Arbeiter in der Glamour-Welt

Von Thomas Gaber
Mittwoch, 13.08.2008 | 17:43 Uhr
fußball, champions league, atletico, madrid
© Imago
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München - "Ich habe mehr als einen Freund verloren. Nur allein die Tatsache, dass ich mit Gil y Gil das Double feiern durfte, dafür hat es sich gelohnt zu leben."

Dieser Satz stammt von Trainer Radomir Antic, der Atletico Madrid, Gegner von Schalke 04 in der Champions-League-Qualifikation (Mi., 20.30 Uhr im SPOX-TICKER) 1996 zum Gewinn der spanischen Meisterschaft und des spanischen Pokals führte.

Jesus Gil y Gil war zwischen 1987 und 2003 Präsident von Atletico und sorgte in dieser Zeit für allerhand Skandale. Mal rülpste er einem Reporter ins Mikrofon, mal gab er Unsummen für scheinbar sinnlose Dinge wie ein mit Gold verziertes Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett (knapp 40.000 Euro) aus.

Die Aufregung konnte der exzentrische Präsident nie verstehen. "Ein bisschen Luxus wird man sich ja wohl noch leisten dürfen", pflegte er zu sagen.

Viele Atletico-Fans vergöttern den 2004 verstorbenen Gil y Gil, obwohl er nicht nur Gutes für den Verein tat.

Vergöttert und verteufelt

"Atletico hat unter Gil y Gils Skandalen sehr gelitten. Als er Präsident von Atletico wurde, hatte der FC Barcelona nicht mehr Meistertitel als Atletico. Mittlerweile haben sie doppelt so viele", sagt Andre Kahle, Präsident des ersten offiziellen Atletico-Fanklubs in Deutschland (Peña Atletica Centuria Germana), im Gespräch mit SPOX.

Gil y Gils Heldenstatus kann Kahle dennoch verstehen. "Über tote Menschen spricht man nicht schlecht. Und seine Sprüche kamen natürlich gut an. Einmal hat er zum Präsidenten von Real gesagt: 'Ihr seid alle Assis.'"

Am Mythos Atletico hat Gil y Gil nur bedingt Anteil. "Es ist vielmehr der Zusammenhalt der Fans und die Stimmung untereinander", erläutet Kahle. "Ich habe das bei der 100-Jahr-Feier von Atletico 2003 miterlebt. Es war atemberaubend. Seitdem bin ich mit dem Virus rojiblanco infiziert und nicht mehr davon losgekommen."

Verein der Arbeiterklasse

Eine plausible Erklärung für seine Liebe zu Atletico hat Kahle aber nicht: "Der Verein produziert jedes Jahr einen offiziellen Werbespot, der im Fernsehen läuft. Im letzten Spot fragte ein kleiner Junge seinen Vater: 'Papa, warum sind wir eigentlich Fans von Atletico?' Der Vater will antworten, bekommt aber kein Wort raus. Und genau das ist es: Es gibt keine Erklärung."

Atletico ist seit jeher ein Verein für die Arbeiterklasse. Viele Emigranten aus Südamerika, die in Madrid leben, fühlen sich zu den rojiblancos hingezogen. Sie identifizieren sich eher mit Atletico und nicht mit dem königlichen Klub von Real.

Da wo der noble Stadtrivale bereits ist, will Atletico in dieser Saison noch hin: in die Champions League. Dafür muss sich die Mannschaft von Trainer Javier Aguirre gegen Schalke 04 durchsetzen. Schalke im SPOX-Porträt

Schlüsselrolle für Ujfalusi

"Schalke muss das Hinspiel gewinnen, im Rückspiel werden sie kaum eine Chance haben. Sie können spielerisch nicht mit Atletico mithalten", schätzt Andre Kahle. "Wenn Atletico Schalkes Spezialität, die Standards, in den Griff bekommt, haben sie sehr gute Chancen, weiterzukommen. Es wird viel auf Tomas Ujfalusi ankommen, der in der Luft überragend ist."

Der tschechische Neuzugang Ujfalusi ist in der Innenverteidigung gesetzt. Im Tor wird voraussichtlich Leo Franco und nicht der neu verpflichtete französische Nationalkeeper Gregory Coupet zum Einsatz kommen.

"Derjenige, der gegen Schalke spielt, wird die Nummer zwei sein und nur die Pokal-Wettbewerbe spielen. Das wird wohl Franco sein. Coupet wird in der Liga spielen", glaubt Kahle.

Aguero wird schmerzlich vermisst

Verzichten muss Atletico auf Stürmer Sergio Kun Aguero, der mit Argentinien das olympische Fußballturnier spielt - ein klarer Nachteil für Madrid.

"Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, auch keinen Messi oder Cristiano Ronaldo, der einen 50-, 60-Meter-Pass so elegant annehmen und umgehend eine vielversprechende Offensiv-Aktion einleiten kann wie Aguero. Das Sturmduo Forlan/Aguero gehört zu den besten der Welt", so Kahle.

Neben Forlan wird der französische Neuzugang Florent Sinama Pongolle stürmen. Pongolle erzielte in den letzten zwei Jahren 22 Ligatore für Recreativo Huelva.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Schalke 04: Schober - Westermann, Höwedes, Bordon, Pander - Jones, Ernst, Engelaar - Farfan, Kuranyi, Rakitic (Altintop)
Atletico Madrid: Leo Franco - Perea, Heitinga (Pablo), Ujfalusi, Antonio Lopez - Maxi Rodriguez, Assuncao, Raul Garcia, Simao - Forlan, Sinama Pongolle

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