sagt Ricardo Moar.

Sevilla ist eine sehr homogene Mannschaft. Die 14 Saisontore in Spanien verteilen sich auf acht Torschützen. Taktische Disziplin ist das A und O für den VfB. "Wer die Positionen nicht hält, ist gegen Sevilla verloren. Sie bestrafen jeden Fehler sofort", sagt Moar.

Der Torwart: Javi Varas. Weil Stammkeeper Andres Palop mit einer Schulterverletzung ausfällt, bekommt Navas eine Bewährungschance. Der 27-Jährige vertrat Palop in der letzten Saison fünf Mal und bekam beim 0:4 in Barcelona die Hütte voll.

Navas hat wenig Erfahrung, gilt aber als solider, loyaler Backup mit guten Reflexen und einigen Schwächen in der Straraumbeherrschung.

Die Abwehr: Der Chef der Viererkette ist Sebastien Squillaci. Der französische Nationalspieler ist bei Kopfball-Duellen kaum zu bezwingen und geht bei jeder Standard-Situationen für Sevilla mit nach vorne. "Squillaci rennt mit dem Kopf durch die Wand. Der hat einen Eisen-Schädel. Unglaublich, wie hart der köpfen kann", sagt Moar.

Die Außenverteidiger Fernando Navarro links und Sergio Sanchez rechts, unterstützen ihre Mittelfeld-Pendants, wann immer es geht. Adriano vertritt auf rechts den grippekranken Abdoulay Konko. Da sich die Viererkette weit vor dem eigenen Tor aufbaut, bietet sich für den VfB der vertikale Pass auf den schnellen Cacau an. Zudem ist die Power und Schnelligkeit von Alex Hleb gefragt, der aus dem Mittelfeld in die Spitze stoßen muss.

"Sevilla hat viele körperlich robuste Spieler. Von wegen kleine Spanier! Die kann nicht einfach wegpusten. Man muss schon seinen Körper einsetzen, um an ihnen vorbeizukommen", sagt Moar.

Das Mittelfeld: Der Boss in der Mitte fehlt. Renato fällt wegen einer Wadenzerrung aus. Er wird vertreten von Lolo.

Didier Zokora hat in Abwesenheit von Renato den Hut auf im defensiven Mittelfeld. Der Mann von der Elfenbeinküste will in dieser Saison "mindestens ins Halbfinale der Champions League." Doch die Musik machen Diego Perotti auf links und Jesus Navas auf rechts.

"Spielertypen wie Navas und Perotti gibt es in der Bundesliga nicht. Das sind Instinkt-Fußballer. Sevilla spielt nicht nach einem bestimmten Schema. Sie machen alles nach Intuition. Stuttgart muss die Außen dicht machen. Man darf Perotti und Navas nicht zur Entfaltung kommen lassen. Sie dribbeln gerne bis zur Grundlinie durch, um dann zu flanken. Und sie flanken exzellent", weiß Moar.

Jimenez verzichtet in der Anfangself allerdings auf Perotti, Adriano spielt dafür auf links.

VfB muss Überzahl schaffen

Steht man Navas auf den Füßen, verliert er schnell die Lust. Der VfB muss in Ballnähe permanent Überzahl schaffen und die gefährlichen Außen doppeln. "Die Außenverteidiger der Stuttgarter brauchen Unterstützung, sonst werden ihnen Knoten in die Beine gespielt", glaubt Moar.

Navas ist ein launischer Spieler. Der 23-Jährige leidet unter chronischem Heimweh und Klaustrophobie. Moar: "Wenn Navas zu lange von zu Hause weg ist, spielt er nicht gut. Psychologen sagen, dass er unter diesen Umständen keine längeren Reisen mit der Nationalmannschaft unternehmen kann."

Der Angriff: Klubboss Jose Maria Del Nido ist sich sicher: "Wir haben den besten Sturm der Welt." Der ist in Stuttgart aber nur zu 66,6 Prozent vertreten. Alvaro Negredo, Doppeltorschütze für Spanien beim 5:2 in Bosnien und der neue Star-Stürmer des Europameisters, blieb wegen einer Grippe in Sevilla. Somit werden Luis Fabiano und Frederic Kanoute das Sturmduo bilden.

"Schade, dass Negredo nicht spielen kann. Er ist sehr gut am Ball, obwohl er so krumme Füße hat. Aber die anderen zwei sind auch echte Kracher", sagt Moar.

Brasiliens Nationalstürmer Fabiano hat in 110 Ligaspielen 49 Tore für Sevilla geschossen. "Fabiano ist ein Mann für Real Madrid", sagt Moar. Der 28-Jährige ist in der Luft enorm stark, sehr beweglich, technisch stark und über 90 Minuten kaum auszuschalten.

Fabiano denkt an Abschied

Zudem versteht sich Fabiano blind mit Partner Kanoute. Beim 4:1 in Glasgow legten sich die beiden die letzten beiden Treffer gegenseitig auf. "Kanoute ist ein Klon von Miro Klose. Schnell, gute Übersicht, kopfballstark", so Moar.

Fabiano und Kanoute warten am liebsten auf die Flanken, sie verharren aber nicht im Strafraum, sondern gehen gerne nach außen. Oft lässt sich auch einer der beiden Stürmer ins Mittelfeld zurückfallen und spielt eine Art Zehner.

Fabiano ist dem Verein sehr dankbar, spricht seit geraumer Zeit aber von Abschied aus Sevilla: "Dieser Klub hat es mir ermöglicht, wieder für die Selecao zu spielen. Ich spiele bei keinem der absoluten Spitzenklubs, weil der Präsident mich liebt. Es gab immer wieder Angebote. Als Spieler muss man seine Optionen prüfen und wahrnehmen."

Die Aufstellungen:

Stuttgart: Lehmann - Osorio, Tasci, Boulahrouz, Boka - Träsch, Khedira, Kuzmanovic, Hleb - Cacau, Schieber

Sevilla: Javi Varas - Navarro, Dragotinovic, Squillaci, Sergio Sanchez - Adriano, Lolo, Zakora, Navas - Luis Fabiano, Kanoute

Champions League: Der Stand in der Gruppe G

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