Dienstag, 22.04.2008

Reds-Coach Benitez sauer auf Schiri

Und schuld war nur der Ösi

Liverpool - Nach einem Tor-Geschenk in der letzten Sekunde der Nachspielzeit kann sich Michael Ballack Hoffnungen auf sein zweites Champions-League-Finale nach sechs Jahren machen.

© Getty

Ein Eigentor des Norwegers John Arne Riise rettete dem FC Chelsea im Hinspiel des brisanten englischen Halbfinal-Duells beim FC Liverpool nach einer enttäuschenden Vorstellung noch ein schmeichelhaftes 1:1 (0:1).

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Dirk Kuyt hatte die überlegenen Reds vor 41.985 Zuschauern im ausverkauften Stadion an der Anfield Road mit seinem Treffer in der 43. Minute in Führung gebracht, Riise traf kurz vor dem Abpfiff (90.+5) ins falsche Tor.

Das Tor von Kuyt im SPOX-Replay

In acht Tagen kann Chelsea an der Stamford Bridge nun das dritte Halbfinal-Aus gegen Liverpool in vier Jahren verhindern - das Finale am 21. Mai in Moskau winkt.

  

Benitez sauer auf Schiri Plautz

"Ich weiß ja nicht, was dieser Österreicher gegen uns hatte. Aber Herr Plautz war schlecht. 95 Minuten lang wurde alles gegen uns gepfiffen. Jede Ecke, jeder Freistoß. Die ersten vier Fouls im Spiel pfiff er wegen Schubsens. Als aber Cole mit beiden Händen schubste, kam von Herrn Plautz nichts", fauchte Rafael Benitez in Richtung Schiedsrichter Konrad Plautz  aus Österreich.

"Natürlich kann man ihm nicht das Eigentor anlasten. Aber warum spielen wir 95 Minuten? In der ersten Halbzeit gab es eine Minute Nachspielzeit und dann plötzlioch vier - aus denen Plautz fünf machte. Sorry, aber das kann ich nicht verstehen."

Ballack: "Etwas Glück dabei"

Auf Seiten der Blues war natürlich nach dem Spiel alles wieder gut. "Am Ende haben wir mit etwas Glück noch das Tor gemacht, und so haben wir eine ganz gute Ausgangsposition für das Rückspiel", sagte Ballack, der nach einer eher mäßigen Partie in der 86. Minute ausgewechselt wurde.

Wie wichtig das Auswärtstor für Chelsea noch werden kann, zeigt ein Blick auf ihre eindrucksvolle Heimbilanz: Seit 62 Spielen in Folge sind die Londoner an der heimischen Stamford Bridge ungeschlagen.

Bereits 2005 und 2007 traf Chelsea im Halbfinale der Champions League auf Liverpool. Beide Male gewannen die Reds ihr Heimspiel jeweils mit 1:0 - und beide Male reichte das für Liverpool zum Weiterkommen.

Gebremste Euphorie

Diesmal nun liegt der Vorteil auf Seiten der Blues. "Es ist noch nichts entschieden. Liverpool ist auch auswärts stark und kann mit seinen gefährlichen Angreifern auch bei uns Tore erzielen", warnte Ballack trotzdem, "das wird für uns noch ein ganz hartes Stück Arbeit."

Insgesamt hielt sich die Euphorie über den späten Ausgleichstreffer bei den Londonern merklich in Grenzen. Zwar fand Ballack das "Unentschieden insgesamt nicht unverdient". Doch abgesehen von einer starken Anfangsphase der Blues war Liverpool die klar bessere Mannschaft: Fast 60 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit und zahlreiche gute Chancen standen zu Buche.

Die besten Bilder von der Anfield Road

Fehlerkette führt zum Tor

Steven Gerrard prüfte Chelseas Keeper Petr Cech schon in der 8. Minute, später konnte sich der 25-Jährige gegen Kuyt (12. und 39.) und Fernando Torres (31.) auszeichnen.

Kuyts Führungstreffer kurz vor der Pause allerdings fiel dann unter gütiger Mithilfe der Chelsea-Defensive: Frank Lampard verlor den Ball am eigenen Strafraum, Javier Mascherano nutzte die Gelegenheit und zog sofort ab.

Seinen abgefälschten Schuss konnte Claude Makele nicht klären und so landete der Ball direkt vor Kuyts Füßen. Der Niederländer nahm das Geschenk an und schob den Ball aus kurzer Distanz durch die Beine von Cech ins Tor.

Chelsea nur mit langen Bällen

Auch nach dem Seitenwechsel war Liverpool die dominierende Mannschaft. Vor allem das Mittelfeld um die starke Doppel-Sechs Xavi Alonso/Mascherano betrieb immensen läuferischen Aufwand und setzte Chelsea schon in deren Hälfte unter Druck.

So brachten die Londoner keine Linie in ihr Spiel - schon der erste Ball landete in Regel beim Gegner oder als Befreiungsschlag bei Didier Drogba, der sich als einzige echte Spitze aber gegen die robuste Innenverteidigung der Reds nie entscheidend durchsetzen konnte.

Zudem gelang es Liverpool, mit den doppelt besetzten Außenpositionen immer wieder Druck zu erzeugen. Vor allem Alvaro Arbeloa machte über rechts eine bärenstarke Partie. Der Spanier nahm Chelseas Kreativkraft Florent Malouda komplett aus dem Spiel und setzte selbst in der Offensive immer wieder Akzente.

Auch den linken Flügel beherrschte Liverpool: Der zuletzt stark aufspielende Londoner Joe Cole etwa hatte kaum Ballkontakte und wurde nach gut einer Stunde ausgewechselt.

Grant hilflos

Dabei durfte er sich erneut bei Keeper Cech bedanken, dass seine Mannschaft nicht noch deutlich in Rückstand geriet: Glanzparade gegen Ryan Babel (59.), Glanzparade gegen Gerrard (85.) als der Tscheche einen Ball mit den Fingerspitzen noch aus der linken Torecke kratze.

So blieb Chelsea im Spiel, wurde im Laufe der zweiten Hälfte auch etwas stärker und kam vereinzelt zu Torchancen. Die größte vergab Lampard in der 85. Minute. In der 95. Minute - Sekunden vor dem Abpfiff - dann das Eigentor von Riise.

Malouda flankte von der linken Seite, der Norweger tauchte am Fünfer zum Flugkopfball ab - und traf unhaltbar ins eigene Tor.

Das Eigentor von Riise im SPOX-Replay

Kampfansage von Kuyt

"Es ist schon enttäuschend. Wir haben das Spiel kontrolliert und hätten ein weiteres Tor verdient gehabt", ärgerte sich Kuyt später über den unglücklichen Ausgleich.  

"Aber wir glauben an uns", so der Torschütze weiter, "wir werden es packen und das Finale erreichen."

SPOX

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