Schalke strotzt vor Vertrauen

Prädikat: Tarantino-würdig

Von Haruka Gruber
Dienstag, 01.04.2008 | 09:44 Uhr
Schalke, Bordon, Krstajic
© Getty
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München - Welcher Vergleich drängt sich auf? Vielleicht, als ob man in einem Quentin-Tarantino-Streifen eine Gastrolle erhält, von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass...?" auf die Couch eingeladen wird, oder der Playboy zu einem - sagen wir - Interview bittet.

Einen ähnlich höflichen Akt der Wertschätzung hatte Bundestrainer Joachim Löw offenbar im Sinn, als er sich am Samstag mit Co-Trainer Hans-Dieter Flick und Chefscout Urs Siegenthaler auf den Weg nach Karlsruhe machte, um den FC Schalke 04 beim 0:0 mit einer persönlichen Vor-Ort-Expertise zu beehren.

Pünktlich vor dem Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals der Königsblauen gegen den FC Barcelona (20.45 Uhr im SPOX-TICKER und im Internet TV) war Löws unterschwellige Botschaft an die Fußball-Nation offensichtlich: Seht her, Schalke ist wieder wer.

(Die Highlights der Partie ab 23.15 Uhr bei SPOX.TV!)

"Wir treten an, um zu gewinnen"

Keine vier Wochen ist es her, da war Schalke zwar kein Niemand, aber doch eine Lachnummer. Die provinziell-naive Debatte über das Für und Wider von Trainer Mirko Slomka hinterließ gepaart mit drei Bundesliga-Pleiten in Serie Spuren. Beim Coach, aber auch bei der Mannschaft und Manager Andreas Müller, Slomkas Intimus.

Doch vor dem Duell gegen den ach so übermächtigen FC Barcelona scheint bei S04 ein neues Selbstverständnis eingekehrt zu sein. "Wir treten an, um zu gewinnen", sagt stellvertretend Christian Pander. Vor allem Müller, Anfang März angesichts der mannigfaltigen Krisenherde noch sichtlich angegriffen, verkörpert nach zehn Punkten aus vier Bundesliga-Partien und dem Sprung auf Platz drei das neue, selbstbewusste S04.

Zwei Toptransfers im Sommer

Erst korrigierte er das Saisonziel in der Bundesliga nach oben ("Wir müssen unbedingt versuchen, Zweiter zu werden"), dann kündigte er für die kommende Saison zwei hochkarätige Neuzugänge an, für die sich der Klub finanziell "nach der Decke strecken" würde.

Und zu allerletzt referierte der 45-Jährige stolz, dass "durch die Auftritte in der Champions League das Interesse an unseren Spielern geweckt wurde". Neben Manuel Neuer, Rafinha und Ivan Rakitic, so lässt Müller im "Kicker" wissen, würden auch Kevin Kuranyi, Heiko Westermann, Jermaine Jones oder Christian Pander im Fokus der europäischen Topteams stehen. Die wenig unterschwellige Botschaft ist offensichtlich: Seht her, Schalke ist wieder wer.

Effizient, nicht schön

Dabei muss betont werden: Müller ist kein Aufschneider. Er will mit den Worten dokumentieren, welch positive Wende die leidige Slomka-Soap genommen hat. Nur in einem schoss er doch etwas über das Ziel hinaus.

Gefragt auf die Chancen Schalkes gegen Barca antwortete er: "Wer Favorit ist, darüber brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Aber ich bleibe bei dem Leitsatz: Form schlägt Klasse." Gewiss, die Resultate haben im Gegensatz zu den Katalanen zuletzt gestimmt, aber ist die Form der Schalker derart vorzeigbar?

Denn insbesondere die hilflosen Offensivbemühungen sind seit Wochen evident, was Kuranyi als Anlass für diese Worte nahm: "Über das Spiel nach vorne brauchen wir doch gar nicht zu sprechen. Da sieht doch jeder, dass da nichts läuft. Es kann nicht sein, dass wir als Stürmer nur eine oder zwei Chancen haben. Das ist bitter. Das kotzt mich natürlich an."

Schalke lernt es nicht

Eine Breitseite in Richtung Mitspieler und womöglich auch Trainer, von Kuranyi garniert mit der wenig verschleierten Forderung: "Vielleicht brauchen wir einen echten Spielmacher."

Müllers Retourkutsche folgte prompt: "Schön, dass sich Kevin Gedanken macht, aber die Personalplanung bleibt unsere Sache. Ich bin ein Freund davon, solche Dinge intern zu behandeln. Und jeder sollte sich zuerst an die eigene Nase fassen."

Schalke ist wieder wer. Aber Schalke bleibt auch Schalke. Ein Mikrokosmos aus hohen Zielen, einigen Rückschlägen und unbedachten Äußerungen.

Oder wie es Slomka formuliert: "Wir sind Dritter in der Bundesliga und stehen im Viertelfinale der Champions League. Deswegen ist nicht gleich alles gut, aber auch nicht alles schlecht." Wie wahr.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Asamoah, Ernst, Kobiaschwili (Grossmüller), Pander - Kuranyi, Altintop

Barcelona: Valdes - Zambrotta, Puyol, Milito, Abidal - Xavi, Toure, Iniesta - Bojan, Eto'o, Henry

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