Bremen nach dem CL-Aus

Basler fordert: Reißt euch zusammen!

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 27.11.2008 | 04:14 Uhr
Ex-Bremen-Star Mario Basler (l.) gibt den Werder-Spielern die Schuld für die aktuelle Krise
© spox
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Mit einem 2:2 bei Anorthosis Famagusta hat Werder Bremen die letzte Chance verspielt, sich doch noch für das Achtelfinale der Champions League zu qualifizieren. Selbst der dritte Gruppen-Platz, der für die Teilnahme am UEFA-Cup berechtigt, erscheint vor der abschließenden Parie gegen Inter außer Reichweite. Zudem hinkt Werder auch in der Bundesliga mit Rang neun den Erwartungen hinterher.

Bremen steckt in der größten Krise seit vielen Jahren - und SPOX geht mit dem ehemaligen Werder-Star Mario Basler auf Ursachenforschung.

Im Interview nimmt Basler, derzeit Trainer bei Regionalligist Trier, Stellung zu Bremens Problemen, der Kritik an Thomas Schaaf und der Einkaufspolitik.

Schafft es Werder doch in den UEFA-Cup? Der CL-Tabellenrechner!

SPOX: Bremen spielt nur Unentschieden gegen Famagusta und liegt in der Bundesliga auf Platz neun. Ist Werder endgültig keine Spitzenmannschaft mehr?

Mario Basler: Doch! Die Bremer stehen derzeit schlecht da, aber vom Potenzial her gehören sie in Deutschland noch immer zu den besten fünf Teams. An einem guten Tag kann Werder nach wie vor jede Mannschaft schlagen.

SPOX: Lässt sich eine Enttäuschung wie auf Zypern demnach nur mit mangelnder Einstellung erklären, wie die Fans seit Wochen monieren?

Basler: Ach, dieses Gequassel mit mangelnder Einstellung und Selbstzufriedenheit... Das kann ich alles nicht nachvollziehen. Die Spieler sind ja keine Maschinen und Roboter, sondern auch nur Menschen. Selbst einem Star wie Diego muss man zugestehen, ein paar schlechte Spiele in Serie abzuliefern.

SPOX: Woran liegt es dann?

Basler: Es ist nicht so, dass die Spieler lustlos sind. Aber ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft noch nicht begriffen hat, um was es geht. Für den Verein, der international präsent sein muss und jetzt ein großes finanzielles Loch zu beklagen hat - und auch für die Spieler selbst, die sich nicht mehr auf der großen Bühne präsentieren können.

SPOX: Claudio Pizarro hat angedeutet, nur bleiben zu wollen, wenn Bremen in der kommenden Saison erneut in der Königsklasse spielt. Auch Diego wird ähnliches nachgesagt. Droht die Mannschaft auseinanderzubrechen?

Basler: Die Spieler sollen sich am Riemen reißen. Sie sind doch selbst dafür verantwortlich, ob sich der Verein auch nächstes Jahr für die Champios League qualifiziert oder nicht. Der Verein hat gewisse Vorgaben, und wenn die Spieler diese erfüllen, stellt sich die Diskussion gar nicht.

SPOX: Geht es bei Werder in so einer Situation womöglich zu ruhig zu? Wäre es nicht ein probates Mittel für Trainer Thomas Schaaf, auch mal öffentlich die Mannschaft wachzurütteln?

Basler: Nein, und das aus einem ganz einfachen Grund: Bremen ist nicht wie jeder andere Verein. Es geht alles viel, viel ruhiger zu. Man ist auf Besonnenheit bedacht. Und Werder ist bisher immer sehr gut damit gefahren, nicht so schnell die Nerven zu verlieren.

SPOX: Manager Klaus Allofs sprach nach der Niederlage in Famagusta Schaaf das vollste Vertrauen aus. Dennoch die Frage: Wie viel Schuld trägt Schaaf an der Krise?

Basler: Thomas Schaaf kann nicht viel dafür. Ich kenne ihn seit Jahren und ich weiß, dass er Tag und Nacht für den Verein arbeitet und versucht, das Optimale aus jedem herauszuholen. Dass nach so erfolgreichen Jahren irgendwann auch eine Phase kommt, in der der Erfolg ausbleibt, war klar. Um das klarzustellen: Es liegt nicht am Trainer.

SPOX: Schaaf machte das 4-4-2 mit Raute in Deutschland salonfähig. Aber ist nicht die Zeit gekommen, um vom taktischen Dogma abzurücken?

Basler: Jeder Trainer hat seine Philosophie. Und warum sollte seine Philosophie auf einmal schlecht sein, wenn sie fünf Jahre lang gut funktioniert hat? Vom Typ her ist Thomas Schaaf jemand, der immer überlegt, wie man Dinge besser umsetzen kann. Schaaf hinterfragt sich fortwährend. Aber während eines Spiels ist auch er machtlos und kann nicht eingreifen. Deswegen sollten sich die Spieler mal ein Beispiel am Trainer nehmen und sich zusammenreißen.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Basler: Die Spieler sind selbst verantwortlich dafür, sich aus einem Formtief herauszuziehen. Man kann nicht immer den Trainer dafür verantwortlich machen, wenn einer mal drei schlechte Spiele am Stück abliefert.

SPOX: Fehlt im Kader vielleicht der nötige Druck, weil Werder mit einigen Neuzugängen danebenlag?

Basler: Bremen darf auch mal den einen oder anderen Spieler holen, mit dem es nicht so klappt. Dieses Recht muss man Werder zugestehen. Beim FC Bayern ist ja auch nicht jeder Transfer ein Erfolg. Eine Garantie, dass es mit einem Spieler hundertprozentig passt, hat kein Verein. Auch nicht Bremen.

Die Gruppe B der Champions League im Überblick

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