Rutten & Jones exklusiv

Reifeprüfung Königsklasse

Von Interview: Haruka Gruber
Freitag, 01.08.2008 | 10:33 Uhr
Jermaine, Jones, Schalke 04, Rutten, Interview
© Getty
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München - Schlimmer hätte es der FC Schalke 04 nicht erwischen können: In der Qualifikation zur Champions League spielen die Knappen gegen Atletico Madrid. 

Wenige Stunden nach der Lotterie steht für Königsblau aber wieder der sportliche Alltag im Vordergrund.

Ab 20.15 Uhr tritt Schalke im Rahmen der Initiative "Gib Gas gegen Gewalt", initiiert von S04-Hauptsponsor "Gazprom", zum Benefizspiel bei Alemannia Aachen an.

Im Interview mit SPOX sprechen Trainer Fred Rutten (45) und Mittelfeldspieler Jermaine Jones (26) über die Vorzüge der Champions League, die Bedeutung von aktiver Fan-Arbeit und "Deserteur" Rafinha.

SPOX: Gegen Atletico wird es schwer, in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Welche Bedeutung hätte die erneute Teilnahme an der Königsklasse?

Fred Rutten: Es gibt drei Aspekte. Finanziell ist es natürlich ausgesprochen lukrativ, dabei zu sein. Stichwort: weitere Transfers. Zweitens bringt die Champions League eine Mannschaft auch sportlich weiter. Das Team wird reifer und selbstbewusster, wenn es gegen absolute Top-Mannschaften antritt. Und drittens ist die Champions-League-Teilnahme immer ein Argument für einen Spieler, nach Schalke zu wechseln.

Jermaine Jones: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir wollen uns unbedingt wieder mit den besten Teams Europas messen.

SPOX: Am Abend steht das Freundschaftsspiel in Aachen an. Warum firmiert die Partie unter dem Motto "Gib Gas gegen Gewalt"?

Rutten: Weil solche Aktionen wie von unserem Sponsor 'Gazprom' für den Fußball enorm wichtig sind, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Gewalt hat weder auf dem Platz noch in der Gesellschaft etwas zu suchen.

Jones: Die Vereine und Verbände in Deutschland müssen sich noch stärker als bisher gegen Gewalt in Stadien einsetzen und daher finde ich es gut, dass wir - bereits zum dritten Mal - Flagge zeigen. Nur durch aktive Fan-Arbeit können wir die Gewalt verdrängen.

SPOX: Herr Jones, Sie selbst stammen aus Bonames, einem vermeintlichen Problemviertel Frankfurts. Welche Erfahrungen haben Sie mit Gewalt gemacht?

Jones: Keine, ich hatte keine Probleme mit Gewalt. Nichtsdestotrotz bin ich mir meiner Vorbildrolle natürlich bewusst  - genauso wie Steffi Jones, die mit mir im gleichen Viertel groß geworden ist.

SPOX: Sie selbst sorgten vor einigen Wochen für Irritation, als Sie mit einem Wechsel ins Ausland kokettierten...

Jones:  Es ist alles okay zwischen mir und dem Verein. Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die bevorstehenden, schweren Aufgaben.

Rutten: Zwischen uns gibt es überhaupt keine Probleme.

SPOX: Auch nicht, wenn Jones womöglich als Rechtsverteidiger aushelfen muss?

Rutten: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Problem gibt. Und wenn doch, klären wir das intern, nicht in der Öffentlichkeit.

Jones: Es ist klar, dass ich meine besten Spiele für Schalke im Mittelfeld gemacht habe. Genauso klar ist aber auch, dass der Trainer über die Aufstellung entscheidet, und nicht der Spieler.

SPOX: Die Position rechts hinten ist zu Saisonbeginn vakant, weil Rafinha zu Olympia "geflüchtet" ist. Zuvor sorgte er bereits mit Wechselgerüchten und nächtlichen Partys für Schlagzeilen. Was ist los mit ihm?

Jones: Rafinha ist ein feiner Kerl. Wie das jetzt alles mit Olympia gelaufen ist, kann ich nicht beurteilen, das muss der Verein mit dem Spieler und dem brasilianischen Verband klären.

SPOX: Herr Rutten, Schalke hat sich mit Jefferson Farfan und Orlando Engelaar verstärkt, die Abwehr jedoch scheint durch Rafinhas Abstellung und Mladen Krstajic' Verletzung zu dünn besetzt. Reicht das, um die Bayern anzugreifen?

Rutten: Farfan und Engelaar haben Qualitäten, die uns einen Schritt weiter bringen können. Und in der Defensive haben wir neben den etablierten Spielern ja auch talentierte Jungs wie Benedikt Höwedes, der schon gezeigt hat, dass er mithalten kann. Aber ob es reicht, um mit den Bayern mitzuhalten? Eine fundierte Antwort kann ich Ihnen in vier Monaten geben.

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