Dienstag, 29.04.2008

Kolumne: Reif fürs Web

Manchester beginnt zu menscheln

Beide Hinspiele im Halbfinale der UEFA Champions League endeten unentschieden. Liverpool und Chelsea trennten sich 1:1, Barcelona und Manchester United 0:0. Diese Ergebnisse lassen für die Rückspiele alles offen und meiner Meinung nach Folgendes erwarten.

Marcel Reif, Kolumne, Premiere
© Getty

Manchester United - FC Barcelona

Ich bin enttäuscht davon, dass Manchester offensichtlich nur aufs Rückspiel setzt und das Hinspiel einfach weggeben hat. In den ersten Minuten der Partie dachte ich noch, beide Teams gehen auf den Platz und wollen sich zeigen, wer besser ist. So ist es leider nicht weitergelaufen, weil United sich immer weiter zurückgezogen hat.

Die Red Devils, von denen ich annahm, sie würden ein Stück über den anderen schweben, menschelten auf einmal. Und das kann sich in der Endabrechnung rächen. Natürlich bleibt Manchester nach dem 0:0 und mit dem Heimspiel vor der Brust der Favorit auf den Finaleinzug. Aber Barcelona war sowieso Außenseiter in diesem Duell und wurde jetzt von ManUnited so auf einen Showdown hingeführt, dass sie nun noch weniger zu verlieren haben.

Es besteht die Gefahr, dass sich Sir Alex Ferguson mit seiner Idee, das Spiel im Nou Camp extrem defensiv anzugehen, verzockt haben könnte. Zudem scheint es mir, als hätte der englische Meister Selbstvertrauen bis hin zu Übermut oder gar Arroganz. Ich mache das etwa an der Elfmeterszene fest.

Einen Strafstoß in der Art zu schießen, wie es Cristiano Ronaldo getan hat, ist eigentlich Frevel. Es kann sein, dass sich Manchester bereits zu sicher gefühlt hat und damit Barca eine große Chance eröffnet. Barcelona hat nur das Problem, dass sie nicht treffen. Doch ehrlich gesagt, dank des 0:0 müssen sie das auch nicht unbedingt. Sie können es ja bis zum Elfmeterschießen treiben.
 

FC Chelsea - FC Liverpool

Mehr Infusion als Chelsea in der Nachspielzeit an der Anfield Road bekam, kann man nicht mehr kriegen. Sie hatten eigentlich keine Chance gegen Liverpool.

Sie hätten ja gerne gewollt, doch sie konnten einfach nicht mithalten. Von den Blues habe ich nur sehr wenig guten Fußball gesehen. Aber die Reds haben ihre guten Möglichkeiten nicht genutzt und dem Gegner zudem in letzter Sekunde noch so einen Treffer wie das Eigentor von John Arne Riise geschenkt. Das alles muss Chelsea viel Mut machen fürs Rückspiel.

Sie werden mit einem sehr, sehr breiten Kreuz zu Hause an der Stamford Bridge antreten und wenn ich wetten müsste, würde ich auf den FC Chelsea als Finalisten setzen.
Der Gegner wäre übrigens trotz allem Manchester United und wir könnten das Finale dann, wie Franz Beckenbauer schon vorgeschlagen hat, in London austragen, oder vielleicht auf halber Strecke zwischen London und Manchester, und mit einem englischen Schiedsrichter. Doch bis zum Endspiel ist noch ein langer Schritt zu tun.

Womöglich kommt ja alles ganz anders. Schließlich haben die Hinspiele vor allem eines gezeigt: Alle vier Teams liegen im Leistungsvermögen sehr eng beieinander.

Marcel Reif

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