"Die Bundesliga ist chancenlos"

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 17.09.2008 | 22:58 Uhr
© Getty
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Jose Mourinho, Trainer von Inter Mailand, drückte es stellvertretend für die Branche aus. "Es gibt nichts Geileres als die Champions League. Schon während der Gruppenauslosung war ich ganz nervös. Dieser Wettbewerb ist ein Geschenk Gottes."

Am Dienstag startete das alljährliche Spektakel um die begehrteste Trophäe im europäischen Vereinsfußball. 31 Mannschaften, darunter die Neulinge BATE Borisov, Anarthosis Famagusta, BK Aalborg und CFR Cluj, machen Jagd auf Cup-Verteidiger Manchester United.

Rund 600 Millionen Euro wird der europäische Fußballverband (UEFA) an die Teilnehmer ausschütten. Aus den Einnahmen wird eine Solidarzahlung in Höhe von ca. 27 Millionen Euro an die 53 Nationalverbände verteilt.

Solidarität trägt Früchte

UEFA-Präsident Michel Platini will so die Kluft im europäischen Fußball verkleinern.

"Dass Mannschaften wie Famagusta oder Cluj in dieser Saison dabei sind, ist für mich ein Beweis, dass die Solidarität Früchte trägt. Aus den Einnahmen zweigen wir Jahr für Jahr Millionen ab, die auch an scheiternde Vereine, die nicht in die Endrunde vorstoßen, verteilt werden. Mit diesem Geld holen sie auf - und können allmählich den Großen ein Bein stellen", sagte Platini dem "sid".

Ein Vorhaben, das es zu tolerieren gilt, das nach Ansicht von Karl-Heinz Rummenigge aber allenfalls ein niedlicher Versuch ist, die Kräfteverhältnisse im europäischen Fußball zu verändern.

An der Vorherrschaft der englischen Vereine in der Champions League werde sich nämlich in absehbarer Zeit nichts ändern, erläuterte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München am Montag in München auf der Champions-League-Pressekonferenz von Premiere.

Englische Vereine weit voraus

"Die Engländer sind im Moment Europa etwas davon gelaufen. Gegen Mannschaften wie Manchester United oder Chelsea ist die Bundesliga extrem ins Hintertreffen geraten", sagte Rummenigge. "Wenn man anschaut, welche Möglichkeiten da herrschen, wäre es schon eine große Sensation, wenn die Engländer in diesem Jahr nicht wieder eine dominante Rolle spielen."

Der Bayern-Boss verfolgt die Entwicklung allerdings keinesfalls mit Argwohn.

"Man darf Investoren wie Roman Abramowitsch oder die Abu Dhabi Group von Manchester City nicht verdammen. Ich würde eher wünschen, dass in Deutschland mit etwas weniger Angst an diese Dinge herangegangen wird. Geld ist nun mal entscheidend auf dem Transfermarkt. Und was auf dem Transfermarkt geschieht, ist entscheidend für das, was auf dem Platz geschieht", sagte Rummenigge.

Investoren kontaktierten Bayern

In den 70er und 80er Jahren sei die Bundesliga die beste Liga der Welt gewesen, mittlerweile aber müssten die Bundesliga-Vereine darauf achten, "dass wir den Zug nicht verpassen", so der 52-Jährige.

"Mir fehlt einfach die Aussicht, wie die deutschen Top-Klubs im europäischen Großkonzert wieder eine Rolle spielen wollen. Im Moment ist die Bundesliga chancenlos. Inzwischen wird auch in Osteuropa enorm viel Geld in den Fußball investiert."

Gleichzeitig betonte Rummenigge aber, dass der FC Bayern momentan keine Gedanken verschwende, Investoren ins Land zu lassen, wenngleich "Leute bereits angeklopft hätten".

Um diesen Leuten überhaupt die Tür öffnen zu können, müsste die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Abschaffung der 50-plus-1-Regel beschließen. Nach dieser Regelung muss die Mehrheit der Anteile eines Kapitalunternehmens dem Stammverein gehören. Diese Regelung ist auch in den Statuten des FC Bayern München verankert.

Rummenigge fordert Salary Cap

Rummenigge sieht derzeit nur einen Ausweg aus der Chancenungleichheit im europäischen Fußball: die Einführung einer Gehaltsobergrenze.

"Ein Robinho verdient bei Manchester City 6,5 Millionen Euro netto. Solche Summen kann man in der Bundesliga relativ deutlich vergessen. Die finanziellen Rahmenbedingungen sind in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig."

Auch Klaus Allofs macht der Bundesliga wenig Hoffnung auf Superstars. "Spieler wie Cristiano Ronaldo sind für deutsche Klubs Utopie geworden", sagte der Werder-Manager im Gespräch mir SPOX.

Infolgedessen wertet Rummenigge einen Viertelfinaleinzug des FC Bayern in der kommenden Champions-League-Saison bereits als großen Erfolg. "Der FC Bayern und die Bundesliga insgesamt wird nach wie vor ernst genommen in Europa. Aber jetzt müssen wir den Beweis auch antreten, dass wir konkurrenzfähig sind."

Wäre auch - um es mit Mourinhos Worten auszudrücken - äußerst ungeil, wenn dem nicht so wäre.  

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