Der beste Schweini

Von Thomas Gaber
Donnerstag, 18.09.2008 | 11:46 Uhr
Bastian Schweinsteiger, Bayern München, Steaua Bukarest
© Getty
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Es lief die 69. Minute im Steaua Stadion von Bukarest. Bastian Schweinsteiger nahm im Champions-League-Spiel des FC Bayern München bei Steaua Bukarest einen Pass auf Höhe der Mittellinie an und schirmte den Ball geschickt ab, um Sekundenbruchteile später von Florin Lovin brutal von hinten abgegrätscht zu werden.

Lovin hatte es offensichtlich nicht auf ein sauberes Tackling abgesehen, sondern war nach Kräften bemüht, Schweinsteiger den rechten Knöchel durchzutreten.

Ein unanständiger Vorgang, aber Lovin erkannte, dass es Steauas einzige Chance war, Schweinsteiger aus dem Spiel zu nehmen. Kurzum: es misslang.

Schweinsteiger biss auf die Zähne und scheute auch bis zu seiner Auswechslung in der 83. Minute keine Nahkämpfe. Gut für Schweini, dass er Lovins Einsteigen unbeschadet überstand. Vor allem aber auch gut für Bayern.

Wohlfühlen in der Rolle

Schweinsteiger zeigte beim erfolgreichen Champions-League-Comeback der Münchner erneut eindrucksvoll, in welch guter Verfassung er sich derzeit befindet.

Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann hatte für den 24-Jährigen die Rolle des Spielmachers im zentralen Mittelfeld vorgesehen und war damit Schweinsteigers Herzenswunsch nachgekommen.

Schweini rechtfertigte das Vertrauen. In der ersten Hälfte brillierte er als Ballverteiler, war stets erste Anspieloption und bereitete Daniel van Buytens Siegtor mit einer exzellenten Freistoßflanke vor.

"Bastian hat zu alter Leistungsstärke zurückgefunden. Er spielt hervorragend, nachdem er fast zwei Jahre lang der Musik hinterherlief", sagte Franz Beckenbauer.

Sehr gute Entwicklung

Bayern und die deutsche Nationalmannschaft erleben den besten Schweini seit der WM 2006. Sein langjähriger Wegbegleiter und väterlicher Freund Oliver Kahn hatte ihn vor der Saison beiSPOX noch als unreif bezeichnet und Stefan Effenberg hatte gefordert, er solle endlich eine dominierende Rolle bei Bayern übernehmen.

Binnen weniger Wochen hat Schweinsteiger Kahns These widerlegt und Effenbergs Forderung erfüllt.

"Er hat eine sehr gute Entwicklung unter Jürgen Klinsmann genommen. Wir sind sehr zufrieden mit ihm und werden uns bemühen, ihn zu halten", hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bereits vor dem Steaua-Spiel verraten.

Nach der Leistung in Bukarest sind Schweinis Aktien weiter gestiegen. Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus. In den Notizblöcken europäischer Spitzenklubs ist sein Name längst vermerkt. Inter Mailand war im Sommer stark interessiert, ebenso Juventus Turin.

Stammplatz sicher

Schweinsteiger will prinzipiell bei Bayern bleiben, verlangt aber eine langfristige Perspektive.

Einen Freibrief hat er bei Förderer Klinsmann nicht, aber derzeit klar die Nase vorn im Vergleich mit Tim Borowski und Toni Kroos. Seinen Stammplatz hat er sicher in einer Mannschaft, die sich laut Schweinsteiger "von Spiel zu Spiel weiterentwickelt."

Klinsmann sieht's ähnlich: "Dieses Spiel war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Spieler helfen sich gegenseitig, man kann sich auf einander verlassen. Das muss aber auch so sein. Wir haben schließlich viel vor in dieser Saison."

Beckenbauer findet Klinsi gut

Und bereits einiges erreicht, meint Beckenbauer. "Jürgen hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Es war ein großes Glück, dass er im Fußball geblieben ist. Und ein Glück, dass er wieder da ist. Er bereichert den FC Bayern", sagte der Kaiser bei Premiere. Chapeau Klinsi!

Der Coach ist indes keineswegs zufrieden mit dem bisher erreichten. Klinsmann strebt nach mehr: "Wir müssen lernen, unser Spiel über 90 Minuten durchzuziehen."

Am besten mit Schweini.

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