Dienstag, 20.05.2008

Champions League

Ballack: "Nur der Titel bestimmt meine Gedanken"

Moskau - Michael Ballack ist bereit für den Gipfelsturm mit dem FC Chelsea im Champions-League-Finale (Mi., 20.45 Uhr im SPOX-TICKER und im Internet TV). Mit grenzenloser Leidenschaft will der Kapitän des DFB-Teams in Moskau gegen Manchester United seinen ersten internationalen Titel gewinnen.

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© Getty

"Man muss es wollen, mit aller Macht", erklärte der 31-Jährige, "das Gefühl, wie es wäre, die Trophäe in den Händen zu haben, wird jeden Tag stärker. Es besitzt dich total und bestimmt deine ganzen Gedanken, und genauso muss es sein."

Ticketpreise bis zu 6000 Euro werden auf dem Schwarzmarkt für die Gänsehaut-Gala verlangt. Knapp 6000 Polizisten stellen sich der britischen Invasion von 45.000 Fans und wollen die befürchteten Ausschreitungen mit aller Macht verhindern.

ManUtd hat leeren Trophäenkoffer im Gepäck

Bei Dunkelheit kamen beide Teams am Montagabend in der russischen Hauptstadt an. ManUtd hatte sogar einen leeren Trophäenkoffer im Gepäck, um den begehrten Pokal unbeschadet mit nach Hause zu nehmen. "Wir haben die Siegermentalität in großen Spielen", tönte Meistermacher Sir Alex Ferguson lange vor dem Abschlusstraining im herausgeputzten Luschniki-Stadion.

Das frisch verlegte Gras als Ersatz für den ungeliebten Kunstrasen ist in sehr schlechtem Zustand, aber eine Schockstarre lösen solche Lappalien bei Fergie nicht aus: Neun Jahre nach dem 2:1-Final-Thriller gegen den FC Bayern ist der 66-Jährige geradezu besessen von Uniteds drittem Gewinn der europäischen Eliteklasse. "Ich sammle Titel", hat der Schotte in der Vorwoche gesagt, "und ich will dieses Ding. Meine Spieler wissen genau, was sie tun müssen."

"Das Finale von 2002 ist Geschichte"

Mehr als 1800 Länderspiel-Einsätze kommen bei der Ansammlung an Gütekickern zusammen. Von den ManUtd-Assen haben Torhüter Edwin van der Sar (1995/Ajax), Owen Hargeaves (2001/Bayern), Gary Neville und Ryan Giggs (beide 1999/ManU) den Pott schon einmal geholt. Paul Scholes hatte damals im Finale gesperrt zuschauen müssen und bekommt jetzt eine neue Chance.

Auch für Ballack ist es nach der unglücklichen 1:2-Pleite mit Bayer Leverkusen im Finale 2002 gegen Real Madrid der zweite Anlauf auf den ultimativen Preis. Sein Arbeitgeber hat sogar sechs Champions League-Sieger unter Vertrag: Belletti (2006/FC Barcelona), Paulo Ferreira und Ricardo Carvalho (beide 2004/FC Porto), Claude Makelele (2002/Real), Nicolas Anelka (2002/Real) und der bisher so enttäuschende Andrej Schewtschenko (2003/AC Mailand).

"An mein letztes Champions-League-Finale mit Bayer Leverkusen denke ich nicht mehr so oft, es liegt ja auch schon sechs Jahre zurück. Das ist alles Geschichte", sagte Ballack gegenüber "Premiere". "Aber ich weiß natürlich genau, wie schwer es ist, in ein solches Finale zu kommen. Ich stehe jetzt zum zweiten Mal im Endspiel und will es diesmal gewinnen. Man weiß ja nie, ob man es noch einmal schafft, um den Titel zu spielen. Dementsprechend bin ich motiviert." 

Investition von 800 Millionen Euro

"Roman Abramowitsch hat völlig recht. Man muss einen Titel nach dem andern holen, um eine Tradition aufzubauen", sagte die deutsche Führungskraft des Londoner Vorzeigevereins. Die zwei englischen Meistertitel 2005 und 2006 waren dem russischen Oligarchen zu wenig. Chelseas milliardenschwerer Besitzer will in der Heimat auf Europas Thron. Dafür schmiss er sogar Meistercoach Jose Mourinho raus und ersetzte ihn durch den unscheinbaren Israeli Avram Grant.

Seit seiner Übernahme vor fünf Jahren hat Abramowitsch die erste Final-Teilnahme der Klub-Geschichte fast 800 Millionen Euro gekostet. "Nachdem wir ja den Meistertitel in England verpasst haben, spüre ich eine gesunde Aggressivität in der Mannschaft. Mit dem Einzug ins Finale haben wir bereits ein Stück Klubgeschichte geschrieben. Jetzt wollen wir das Ding auch gewinnen, das ist klar", gab sich Ballack kämpferisch.

Uniteds Trainer-Dino Ferguson, seit 1986 im Amt, durfte dafür vor Saisonbeginn 100 Millionen Euro für vier Neue ausgeben - den torgefährlichen Stürmer-Joker Carlos Tevez, die facettenreichen Mittelfeldwirbler Anderson und Hargreaves und den unberechenbaren Dribbel-Artisten Nani.

"Es gibt keine Geheimnisse"

Beide Teams setzen auf Kommerz und Konzeptfußball. Der Meister aus Manchester und der Vize-Meister aus London besitzen diese unwiderstehliche Mischung aus Disziplin, Wucht, Esprit und Magie, aber Spektakel-Fußball ist damit noch lange nicht garantiert.

Die beiden anderen Champions League-Endspiele zweier Ligakonkurrenten (Real Madrid - Valencia/2000, AC Mailand - Juventus/2003) waren eher öde Affären.

"Es gibt keine Geheimnisse. Beide Teams wissen alles voneinander", sinnierte Grant, vor drei Wochen in der Liga noch 2:1-Sieger gegen Ferguson dank Doppel-Torschütze Ballack.

Giggs vor Rekordspiel

Immerhin versprechen die Künste von Englands Toptorjäger dieser Saison, Uniteds Cristiano Ronaldo (31 Treffer), und Chelseas Didier Drogba ein paar Aha-Erlebnisse. Alt-Star Giggs könnte mit seinem 759. Profi-Einsatz für Manchester den Klub-Rekord des legendären Sir Bobby Charlton brechen.

Erlebniswelt Champions-League-Finale: Die Red Devils wurden nach ihrer meisterhaften Defensiv-Demonstration beim 0:0 im Halbfinal-Hinspiel in Barcelona von der spanischen Presse als "Heilige Nullen"gehuldigt. In Moskau wird der Meister des Geduldsspiels gesucht.


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