Rasanter Aufstieg dank teurer Schuhe

Von Christian Bernhard
Dienstag, 21.10.2008 | 11:04 Uhr
AC Florenz, Fiorentina, Prandelli, Corvino, Serie A, Italien
© Imago
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Montevarchi, Gualdo, Grosseto: So hießen die Gegner des AC Florenz in der Saison 2002/2003. Die dazugehörige Liga war die Serie C2, Italiens vierte Spielklasse.

 

Der große AC Florenz, einst fußballerische Heimat von Roberto Baggio und Gabriel Batistuta, war zuvor Pleite gegangen.

Dass der Verein jetzt wieder im Konzert der ganz Großen mitspielt, verdankt er in erster Linie drei Männern: Diego Della Valle, Pantaleo Corvino (im Bild rechts) und Cesare Prandelli (links) sind das "Violette Triumvirat". Ein Schuh-Millionär, ein umtriebiger Sportdirektor und der zweimalige Trainer des Jahres in Italien. Aber der Reihe nach.

Della Valle legt sich mit Berlusconi an

Als Diego Della Valle, der mit der Nobel-Schuhmarke Tod's ein Vermögen machte, 2002 den Bankrott gegangenen Verein übernahm, musste er ihn in Florentia Viola umbenennen. Die 22 Millionen Euro Schulden der Fiorentina waren dem Gericht in Florenz zu viel gewesen, das Team hatte keine Lizenz erhalten.

Unter Kapitän Angelo Di Livio, der dem Verein trotz der Verbannung in die niederen Gefilde die Treue gehalten hatte, begann der Wiederaufstieg der Violetten.
Mittendrin die Della Valles. Zusammen mit Bruder Andrea sorgte Diego für neuen Schwung, nicht nur in Florenz.

Die von den Tifosi "Fürsten der zweiten Renaissance" genannten Brüder vertraten seit der Rückkehr in die Serie A im Jahr 2004 lautstark die Rechte der kleineren Vereine und legten sich mit den Mächtigen des Landes an.

"Ich würde mich an Berlusconis Stelle schämen. Er ist ein Lügner und vertritt nur seine eigenen Interessen", polterte der 54-Jährige 2006 gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Dieser hatte mit seiner Regierung eine gerechtere Aufteilung der TV-Gelder verhindert. Berlusconis Partei Forza Italia rief daraufhin offen zum Boykott der Tod's-Waren auf, Della Valle wurde zum Helden der Linken.

Corvino holt Toni, Mutu und Co. nach Florenz

Den wichtigsten Schachzug in Sachen AC tat Della Valle 2005 mit der Verpflichtung von Sportdirektor Pantaleo Corvino. Der 58-Jährige lotste als erste Amtshandlung Trainer Cesare Prandelli an den Arno, rückblickend der Startschuss zum Erfolgsmärchen des AC.

Trotz der Verwicklung in den großen italienischen Fußballskandal und eines Punktabzuges von 30 Zählern landeten die Toskaner auf Rang neun, Ende der Saison 2006 erreichte die Fiorentina trotz erneuter 15 Punkte Abzug den UEFA-Cup.

Corvino verpflichtete nicht nur Luca Toni, sondern mit Sebastian Frey, Alessandro Gamberini, Riccardo Montolivo, Adrian Mutu und Alberto Gilardino nahezu alle Stützen der jetzigen Mannschaft und bewies dabei einmal mehr sein besonderes Näschen auf dem Transfermarkt.

Berbatov landet beinahe in Lecce

Corvinos Coups kamen nicht von ungefähr. In seiner Zeit als Sportdirektor in Lecce hatte er bereits Spieler wie Fabrizio Miccoli, Waleri Bojinow und Mirko Vucinic entdeckt.

Andere gingen Corvino hauchdünn durch die Lappen. "Dimitar Berbatov hatte bereits die medizinischen Untersuchungen in Lecce hinter sich", erzählte der Süditaliener jüngst.

Kurz vor der Unterschrift platzte der 1,7-Millionen-Euro-Deal aber wegen einer Kleinigkeit. Es heißt, Berbatovs Entourage soll plötzlich die Forderungen erhöht haben. Der Bulgare landete daraufhin in Leverkusen, der Rest der Geschichte ist bekannt.

Während Corvino in der ganzen Welt nach Talenten suchte, formte Cesare Prandelli das Rohmaterial auf dem Trainingsplatz Schritt für Schritt zu einer Spitzenmannschaft. Der 51-Jährige steht für erfrischenden Offensivfußball und für große Charakterstärke.

Schwerer Schicksalsschlag für Prandelli

Im Sommer 2004 übernahm der wegen seines Geburtsortes Orzinuovi "Zauberer von Orz" genannte Trainer den AS Rom, trat aber noch vor Saisonbeginn zurück, um seine schwerkranke Frau Manuela zu pflegen. Als seine Ehefrau 2007 verstarb, nahm nahezu ganz Florenz an der Trauerfeier teil.

Prandelli ist mit seiner zurückhaltenden und respektvollen Art mittlerweile zu einer stillen Ikone der toskanischen Hauptstadt geworden, auch außerhalb des Rasens. Das beweist die Unterschriftenaktion der Florentiner im März, mit der Tausende seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt forderten.

Nicht nur deshalb genießt er in der oft als oberflächlich verschrienen Fußballbranche einen besonderen Ruf. Die beiden Auszeichnungen zu Italiens Trainer des Jahres (2006 und 2007) untermauern Prandellis Aura auch auf dem Rasen.

Kein Wunder, dass bereits mehrere Großvereine versucht haben, Prandelli abzuwerben.

Corvino wies aber alle Versuche der Konkurrenz zurück: "Cesare und ich haben dieses Projekt zusammen begonnen und werden es noch sehr lange weiterführen." Solche Aussagen zaubern dem Fürsten ein Lächeln ins Gesicht.

Ergebnisse und Tabelle der Gruppe F

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