Fussball

"Wir spielen auch irgendwie für den Trainer"

Von Für SPOX in Lissabon: Florian Bogner
Jürgen Klinsmann hält eine Rückkehr von Lukas Podolski an die Isar für möglich
© Getty

Vor dem Champions-League-Achtelfinale bei Sporting Lissabon droht Trainer Klinsmann mit Wechselspielchen. Doch hat der Kader dazu überhaupt die nötige Qualität? Die Benennung des 18er-Kaders gibt bereits Aufschluss, wohin die Reise gehen soll. Klinsmann vertraut seiner Stammelf - mit Luca Toni. Lukas Podolski hat sich in der Hierarchie wieder an Landon Donovan vorbeigekämpft. Der Amerikaner muss auf die Tribüne.

Es war am Dienstag beim Abschlusstraining des FC Bayern im Estadio Jose Alvalade wirklich ein wenig unübersichtlich, da konnte man die portugiesischen Kollegen schon verstehen.

Ein bemitleidenswerter Kameramann versuchte verzweifelt, die ihm diktierten Bayern-Spieler im Trainingsgewusel einzeln abzufilmen.

Hilfe suchend wandte er sich schließlich an die deutschen Kollegen und ließ sich Schweinsteiger, van Bommel und Co. einzeln aufzeigen.

Ein Kader voller Alternativen...

Unübersichtlich war es deshalb, weil sich dort 21 Bayern-Spieler auf einer Spielhälfte tummelten. Trainer Jürgen Klinsmann hatte den kompletten Kader mit nach Lissabon genommen und diesen auch im letzten Test vor dem Champions-League-Achtelfinale noch mal ordentlich angepackt (20.30 Uhr im LIVE-TICKER und im Internet TV).

Korrekturen hier, ein kurzes Gespräch mit Breno da - Klinsmann wirkte während der Abschlusseinheit engagiert und sprach vor allem viel mit Spielern aus der zweiten Reihe.

Vielleicht ein Zeichen an die arrivierten Kräfte, keiner solle sich seines Stammplatzes zu sicher sein. Auch nicht in der Champions League.

...oder eben nicht

Es steht zwar fest, dass der Bayern-Trainer von einer "großen Rotation" absehen wird. Für spektakuläre Experimente steht einfach zu viel auf dem Spiel. Allerdings kündigte er bereits am Montag an: "Wir überlegen, ob wir dem einen oder anderen eine Verschnaufpause gönnen."

Fragt sich nur, welche Spieler er damit meinen könnte. Denn wenn die letzten Spiele der Bayern in der Liga eins gezeigt haben, dann dass es dem Rekordmeister drastisch an Alternativen zu Klinsmanns eingespielter Elf fehlt; vom aufkommenden Hamit Altintop gegenüber dem formschwachen Bastian Schweinsteiger mal abgesehen.

Eigentlich ist nur der rechte Verteidiger-Posten (Oddo gegen Lell) derzeit umkämpft, ansonst steht die Startelf der Bayern quasi schon Tage vor Anpfiff fest.

Ein Problem, wenn es um Berechenbarkeit geht. Und vor allem ein Problem, wenn man in europäischen Maßstäben denkt, die über die gesamte Spielzeit gesehen mindestens 15 Spieler auf einem Leistungsniveau fordern.

Donovan auf die Tribüne

Ob der Trainer durch mangelnde Rotation oder fehlende Motivation hierbei eine Teilschuld trägt, sei dahin gestellt. Faktum ist, dass der Kader in der Breite derzeit nicht die Qualität hergibt, die die Verantwortlichen gerne sehen würden.

Umso kritischer ist es zu sehen, dass im Spiel gegen Lissabon scheinbar alle Hoffnung auf der Rückkehr von Luca Toni ruht, der nach überstandenen Achillessehnen-Problemen wieder zur Startelf gehört.

Mit dessen Rückkehr hat Klinsmann allerdings ein Grundsatz-Problem, was die Benennung des 18er-Kaders betrifft. Schließlich hat er 21 Spieler dabei, das sind drei zu viel - und die müssen auf die Tribüne.

Dass Ersatzkeeper Hans-Jörg Butt, sowie die Verteidiger Daniel van Buyten und Christian Lell auf der Bank Platz nehmen werden, scheint klar. Die Tribünenplätze für Breno und Jose Ernesto Sosa dürften ebenfalls reserviert sein.

Doch wie entscheidet Klinsmann in der Offensive? Drei Mittelfeldspieler und ein Stürmer, Donovan oder Podolski auf der Tribüne? Oder doch die Variante zwei und zwei, die dann auf Kosten von Tim Borowski oder Andreas Ottl ausfallen würde? Nun entschied sich der Trainer gegen seinen Wunschspieler Donovan.

Die optimale Mischung finden

Mit der Benennung der Bankspieler gibt Klinsmann jedenfalls schon mal die Grundrichtung vor - offensiv oder defensiv. Seine Spieler hatten zuletzt vehement darauf gepocht, bitte wieder etwas defensiver spielen zu lassen.

Damit konfrontiert, meinte Klinsmann am Dienstag: "Wichtiger ist, die optimale Mischung zwischen Offensive und Defensive zu finden." Das sei seiner Mannschaft in der Champions-League-Gruppenphase bereits "sehr beeindruckend gelungen".

In der Tat kann sich die europäische Bilanz mit nur vier Gegentoren in sechs Spielen sehen lassen. Besser wird sie noch, wenn man bedenkt, dass man vor dem 3:2 in Lyon bereits qualifiziert war und dort nach 3:0-Halbzeitstand im zweiten Durchgang in den Leerlauf schaltete.

"Bin sicher, dass da mehr kommt"

"Die Mannschaft muss als Gesamtes Defensivarbeit leisten - das ist ein Thema, dass wir schon seit Monaten in der Mannschaft immer wieder diskutieren. Die Abwehrarbeit geht vorne bei den Stürmern los, um dem Mittelfeld und der Abwehr selbst das Verteidigen zu erleichtern", predigt Klinsmann deshalb.

Dennoch weiß er: Gegen Lissabon geht es auch um seine Zukunft. Das jetzt so breit entgegen gebrachte Vertrauen der Vereinsoberen ist nicht endlos, der Trainer braucht Ergebnisse. Ein weiteres Fiasko wie gegen Köln darf sich der FC Bayern nicht erlauben.

"Ich glaube, dass die Mannschaft selbstkritisch genug ist, zu sagen: Da muss das nächste Mal mehr kommen. Und ich bin sicher, dass da mehr kommt", sagt Klinsmann.

Luca Toni formulierte es so: "In erster Linie spielen wir immer für den Klub. Und na klar, dann ja auch irgendwie für den Trainer."

Die Aufstellungen:

Sporting: Tiago - Abel, Tonel, Polga, Caneira- Rochemback, Izmailow, Joao Moutinho, Romagnoli - Liedson, Derlei

FC Bayern: Rensing - Oddo, Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger, van Bommel, Ze Roberto, Ribery - Toni, Klose

Schiedsrichter: Bertrand Layec (Frankreich)

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